GE und der Verkäufer namens Agent Smith.

Okay, liebe Leute bei General Electric (GE), dem US-Technologiekonzern und vielleicht das US-Technologieunternehmen, das Technologie quasi erfunden hat – eine kleine Ansage von mir vorab: In der The-Matrix-Filmtrilogie ist die Figur des Agent Smith der Protagonist der „Bad Guys“. Er ist sozusagen das menschliche Antlitz des Bösen, den Wächtern der Matrix, also der computergenerierten Scheinwelt des Maschinenregimes, die nur dazu da sind, mögliche rebellische Kräfte der Menschen, die wehrlos und unwissend in der Matrix hängen, schnell und unbürokratisch zu beseitigen.

Kurzum: Agent Smith und seine Freunde sind doof und eine Projektion für die böse Maschinenwelt, die unerbittlich dafür steht, die Menschheit gnadenlos zu unterjochen und sie zur Stromerzeugung – also zum eigenen Machterhalt – zu missbrauchen. Wenn man das Grundkonzept der Matrix-Philosophie verinnerlicht und auch alle drei Filme gesehen und begriffen hat, weiß man, dass Agent Smith nicht so recht dazu taugt, technologischen Fortschritt freundlich zu verkaufen.

Um so mehr staune ich über die aktuelle Marketingstrategie, die GE auf seiner internationalen Facebook-Seite und auf weiteren Social-Media-Kanälen aktuell fährt. Unter dem Motto und Hash-Tag „#brilliantmachines“ begrüßt die Facebook-Seite schon mit Agent Smith in der Titelgrafik:

"Agent Smith" als Protagonist auf der Facebook-Seite von GE

Das Motto muss dabei wie Hohn klingen, vor allem wenn man sich dabei die singsang-pflegende Stimme oder auch Synchronstimme von Hugo Weaving, dem ursprünglichen Schauspieler des Agent Smith, vorstellt: „Brillante Maschinen verändern die Art und Weise unseres Arbeitens.“ Oder vielleicht sollte man sich den Satz auch nur mit einem Zusatz vorstellen, der die wahre Ausweglosigkeit des Satzes im Matrix-Kontext besser darstellt: „Brillante Maschinen verändern die Art und Weise unseres Arbeitens, Mr. Anderson.“

Sprich, Kollege Anderson bzw. der mit Anderson symbolisierte freie Mensch: Die Maschinen machen ab sofort die Welt – entweder bist du auf unserer Seite oder automatisch auf der anderen.

But wait … there is more to tell.

Okay, zuerst dachte ich, dass sich da jemand einen schlechten Scherz erlaubt hat. Hacker und Crasher gibt es ja genug auf der Welt, dumme Marketing-Hiwis auch und ruckzuck hat man Müll auf der eigenen Facebook-Seite und merkt das vielleicht auch erst, wenn der Aufsichtsrat das nächste Mal tagt. Also schaute ich mich mal weiter um: Und ja, Agent Smith taucht noch einmal auf, vor drei Wochen am 14. Mai in Form eines lustigen Ratespieles:

Ratespiel mit Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Und am 13. Mai in Form eines Bildes mit darübergelegtem Text, der so aussehen soll, als ob die Person auf dem Bild genau den Text sagt oder denkt:

"Maschinen helfen Leuten? Faszinierend." aus der Facebook-Seite von GE

Übersetzt sagt Agent Smith also hier: „Maschinen helfen Menschen? Faszinierend.“ Man beachte auch ruhig einmal einige der Kommentare rechts auf dem Screenshot.

