Guten Tag, Frau Schmidt.

In Pforzheim hatten wir lange Zeit an einer exponierten Stelle eine Person, die mit einer kleinen Geste eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Ich rede hier von keinem Prominenten, Politiker, Schauspieler, ehemaligen Profiboxer oder Selbstdarsteller, sondern von einer Kassiererin beim örtlichen Saturn. Da ist man es ja bisweilen gewohnt, die mitunter dümmsten Menschen an der Kasse anzutreffen, denen es offenkundig schon große Schmerzen bereitet, ein „Hallo“ oder „Auf Wiedersehen“ herauszuknurren und beim Tippen auf der Tastatur lieber auf den fein lackierten Fingernagel zu achten als darauf, ob vielleicht nicht etwas mehr Menschlichkeit mehr für die eigene Sympathie tun könnte, als gelangweilt die Stunden abzusitzen.

Jedenfalls … vor einigen Jahren saß da eine Dame mittleren Alters an der Kasse, immer adrett frisierter Lockenkopf, sonore, freundliche Stimme. Und sie verblüffte dadurch, dass sie bei Kartenzahlungen einen Blick auf den auf der Karte eingeprägten Namen verschwendete und dann Karte und Quittung mit dem Satz präsentierte, dass doch bitte ich, Herr Karadeniz, noch mein Autogramm auf die Rückseite der Quittung  geben mag. Nicht weiter diskutabel, dass ihre Kasse die meistfrequentierte Kasse war und zweifellos diese Geste die Basis einer Kundenbindung gewesen sein dürfte, die tausend Prospekte nicht schaffen.

Auch wenn die Dame schon längst nicht mehr bei Saturn an der Kasse arbeitet (und meiner Ansicht nach problemlos einen erheblich besseren Job gefunden hat), kann man in Pforzheim auch heute noch im Smalltalk mit Anderen die Dame und ihre Art, Kunden an der Kasse mit Namen anzusprechen, erwähnen und viele können sich an die Frau erinnern. Es ist so herzlich einfach, dass es schon wehtut: Da musst du eigentlich nur an die Kasse sitzen und beim Bezahlvorgang etwas mehr Gehirnschmalz einsetzen, als notwendig und du schaffst eine phänomenale Stimmung und einen nachhaltigen Erinnerungswert.

Und das klappt umgekehrt auch hervorragend überall da, wo Menschen an Schaltern und Kassen Namensschilder tragen. Kurz auf das Namensschild gespickt und anstatt eines einfachen „Guten Tag“ ein „Guten Tag, Herr Schmidt“. Jeder Mensch hört seinen Namen am allerliebsten und erwidert so eine Ansprache auch. Im einfachsten Fall mit ehrlicher Verblüffung, im besser erzogenen Fall mit dem Versuch, den Namen von dir zu erhaschen und im perfekten Fall mit einer Begrüßung und einer verbundenen Frage, wie denn der eigene Name lautet. Und dann wird der Name nicht mehr vergessen und vor allem die Kundschaft im Haus zementiert.

Probiere das mal aus, es wirkt Wunder.

2 Gedanken zu „Guten Tag, Frau Schmidt.

  1. Hallo Besim,

    Mir ist es eher unangenehm, wenn Kassierer(innen) auf meine EC-Karte schielen und einen dann mit Namen verabschieden, wie das z.T. bei Kaufland praktiziert wird. Das ist nur eine antrainierte Geste und darf IMHO nicht mit Freundlichkeit verwechselt werden. Und was geht die umstehenden Leute an, wie ich heiße?

    Bei Tagungen etc. ist es ähnlich: statt einem in die Augen zu sehen starrt jeder einem erstmal halsabwärts aufs Namensschild – da ahnt ma(n), wie sich Dekolletee-Besitzerinnen fühlen.

    Aber das ist halt meine persönliche Meinung.

    Schöne Grüße
    Martin

  2. Hallo Besim,
    ich kenne einen Ort, das Paradies für dich. Goldstadt Kaffee in der Jäger Passage. Füll dort eine Karte aus, damit du nach 10 Espressos oder anderen Kaffee Getränken einen umsonst bekommst. Spätestens nach 14 Tagen kennt dich halb Pforzheim beim Namen. Die wirklich nette Dame dort, begrüßt dich dann beim Reinkommen, beim Bestellen, beim Gehen immer mit deinem Namen. Das schöne dort, ich kenn natürlich die anderen auch beim Namen. Ein bekannter Redakteur der PF-Zeitung verkehrt auch dort. ob ich davon mal ein Vorteil habe?
    Ist ein Kommentar eigentlich auch ein Gastbeitrag?

    Viele Grüße
    Matthias

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