Die Spinne auf Abwegen.

Ein echter Spinnenfreund bin ich ja nicht wirklich. Allerdings lebe ich nach dem Grundsatz, dass mich nicht viel stört, was mich nicht fressen kann und dazu gehören auch Spinnen bis zu einer gewissen Größe.

Das Spinnenleben ist zur Zeit rau und hart, zumindest draußen. Wäre mir als Spinne auch unangenehm. Wo spinnen um diese Zeit normalerweise sind, weiß ich gar nicht so recht. Eine Spinne zumindest, etwa daumennagelgroß (mit den Fühlerchen…) hat es sich im Scheißhaus alias Toilettenraum „gemütlich gemacht“. Das ist insofern ein ebenfalls nicht sehr angenehmer Raum, nicht wegen der mitunter vorherrrschenden strengen Odeurs, sondern weil dieser Raum ein Fenster hat und nach größeren Geschäften dadurch notgelüftet wird. Bei draußen vorherrschenden Minusgraden dann sicherlich auch für eine im Toilettenraum zu überwintern versuchte Spinne keine angenehme Angelegenheit.

Und so kam es dann auch, dass ich dann schon richtiges Mitleid für dieses arme Spinnentier empfand. Vor einigen Tagen verkroch sie sich in eine Ecke, unglücklicherweise jedoch genau über dem Fenster, das dann auch mal gekippt blieb über Nacht. Am nächsten Morgen machte die Spinne dann einen eher toten Eindruck. Keine ausgestreckten Beinchen mehr, sondern eher alle in eine Richtung verdreht. Seltsam. So blieb das den ganzen Tag, aber abends war dann die Spinne nicht mehr da, sie schien also entweder heruntergefallen zu sein oder lebte noch.

Sie lebte noch. Denn zwei Stunden später offenbarte sich schon das nächste Maleur der Spinne – sie war ins Handwaschbecken gefallen. Das war zwar trocken, die Wände aber sind glatt, so dass die Spinne ewige und hoffnungslose Versuche unternahm, aus diesem Handwaschbecken herauszukommen. Da kam mir dann erste Mal ein „Oje“ über die Lippen. Mit einer alten Kreditkarte ließ sich dann Agathe widerstandslos aus dem Handwaschbecken angeln (und zwar wirklich ohne Widerstand, sie zog einfach alle Beinchen an den Körper und ließ es geschehen) und wurde in einen Topf einer ebenfalls im Toilettenraum überwinternden Pflanze befördert. Das funktionierte soweit, ein paar Minuten später hatte sich die Spinne in einen nebenstehenden Kaktus verzogen.

Das zweite „Oje“ kam dann heute, als ich entdeckte, dass die Spinne ein Netz gespannt hatte, direkt über der nur auf kleiner Stufe heizenden Heizung. Das ist insofern ziemlicher Quatsch, weil zwar die Wärme der Heizung der Spinne offenbar vorgaukelte, dass es sich lohnt, ein Netz zu spannen, es jedoch jahreszeitlich bedingt eher keine Fliegen gibt, die sich darin verfangen könnten.

Das macht so keinen Spaß. Die Spinne wurde heute umgezogen, in den Waschkeller. Dort gibt es zwar meiner Erfahrung nach auch keine Fliegen, da ist es aber zumindest warm und feucht und man kann dort mehr Unsinn machen. Vielleicht hilft es. Frühling ist bald, halte durch, kleine Spinne.

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