Das „bisschen“ Schleichwerbung im ZDF.

Man darf getrost sagen: Der morgige SPIEGEL offenbart mit ziemlicher Sicherheit einen deftigen Skandal im ZDF, wenn nicht gar den größten, den man da fabriziert hat in der 50jährigen Geschichte des Senders. Es geht dabei und niemanden geringeren als den jahrelangen Quotengarant Thomas Gottschalk, längst in den Annalen der Fernsehgeschichte eingebrannt.

Eine kleine Kurzfassung der höchst lesenswerten Titelgeschichte: Ein Unternehmen namens „Dolce Media“, das Thomas Gottschalks Bruder Christoph gehört, hat offenkundig jahrelang emsig dafür gesorgt, dass Großunternehmen ihre Produkte in einem höchst interessanten Werbeumfeld – nämlich der Wetten-dass-Sendung – platzieren konnten, nebst passender und sekundengenauer Moderation von Thomas Gottschalk. Entsprechende Verträge lägen dem SPIEGEL vor, aus dem dann auch munter zitiert wurde, teilweise mit erschreckenden Details. Unter anderem dem Hinweis, dass die Art der Produktplatzierung den staatsvertraglichen Regelungen des ZDF entsprechen würden, das ZDF aber nun behauptet, von alldem nichts gewusst zu haben. Und das obwohl das ZDF bis 2003 über seine Tochter ZDF Enterprises mit 15 % an der Dolce Media beteiligt war. Man nehme erstaunt zur Kenntnis, dass der SPIEGEL in seinem Artikel mit Begriffen wie „krumme Geschäfte“, „dubios“ etc. nicht spart.

Richtig brutal wird der Skandal dann nach dem Artikel mit dem nächsten. Denn dort wird die Frage aufgeworfen, wie der Audi A8 in die Sendung kam, über den im Dezember 2010 Samuel Koch in seiner spektakulären Wette mit Stelzen sprang und sich dabei schwer verletzte. Denn dieses Auto – man ahnt es – war anfangs nicht von Samuel Koch als Übersprungobjekt vorgesehen … genügend Raum für schwerwiegende Fragen. Und vor allem erscheint der Abgang Thomas Gottschalks nun in einem ganz anderen, sehr bösen Licht.

Wie gesagt: Lesenswerter, diskussionswürdiger Artikel. Dringende Kaufempfehlung, für die Sonntagabendlektüre auch schon jetzt als ePaper.

Und ich finde mich jetzt tatsächlich wieder als immer stärkerer Befürworter eines totalen Werbeverbotes in allen öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern. Kommerzielle Werbung und Sponsoring tun Unternehmen, die größtenteils von Gebührengeldern leben, einfach nicht gut.

Update: Inzwischen hat SPIEGEL Online auch einen Artikel online, der mal im Groben erklärt, um was es geht.

Ein Gedanke zu „Das „bisschen“ Schleichwerbung im ZDF.

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