Wetten-dass-Kritik nur noch mit Realnamen?

Markus Lanz ist weiterhin recht erfolgreich in seinem derzeitigen Hauptjob, die Spielshow „Wetten, dass..?“, den großen ZDF-Unterhaltungsdampfer, Folge für Folge zu versenken. Oder, wenn man es mit Goodwill beschreiben will, in normale Zuschauergunstgefilde zu bringen, in denen normalerweise das ZDF-Programm dahinvegetiert.

Da allerdings die Quote für die Mainzelmännchen immer noch das Heiligtum ist und das erstaunlicherweise vor allem für die Programme und Uhrzeiten, wo es noch nicht mal ansatzweise zielgruppen- oder werberelevant ist, führt die feierlich zelebrierte und für den nivellierten Zuschauer mitunter quälende Versenkung des Dampfers zu teilweise schrillen Reaktionen und Bissattacken aus dem benebelten Mainzer Lerchenberg.

Im aktuellen SPIEGEL gibt es auf Seite 145 ein Interview mit dem „Wetten, dass ..?“-Regisseur Volker Weicker, dem scheinbar alles stinkt: Moderatoren werden ständig persönlich angegriffen, alles an der Kritik an „Wetten, dass..?“ sei nur noch Polemik, Markus Lanz würde nicht mehr wohlwollend beobachtet, Schauspieler auf dem „Wetten, dass..?“-Sofa würden während der Sendung twittern und mit ihrem Handy herumspielen. Sprich: Sauhaufen. Also nicht die, die „Wetten, dass..?“ machen, sondern die, die davor sitzen und sich das Drama anschauen (und wohl auch die unverschämten, herumtwitternden Stargäste auf dem „Wetten, dass..?“-Sofa).

Immerhin, Volker Weicker hat ein Lösungsrezept zum Abschluss des Kurzinterviews parat:

SPIEGEL: Aber es sind doch nicht bloß die Kritiker. Wenn Sie sich das Echo auf Twitter ansehen …

Weicker: … da läuft gerade grundsätzlich etwas schief. Man sollte sich da dringend auf einen Kodex verständigen: Twitter nur mit der wahren Identität! Es geht nicht, dass anonym über jemanden hergezogen wird, und dann tragen das die Online-Dienste weiter, der Moderator der Morningshow liest es vor, und am nächsten Morgen um neun Uhr ist die Nation auf eine Stimmung eingenordet.

Genau. Es reicht nicht, dass Sie, liebe Zuschauerin und lieber Zuschauer, auch den wirklich allerletzten Scheiß – ob heißer oder kalter – im ZDF bezahlen, sondern bitte: Schnauze! Fernsehen machen gefälligst die Profis und Sie dürfen maximal zuschauen und das Programm gut finden, aber auf gar keinen Fall schlecht. Denn wenn Sie das Programm schlecht finden, dann müssen Sie dazu unbedingt Ihren Namen sagen, Ihren Twitter-Namen, vielleicht dann in freundlicher Voraussicht auch Ihre Anschrift, Ihr Aktenzeichen bei der Gebühreneinzugszentrale und vielleicht noch ein paar Stichworte aus Ihrem Privatleben.

Dann bitte alles auf eine frankierte Postkarte an das ZDF, Stichwort „Realnamenpflicht und so“, 55100 Mainz. Einsendeschluss ist, wie immer, der nächste Dienstag, es gilt das Datum des Poststempels und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und mit etwas Glück zahlen Sie dann nächsten Monat einen Realnamenbonus, dessen Mehreinnahmen in den ZDF-Sonderfonds für gescheiterte Moderatoren, Regisseure und ZDF-Intendanten kommt.

Addendum: Das komplette Kurzinterview mit Volker Weicker gibt es im E-Paper des SPIEGEL kostenfrei.

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