Der Gag mit dem Bild kam bei den Social-Media-Leuten von GE so gut an, dass es noch ein weiteres gibt, vom 23. April:

"Brillante Maschinen analysieren Milliarden von Datensätzen, damit Ihre Welt besser funktioniert. Faszinierend" aus der Facebook-Seite von GE

Bizarr, oder? Aber es geht noch bizarrer. Wenn man nämlich so richtig mit den Mitteln spielt, die in der Matrix-Trilogie die Schlüssel zu Sprüngen in den Welten sind. Zum Beispiel die blaue und rote Pille, die Morpheus Neo anbietet, um damit entweder in der Traumwelt zu bleiben, oder in die Realität befreit zu werden. Freilich … wenn Agent Smith einem Kind einen blauen oder roten Lolli anbietet, will man nicht so recht wissen, was für eine Fährte dahintersteckt:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Oder wenn ein Bild das zeigt, was ein Patient in einem mit brillanten Maschinen versorgten Krankenhaus ist – ein Besitzer eines Armbandes mit Barcode, vermutlich auch noch eingelegter Elektronik, aber keinem sichtbaren Namen: „Hardware verbindet mit innovativer Software, um Ihren Krankenhausaufenthalt angenehm zu machen“:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Vielleicht auch einfach mit einem grundsätzlichen Satz im Untersuchungsraum am Ultraschallgerät: „In Krankenhäusern verbindet sich Hard- und Software, um uns als Agenten des Guten zu dienen“:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Oder wenn Agent Smith plötzlich auf dem Bildschirm eines Magnetresonanztomographen (MRT) erscheint, während ein Patient durchleuchtet wird:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Tatsächlich sind die vier letzten Bilder Screenshots aus einem Film zur Kampagne, den GE hat produzieren lassen und der am 13. April veröffentlicht wurde:

http://www.youtube.com/watch?v=loinY8MmVq8

Der Postingfrequenz nach ist die Agent-Smith-Kampagne wohl eher eine kurzfristige Show, aber dennoch:

WTF …?

Das muss man sich wirklich fragen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Natürlich ist man als ironisch denkender Mensch versucht, der Kampagne das gehörige Maß an Ironie abzugewinnen, um nicht wirklich entsetzt zu sein. Allerdings funktioniert das nicht:

Agent Smith stellt in der Kampagne die Technologien so dar, als ob sie ein Werk der Matrix wären, die dazu dienen, es den Menschen so komfortabel wie möglich zu machen. Dieser Stil wird so auch in der Matrix-Trilogie geführt, allerdings immer mit dem Hintergedanken, dass diese Behauptungen sarkastischer Natur sind. Sicherlich mag die Matrix komfortabel erscheinen, aber sie erscheint eben nur. Jeglicher Komfort in der Matrix ist ja nur dazu da, den Menschen die heile Welt vorzugaukeln, die eigentlich gar nicht existiert. Unterstrichen wird diese Darstellung dann auch noch dadurch, dass die Technik möglichst bedrohlich, fremdartig und steril dargestellt wird, von der der Mensch eigentlich gar nicht fliehen kann. Jeder, der einmal in einem echten MRT gesteckt hat, weiß, wie sich das anfühlt und das man so einen Ausflug selten in einem positiven Zusammenhang macht. Wer da in so einen lauten und fürchterlich wirkenden Apparat hinein muss, der hat ein Problem, mitunter auch ein lebensbedrohliches. Ungut, wenn dann auch noch Agent Smith auf dem Bildschirm erscheint und darüber spricht, wie toll die Maschinen doch sind.

Tatsächlich will GE mit der Kampagne an anderer Stelle ziemlich ironiefrei ihr Programm „Agiletrac“ an den Mann bringen, bei dem Krankenhäuser mit hochentwickelter (GE-)Technik und weiterer Vernetzung noch kostengünstiger und noch besser für ihre Patienten da sein können. Da wird dann auch die letzte geschmackliche Grenze überschritten und echte Argumente mit matrix-angehauchtem Design vermittelt. Stell‘ dir vor, du bekommst morgen Besuch und es steht Agent Smith vor deiner Haustüre und will dir Gesundheit verkaufen:

"GE Healthcare" Marketingmaterial im The-Matrix-Design

Alles ziemlich scary, etwas gruselig und nicht sonderlich angenehm. Da finde ich die Marketingkampagne von GE Deutschland mit der Behauptung, dass sie unter anderem das „GE“ in „GErmany“ seien, fast schon befreiend lustig.

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