Die Sermone der Linkbettler (Episode 2).

Gegen eine Anfrage, ob sich ein Gastartikel in diesem bescheidenen Weblog unterbringen lässt, ist nichts einzuwenden, denn weitgehend alle Anfragen werden abgelehnt, wenn sie darauf zielen, für einen einmaligen Betrag einen Text unterzubringen oder auch schlicht für gar kein Geld. Letztere „Search Engine Optimizers“ gehören zu meiner Lieblingsgruppe, denn diese Art von Leute sind nichts anderes als bedauernswert blöde Linkbettler. Und deren Märchen, die hier wöchentlich aufschlagen, führen wir uns ab und an mal jetzt zu Gemüte.

Jüngst trudelt eine Anfrage ein. Sogar richtig umfangreich, nach der offensichtlichen Devise „Auf diese Textbausteine können Sie bauen!“. Man beachte, dass tatsächlich im ersten Satz noch der Link einer Website stand, deren Besitzer der Herr Linkbettler wohl vor mir angeschrieben hat:

Sehr geehrter Herr Karadeniz,

ich betreue die Seite schxxx.de und schreibe Sie an, weil Ihr Blog (http://blog.netplanet.org/ <http://www.[deleted].de/>) mir bei meinen Recherche Arbeiten positiv aufgefallen ist. Sie informieren auf Ihrer Seite über Themen rund um das Internet, liefern dabei interessante Tipps und beziehen auch Stellung dazu.

*Mein Anliegen ist folgendes:*

Die Absicht von schxxx.de ist es, die Menschen besser über die TV, Internet und Telefon Angebote zu informieren. Mit diversen Filtermöglichkeiten kann man so leicht das optimale Angebot für sich ausfindig machen.

Ich möchte Sie fragen, ob man auf Ihrer Seite auch über schxxx.de berichten könnte? Ich könnte den Text auch schreiben, wenn Sie möchten (einen Gastbeitrag sozusagen). Das wäre wirklich toll. Die Seite ist für Ihre Leser womöglich nicht ganz uninteressant, da es ja zum Thema passt.

*Mehr über schxxx…*

Die Seite ist quasi als eine Art unabhängiges Vergleichsportal anzusehen, mit zusätzlichen Hilfestellungen und dem eindeutigen Fokus auf TV, Internet und Telefon. Bei der Menge an Anbietern und Angeboten kann die richtige Wahl schon mal kompliziert werden. Es gibt hier neben den Vergleichsdarstellungen auch noch Ratgeber, bei denen relevante Begriffe erklärt werden und wo hingewiesen wird, auf was man achten sollte. Die Seite ist übrigens erst vor kurzem online gegangen und ist natürlich kostenlos.

Weitere Informationen können Sie auch aus der Pressemitteilung entnehmen:
http://www.schxxx.de/blablub

Hier wurde eine Studie im Auftrag gegeben und heraus kam unter anderem, dass mehr als die Hälfte der Deutschen zu viel für Ihren Internetanschluss zahlt.

Wenn Sie es so wünschen, würden wir Sie auch gerne weiter über neueste Studien und interessante Beiträge aus den Themenbereichen Internet, Telefon und TV auf dem Laufenden halten, sofern diese für die Zielgruppe Ihrer Seite relevant sein könnten.

*Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen!*

Falls Sie noch offene Fragen haben sollten, so beantworte ich diese natürlich gerne.

Mit freundlichen Grüßen aus Bremen,
D. H.
___

*D. H.*
blablub Bremen

*blabla GmbH*
10115 Berlin, Blastraße
28357 Bremen, Blastraße
_
__www.blafirma1.de_
_www.blafirma2.de_

Also, klarer Fall: Projektdrohne eines Unternehmens, zwei Firmensitze, möchte ein Portal beworben haben. Mit dem üblichen Geschwätz von wegen „Hey, du profitierst! Unser Portal ist zwar sterbenslangweilig, aber da promoten wir unsere Kunden, die dafür vermutlich richtig Geld auf den Tisch legen und davon bleibt für uns umso mehr, je mehr wir solche vermeintlichen Deppen wie dich finden, die in ihrem uniquen Content-Umfeld die Drecksarbeit machen, die wir eigentlich machen müssten, wenn wir ehrbare Geschäftsleute wären. Hey, du profitierst!“

Antwort Besim:

Hallo Herr H.,

der Rubel zählt. Was zahlen Sie pro Artikel?

Grüße,
Besim Karadeniz

Da wird D. dann plötzlich bemitleidenswert, hat plötzlich auch noch einen Sprung in der Schallplatte und wiederholt sich:

Hallo Herr Karadeniz,

leider fehlen mir die Möglichkeiten, Geld auszugeben. Ich kann halt auch anbieten, individuellen Content für Sie zu verfassen (also den Text über schxxx könnte ich schreiben, so objektiv wie möglich). Das kann eine Seite ja auch aufwerten.

Falls Sie trotzdem Interesse haben sollten oder eben nicht, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.

Viele Grüße,
D. H.

Blöd, wenn man vorgeben muss, kein Geld zu haben und betteln muss. Da wird dann sogar der eh schon halbherzige Schreibstil eines Siebtklässlers plötzlich zu einem Aufwertungskriterium, ausgerechnet in meinem Blog. Moment, ich helfe dem jungen Mann etwas, so nach der Devise „Junge, warum hast du nichts gelernt?“:

Hallo Herr H.,

wenn Ihnen als SEO-Linkverchecker die Mittel fehlen, Links zu bezahlen, anstatt zu erbetteln, dann sollten Sie vielleicht mal etwas arbeiten gehen. Wenn Sie doch Mittel haben, aber es absichtlich einfach mal auf die einfache Tour versuchen, dann fühlen Sie sich dabei ertappt von mir.

Bitte seien Sie so gut und verzichten auf eine Antwort. Ich stelle Ihnen ansonsten jede weitere Schreibarbeit in Rechnung.

Beste Grüße aus Pforzheim,
Besim Karadeniz

2 Gedanken zu „Die Sermone der Linkbettler (Episode 2).

    1. Na, welcher getroffener Hund hat sich da hinter einem Proxy versteckt, dummerweise aber nur beim Absenden des Kommentars und nicht beim eigentlichen Besuch?

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