Maschinenschreiben galore.

Eine der wirklich fundamentalen Dinge, die ich in der Berufsschule gelernt habe, ist das Maschinenschreiben, also das Tippen auf eine Tastatur im Zehnfingersystem. Das lernt man in fast allen kaufmännischen Berufen in den Berufsschulen und was da anfangs wirklich eine böse Qual ist, ist am Ende doch eine Sache, die einen vermutlich bis zum Lebensende begleitet.

Bis zum Lernen des Zehnfingersystems war ich geübter Zweifingertipper. „Geübt“ deshalb, weil ich mit zwei Fingern gar nicht so langsam tippen konnte. Dennoch ist das Zweifingersystem natürlich nicht ansatzweise mit dem Zehnfingersystem zu vergleichen. Man schafft nicht im Traum die Schreibgeschwindigkeit und muss vor allem ständig auf die Tastatur schauen, um die Tasten zu treffen.

Eine der zentralen Dinge des Maschinenschreibens ist nämlich, dass man eine Grundstellung der Hände hat (man beachte die fühlbaren Markierungen auf den allermeisten Tasten bei den Tasten „F“ und „J“) und von dieser Grundstellung alle Buchstabentasten und die obere Zahlenreihe erreichen kann. Und zwar mit dem jeweils genau dafür festgelegten Finger. Mit etwas Übung trifft man dann diese Tasten dann, ohne auf die Tastatur schauen zu müssen und kann sich so erheblich besser auf den zu schreibenden Text konzentrieren.

Ich bin mal so frei und sage, dass ich vermutlich eher nicht in der IT-Branche arbeiten würde, wenn ich das Maschinenschreiben nicht gelernt hätte. Von der Art der Texteingabe hängt zwar nicht unbedingt die intellektuelle Aufnahmefähigkeit ab, allerdings ist es schon ein großer Unterschied, ob man beim Entwickeln eines Programmes oder Textes auch noch ständig auf die Tastatur schauen muss oder sich eben besser auf das konzentrieren kann, was auf dem Bildschirm zu stehen hat. Ich merke das immer wieder dann, wenn ich mal absichtlich in den Zweifingermodus schalte und dazu dann auf die Tastatur schauen muss. Da geht das Schreibtempo so herunter, dass ich das Zweifingersystem sogar ab und an gern dazu nutze, einfach mal kurzfristig geistig „herunterzufahren“, weil ich dann bewusst nicht so viel Input tippen kann.

Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Ein normaler Zweifingerschreiber schafft pro Minute zwischen 80 und 150 Tastenanschläge pro Minute. Geübtere Tipper können dies auch mal kurzfristig auf 200 Tastenanschläge pro Minute hinaufschrauben, das sind aber keinesfalls dauerhaft erreichbare Tippleistungen.

Im Zehnfingersystem sind 100 bis 300 Tastenanschläge pro Minute problemlos auch für Anfänger erreichbar. Mit viel Übung kann man das dann deutlich hochdrehen. Aktuell schaffe ich 450 Tastenanschläge pro Minute und kann damit sicherlich 80 % aller Maschinenschreiber locker in die Tasche stecken. Im Vergleich mit echten Profis sind aber auch meine 450 Tastenanschläge pro Minute eher nichts, denn echte Profis bringen es auf mindestens 800 Tastenanschläge und die echte Rekordzone beginnt erst jenseits der 1.200 (!) Tastenanschläge pro Minute. Da muss dann tatsächlich auch die Textverarbeitungssoftware mitspielen, wobei echte Rekordmessungen mit ganz eigenen Erfassungsprogrammen vorgenommen werden, bei denen der Eingabepuffer eben sehr zügig ausgewertet wird.

Lohnt es sich, Maschinenschreiben auch später noch zu lernen? Eindeutig ja. Das Schreiben wird flüssiger, weniger anstrengend und man hat an Tipparbeit deutlich mehr Spaß bzw. empfindet überhaupt erst Spaß. Und man schafft es, sich mit der Tippleistung deutlich näher an die Sprech- und Denkleistung des menschlichen Gehirnes anzunähern, wobei dieser Vergleich seeeehr dehnfähig ist. So langsam, wie selbst die schnellsten Maschinenschreiber tippen, denken nur wenige Menschen.

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