Vorurteile schüren im Kleinen.

Wir haben an sich zur Nachbarschaft ein relativ gute Verhältnis, da wir aufgeschlossene Leute sind, die so gar nicht recht in das Raster des „Mustermigranten“ passen wollen. Die Nachbarschaftsprobleme, die wir haben, sind daher eher welche, die „normal-nachbarschaftlicher“ Natur sind – Erbsenzählen ist nicht typisch deutsch, sondern ein international bekanntes Phänomen.

Nun wohnt ein paar Häuser weiter seit über einem Jahr eine rumänische Familie. Zwar wird dort mitunter recht rauchintensiv gegrillt, aber stören tun weder die Zeitgenossen uns, noch umgekehrt. Man lebt nicht übereinander herfallend, aber auch nicht wirklich miteinander, sondern eher nebeneinander. Sie arbeiten viel an ihrer Bude und ihrem Garten und gut. Soll ja nicht wirklich mein Problem sein.

Spannend wird es im Detail, denn sie haben eine kleine Tochter, die nach den Sommerferien in die Schule gehen wird. Und die recht eindrucksvoll zeigt, wie man als Familie mit Migrationshintergrund sehr hübsch an den Ressentiments arbeiten kann, die man eigentlich als Migrant hasst: Abkapselung durch fehlende Integration.

Das fängt schon mal damit an, dass Vater und Mutter wohl schuften wie die Beserker und in Schichtarbeit tätig sind. Das führt dann dazu, dass die kleine Tochter den lieben, langen Tag wenig mit sich anzufangen weiß, gerade jetzt in der Ferienzeit, wo die restlichen Kinder alle im Urlaub weilen. Das ist für meine Mutter wiederum kein Problem, die ziemlich effektiv Kinder bespaßen kann. Bei ihr funktioniert das jedoch nur teilweise erfolgreich, weiß sie misstrauisch ist, beispielsweise bei Fremden nichts essen mag. Eigentlich gut, aber: Gestern hat sie dann doch ein Toastbrot mitgegessen und dabei herausgerückt, dass ihre Eltern sehr wohl das Essen in der Nachbarschaft erlaubt hat, jedoch explizit nicht bei uns. Grund: Unbekannt. Und wir merken an, dass ihre Eltern sich in der ganzen Zeit über nicht ein einziges Mal die Mühe gemacht haben, mal vorbeizuschauen oder wenigstens über den Zaun zu grüßen.

Nun ist es mir im Prinzip wirklich völlig wurstegal, wenn jemand glaubt, sein Weltbild auf der Basis von fundierten Informationen oder Stammtischparolen untermauern zu müssen, so lange er mich damit nicht belästigt oder einen Krieg anzettelt. Es ist an sich jedoch bedauerlich zu sehen, wie Eltern die Köpfe ihrer Kinder schon von Kleinauf mit Vorurteilen vergiften und sich dann möglicherweise darüber wundern, dass ihre eigene Integration nicht so recht klappen mag. Integration steht und fällt ganz zuletzt immer unten, nicht oben.

3 Gedanken zu „Vorurteile schüren im Kleinen.

  1. Verwirrte Einzeltäter… 😉
    Schade, dass machne Rumänen sich ausgerechnet so verhalten. Ich kann es nicht nachvollziehen. Zumal sie als Migranten selbst bestens darüber Bescheid wissen dürften wie schwer es ist sich zu integrieren bzw. integrieren zu lassen.

    Ich bin selbst aus Rumänien stammend und seit meinem 10. Lebensjahr in Deutschland. Und der Anfang war wirklich schwer. Zwar haben wir bereits in Rumänien daheim, im Kindergarten und in der Schule ausschließlich Deutsch gesprochen, allerdings war es ungemein schwer als Aussliedler akzeptiert zu werden. Das hat einige Jahre „Überzeugungsarbeit“ benötigt. Irgendwann waren wir aber endlich „integriert“. Und seit jeher war es bei uns so, dass unser Haus voll war – egal ob Deutsche, Türken, Rumänen, Russen, Bulgaren oder Jugoslawen. Es verging kaum ein Tag an dem meine Schwester oder ich nicht den Freundeskreis um uns herum hatten.

    In eurem Fall ist es aber eher peinlich. Es geht ja nicht darum, dem Kind generell den Umgang mit der Nachbarschaft zu verbieten sondern explizit mit einem Nachbarn – dies ohne Angabe eines bestimmten Grundes. Tut mir Leid *fremdschäm*….

    1. Die Nennung von Rumänen ist beispielhaft für die Konstellation hier – die Nationalität hat mit dem grundsätzlichen Problem nichts zu tun. Das will ich hier aber sowas von deutlich angemerkt haben. 🙂

      Das Thema ist eher, dass es Vorurteile gibt und zwar völlig egal von der Nationalität und der Religion. Und Vorurteile hat man vor allem gern dann, wenn man selbst Opfer von Vorurteilen ist oder sich als Opfer von Vorurteilen sieht.

      „Der Türke an sich“ oder der Rumäne oder der Grieche oder was auch immer für eine Nationalität ein Mensch hat – ohne eigene Schritte kommt man nicht sehr weit.

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