DER SPIEGEL erstmals mit einer Titelgeschichte auf Deutsch und Türkisch.

SPIEGEL-Titel 26/2013 - "Boyun Egme - Beugt euch nicht"Darf ich mal kurz Werbung betreiben für den nächsten gedruckten SPIEGEL für die Woche 26, der nächsten Montag erscheint? Danke. Bitte. Denn diese Ausgabe ist eine echte Premiere: Zum ersten Mal in seiner Geschichte veröffentlicht der SPIEGEL eine Titelgeschichte, die gleichzeitig auf Deutsch und auf Türkisch erscheinen wird – in einem Heft. Der Inhalt sind natürlich die derzeitigen Proteste in Istanbul und der restlichen Türkei, die sich längst von einem einstigen Protest aufgrund des Gezi-Parks zu einem landesweiten Protest gegen die autoritäre Politik des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgeschaukelt haben.

Laut der Pressemitteilung der SPIEGEL-Gruppe soll diese Ausgabe des SPIEGEL auch in der Türkei beworben werden, was ebenfalls eine Neuerung ist. Zwar gibt es den SPIEGEL schon seit Jahrzehnten auch in gedruckter Fassung in der Türkei zu kaufen, beworben werden internationale Zeitungen jedoch im Ausland kaum. Das hat sicherlich nichts damit zu tun, dass der SPIEGEL auch in der Türkei in intellektuellen Kreisen Gewicht hat, sondern damit, dass ein deutschsprachiges Magazin in der Türkei eben eine Randerscheinung in der Medienwelt ist.

Gerade das ist in der Türkei in den vergangenen Jahren zu einem Problem gewachsen, denn türkische Medien sind schlicht nicht mehr in der Lage, über Proteste gegen Erdogans Gurkentruppe frei zu berichten. In den vergangenen Jahren wurden kritische Journalisten perfide und sehr effektiv an den Rand gedrängt, aus Redaktionen herausgeworfen, mit Berufsverboten bedacht oder gleich um die Ecke gebracht. Die einst gar nicht so schlechte Nachrichtenlandschaft der Türkei ist heute nur noch ein Schatten ihrer.

Ich bin gespannt, wie der nun kommende SPIEGEL in der Türkei einschlägt. Berufsverbote gegen SPIEGEL-Journalisten werden kaum dem Regime nützen und selbst eine Zensur der in die Türkei importierten Hefte (hat auch eine „gute“ Tradition) wird im Zeitalter des Internets kaum helfen. Auch wenn ich die Titelgeschichte noch gar nicht gelesen habe: Danke, SPIEGEL. Eine echte und wichtige Geste. Und ich würde als jahrelanger Abonnent für diese Ausgabe sehr gern das Doppelte bezahlen.

4 Gedanken zu „DER SPIEGEL erstmals mit einer Titelgeschichte auf Deutsch und Türkisch.

  1. Ich bin wirklich sprachlos!
    Sie berichten über die Türkei als würde Erdogan seiner Bevölkerung mit Waffen entgegen kommen!! Berichten sie erstmal wahre begebenheiten wie die Protestanten die halbe Stadt abgebrant hat! Dem stadtseigentum geschädigt haben!! In Deutschland würde man solche provokationen nicht zulassen. Schon einmal die Frage gestellt was Erdogan in den Amtsjahren die er tätig ist, soviel Erfolg hatte ? Die Türkei politisch sowie wirtschaftlich nur beigetragen hat als das gegenteil !!
    Ich frage mich nur eines, sie berichten knall hart über die Türkei, wobei ich keinen einziegen Artikel lesen kann über Ägypten!! Seltsam das sie über einen Natur Park reden, wo hunderte von Menschen getöttet werden in Ägypten! Warum fangen da mal nicht an?

    1. Ich möchte Ihnen da etwas auf die Sprünge helfen: Erdogan ist den Demonstranten mit Waffen entgegengekommen und hat Demonstrationen gewaltsam auflösen lassen. Sicherlich hat die Regierung Erdogan einige Dinge in der Türkei angetrieben, sowohl politisch als auch wirtschaftlich (wobei der eigentliche Boom durch eine gnadenlose Abwertung des Lira entstand, die aufgrund IWF-Anforderungen geschah, nicht durch Erdogan), allerdings ist es auch bezeichnend für die Regierung Erdogan, dass sein Gigantismus in Sachen Bauen – um nur mal ein Aspekt herauszupicken – ohne Rücksicht auf Gegenstimmen umgesetzt wird. Die Bebauung des Geziparks ist eine alleinige Entscheidung aus dem Erdogan-Apparat, Gegenstimmen wurden gar nicht erst gehört. Diese Bevormundung ist das, was die demonstrierende Bevölkerung aufregt. Und sicherlich haben diese nicht die „halbe Stadt“ in Trümmer gesetzt.

      Der SPIEGEL berichtet übrigens seit Monaten regelmäßig über die Zustände in Ägypten.

  2. Einfach nur erbärmlich was die Medien in Deutschland über Ägypten wiedergeben. Es sterben hunderte von Menschen, als die Geschichte mit Gezi Parki war, haben alle so geschrieben wie Erdogan Sie gefoltert hätte. Und sagen sie mir nicht Erdogan würde in Türkei seine Macht ausüben, er wird gewählt, er wird GELIEBT! Und der ganze Aufstand in Taksim geschah nicht wegen zwei drei Bäume, Erdogan hat tausende von Bäumen gepflanzt, keiner hat ihm ein Lob ausgesprochen. Man möchte in der Türkei unruhe stifften, aber das werden Sie nicht schaffen!!!! Syrien, Irak, Palästina… Warum nur muslimische Länder ??
    Spiegel berichtet über Ägypten als würde man dort däumchen drehen, ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt, für den Aufstand in Taksim war die ganze Mediawelt auferstanden, wo sind Sie nun ?? Ich kann auch zwei Zeiler schreiben, die brutalität wird verharmlost! Das ist es, der rest ist kein Artikel für mich.

    1. Lassen Sie mich raten: Sie haben die damalige Ausgabe des SPIEGEL gar nicht gelesen, sondern schimpfen einfach deshalb, weil Sie der Titel stört. Dabei ist das Titelfoto genau das: Ein Titelfoto. Die Artikel selbst sind nüchtern und geben wieder, dass die Erdogan-Regierung demokratisch gewählt wurde und auch durchaus sinnvolle Projekte in der Türkei angestoßen hat, allerdings auch heute noch ein Defizit hat, auf Proteste und Widerstände sinnvoll mit demokratischen Mitteln zu reagieren. Anstatt wird oftmals mit Gewalt reagiert und da gibt es eine ganze Reihe von Beispielen in der Vergangenheit.

      Im übrigen sei auch gesagt: Der SPIEGEL schreibt sehr oft über Ägypten, in den letzten fünf Ausgaben durchgehend, in der nächsten auch.

      Und Ihnen sage ich ganz persönlich und sehr deutlich: Hören Sie auf, Ihren Frust darüber, dass nicht alle Erdogan lieben, ausgerechnet in mein Blog zu kacken! Schreiben Sie dem SPIEGEL, aber nicht mir, ich habe lediglich geschrieben, dass der SPIEGEL über die damaligen Protestbewegungen in der Türkei geschrieben hat. Ich nehme mir nicht das Recht heraus, über Erdogan zu richten, der SPIEGEL übrigens auch nicht. Das hätten Sie, wie gesagt, auch selbst herausfinden können, wenn Sie den besagten SPIEGEL einmal selbst gelesen hätten.

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