Im Kino: James Bond – Skyfall.

Alles wird wieder gut, um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Das Ende von „Skyfall“, dem neuesten James-Bond-Film, wieder mit Daniel Craig in der Hauptrolle, rückt einiges aus der Saga von James Bond wieder da hin, wo es einmal war: Miss Moneypenny im Vorzimmer, einem eher griesgrämigen M, der in seinem alten Büro mit der lederbeschlagenen Tür sitzt und so tut, als sei die letzten 50 Jahre zwischen Heute und dem ersten James-Bond-Film nur wenig passiert. Man hätte sich gewünscht, dass man zwar zu den Wurzeln zurückfindet, aber einen vernünftigen Mittelweg zwischen Altem und Neuem finden kann. Aber jammern wir lieber nicht. Immerhin sinkt in „Skyfall“ keine Titanic und kein Agent Smith bricht aus der Matrix aus. Das hätte mich nämlich alles nach dem letzten Bond-Film auch nicht mehr gewundert.

In den 143 Minuten zwischen Anfang und Ende bemüht man sich sehr, aus den Fehlern des letzten Bond-Films „A Quantum Solace“ zu lernen. Endlich wieder eine schöne Story (auch wenn diese quasi ein betriebsinternes Mobbing im MI6 zur Ursache hat), die dem brillanten Daniel Craig gerecht wird, endlich wieder Sex, endlich wieder ein Wodka-Martini, endlich wieder der völlig übertriebene Kult um Bonds Kanone und endlich wieder ein charismatischer Bösewicht, der leider viel zu kurz kam. Bösewicht Raoul Silva, der vom genialen Schauspieler Javier Bardem gespielt wird, ist eigentlich ein sympathischer Antiheld der Enterprise-Klasse, dem man zutrauen könnte, lachend, grinsend und feixend die Galaxie zu sprengen, natürlich untermalt von harter Rockmusik.

Okay, die Versuche, im Film auf die Kindheit von James Bond anzuspielen, misslingen Regisseur Sam Mendes allesamt. Dass es zwischen den einzelnen Spielstätten und aufeinander aufbauenden Microgeschichten in Sachen Continuity hapert … geschenkt. Immerhin wird in „Skyfall“, wie immer in solchen Fällen, wenn das Drehbuch klemmt, James Bond ins Bett gesteckt. Oder von einer Frau (im Gesicht) rasiert. Oder er steigt einer 5-Minuten-Bekanntschaft einfach mal in die Wanne.

Dennoch ist, wenn man sowas über einen James-Bond-Film überhaupt sagen kann, der Film stimmig. Der Film besteht nicht gänzlich aus hektischen Actionszenen, sondern gibt sich Zeit für Details und Farben. Den Job eines Snipers lässt sich, wenn man es nur möchte, fast schon ästhetisch fotografieren und das war in einem James-Bond-Film auch dringend mal wieder nötig. Vielleicht aber in einem nächsten James Bond die bösewichtigen Charaktere etwas stärker ausmalen? Zeit ist ja nun wirklich da.

Was leider floppt, ist die Musik. Okay, das Titellied von Adele kommt in guter Bond-Tradition daher und ist mit einer Tiefe gesegnet, die ungefähr den letzten zehn Bond-Titelliedern fehlte. Dennoch ist er einfach nicht mutig, so wie vieles im Film zwar solide ist, aber einfach nicht innovativ und selbstvertraut. Unter dem Aspekt der gehobenen Langeweile geht auch das Intro durch den Kopf – der ist, obwohl gut gemacht, einfach wieder schnell vergessen und kann sich mit dem vorläufig letzten Mega-Intro aus „Casino Royale“ nicht messen. Eine unschöne Parallele zu „Casino Royale“ gibt es aber hier auch: Das Titellied von Adele findet sich nicht auf dem offiziellen Soundtrack. Diese Schweinerei zieht wirklich überhaupt nicht, denn woher soll ein Bond-Fan, der vielleicht in ein paar Jahren den Soundtrack als CD kauft, dann die Maxi-Single mit dem Titellied von Adele finden? Bescheuert.

Dennoch: Sehenswert! „Skyfall“ schneidet buchstäblich inzwischen alte und floppende Zöpfe radikal ab und führt James Bond in eine neue Zukunft. Möglicherweise wird die sehr von der Vergangenheit der Bond-Saga geprägt sein, aber das gibt immerhin James Bond zukünftig wieder die Gelegenheit, sich wieder selbst zu finden. Gern auch wieder mit Daniel Craig. Und über den wirklich überhaupt nicht brauchbaren Q-Verschnitt können wir dann auch hinwegsehen.

2 Gedanken zu „Im Kino: James Bond – Skyfall.

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