Elterliche iPad-Erfahrungen, Teil 2.

Zwei Monate hat mein Vater sein iPad nun und es wird Zeit, ein paar weitere Erfahrungen dazu ins Web zu kippen:

  • Mein Vater ist inzwischen zu einem eingefleischten E-Paper-Leser geworden. Inzwischen sind es zwei Tageszeitungen, die er täglich darauf konsumiert, weiterhin die Hürriyet und nun auch noch zusätzlich die türkische Tageszeitung Sözcü. Letztere ist ein regierungskritisches Blatt und ist in Europa gar nicht in gedruckter Fassung erhältlich. Das tägliche Ritual läuft also so, dass mein Vater morgens das iPad aufschlägt und beide Tageszeitungen über ihre Apps aus dem Internet herunterlädt und liest. Die Zeitung Sözcü gibt es, ebenso wie die Hürriyet, dabei als E-Paper, die Zeitungsseiten sind also als zoombare Seiten angelegt.
  • Das Hinein- und Hinauszoomen aus einem E-Paper macht ihm nach wie vor Spaß und das ist eigentlich das wirklich interessante dabei. Denn während wir Digital Natives das wirklich als „old school“ begreifen, bringt mein Vater da ganz andere Vorteile an. Er weiß nämlich grundsätzlich, welche Seiten für ihn interessant sind und holt sich nur die dort verteilten Inhalte heran und zoomt sich zudem die Artikel immer genau in die Größe, wie er sie gern lesen möchte. „Zeitungstext zu klein“ ist da gar kein Thema.
  • Der Nachrichtenkonsum wird, wie erwartet, nicht stärker, aber selektiver. Man kann nun eben mal nicht vier Tageszeitungen gleichzeitig lesen, also fallen andere Zeitungen weg. Erstes Opfer – mir tut das ja nicht sonderlich leid – ist die Bild-Zeitung. Und obwohl es ja ein Abo für das iPad gäbe, will mein Vater sie nicht mehr.
  • Eine weitere Killerapplikation: Online-Banking. Eine Lizenz für iOutbank besitze ich ja, also wurde das auch auf das väterliche iPad installiert. Und das funktioniert, der tägliche Blick auf das Konto ist schon angelernt.

Auf ein paar technische Unzulänglichkeiten sind wir auch schon gestoßen:

  • Mit der Bildschirmtastatur tat sich mein Vater schwer. Und nachdem ich das mal etwas näher analysiert habe, ist da wohl das fehlende Tastenfeedback das Problem. Das visuelle Feedback durch das kurze Dunkelgrauwerden des Buttons hat er gar nicht registriert und das iPad-typische Tastaturklicken ist einfach zu leise. Man kann das zwar lauter machen durch das generelle Hochdrehen der allgemeinen Lautstärke, das rächt sich aber spätestens dann, wenn ein Video gestartet wird.
  • Was auch fehlt, ist die Einstellmöglichkeit einer „Sekundärsprache“. Beispiel: Als Standardsprache habe ich ja Türkisch eingestellt. Die iPad-Bedienoberfläche ist komplett eingetürkischt, damit kein Problem. Viele Apps sind das aber nicht und nehmen in so einem Fall, wenn es keine Übersetzung für die Standardsprache des iOS-Gerät gibt, eben Englisch. Englisch verstehen aber meine Eltern wiederum nicht. Wenn man nun als Sekundärsprache Deutsch hinterlegen könnte und sich Apps an diese Einstellung im Zweifelsfall erinnern, könnten sie die eBay-App zur Not eben in Deutsch bedienen, da es keine türkische Übersetzung gibt.

Das Web

Das Web ist für mein Vater immer noch eine Geschichte, die derzeit nicht weiter interessant ist. Die Auswahl an expliziten Nachrichten-Apps in türkischer Sprache ist rar, immerhin haben wir jetzt mal eine Handvoll gefunden, die er nun auch täglich anschaut, aber tatsächlich nur zum Nachrichtenüberblick. Die Tageszeitung ist immer noch die Hauptinformationsquelle.

Meine Mutter ist da schon mutiger, was daran liegt, dass sie sich für Handarbeiten interessiert und sie schon eine ganze Sammlung von Web-Adressen hat, die nun besucht werden. Wer hat so nicht mit den ersten Schritten im Web angefangen? Neben dem „Hand-Surfen“ ist aber inzwischen auch Google das Standardwerkzeug. An Google Fragen stellen, das geht erstaunlicherweise sehr flott. 🙂

Was wir jetzt noch alles üben werden: E-Mail, Telefonbuch und Wikipedia.

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