Obama 2012 – Mobilisierung.

Ein Amtsträger kann es bei einer aufkommenden Wiederwahl verhältnismäßig ruhig angehen lassen. Der Amtsbonus ist auch heute noch immer noch das stärkste Kapital, das ein Kandidat in einen Wahlkampf einbringen kann. Und tatsächlich spielt es am Anfang kaum eine Rolle, ob der Amtsträger zum Zeitpunkt des Wahlkampfbeginnes wirklich besonders geliebt ist oder nicht.

Der Wahlkampf von „Obama 2012“ begann im Juni diesen Jahres, also schlappe 17 Monate vor der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 und eigentlich noch inmitten der aktuellen Legislaturperiode, die im Januar 2009 begann. So ein früher Start hat vor allem eine Aufgabe: Mobilisierung der Anhänger mit einem „Slow Start“ und die Wahlkampfkasse füllen.

Mobilisierung

Mobilisierung hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert, als hierzulande. Während in Deutschland relativ gut organisierte Parteikader die Wahlkämpfe organisieren und abwickeln, ist das in den USA gänzlich anders. Parteimitgliedschaften gehören eher zu seltenen Sichtungen und Wahlkampfbewegungen werden vor allem durch Mitstreiter und Befürworter gestemmt, die mehr oder weniger überzeugt sind vom jeweiligen Kandidaten, für den sie kämpfen. So gibt es quasi für jede Minderheit eine eigene Wählerinitiative… Latinos, Albanier, Russen, Soldaten, Ärzte, Rocker, Homosexuelle. Das trägt mitunter so skurrile Züge, dass im Obama-Wahlkampf 2008 sogar eine eigene Obama-Initiative von und für Republikaner existierte – also der Partei des Gegners.

Die eigentliche Revolution im Obama-Wahlkampf 2008 war die Organisation dieser ganzen Strukturen via Internet über ein Organisations-Framework namens „Partybuilder“ des Unternehmens Blue State Digital. Zum Partybuilder werde ich in einem späteren Artikel ausführlicher schreiben. Für Obama 2012 ist aber schon jetzt absehbar, dass Partybuilder wieder zum Zug kommt und auch schon wieder eingesetzt wird. Nun aber mit dem Unterschied, dass nun auf einen bereits bestehenden Bestand von zehntausenden Mitstreitern zurückgegriffen werden kann.

Bei der Mobilisierung geht es also in erster Linie um die initiale Kontaktaufnahme zur Adressprüfung und natürlich auch zum indirekten Check, ob der Mitstreiter von damals auch ein Mitstreiter von morgen werden könnte. Dementsprechend sind auch die Mailings gehalten, nämlich sehr direkt. Ich wurde von Jeremy Bird, seineszeichen „National Field Manager“ von „Obama for America“, in einer der ersten Mails sehr direkt in der Betreffzeile gefragt: „Besim, can you organize in Pforzheim?“ Kurze Ansagen und gleich ein Button auf den geschlossenen Bereich der Kampagnenseite, wo man sich mit seinen bisherigen Zugangsdaten einloggen kann und schon ist man wieder mitten in der Kampagne. Und auch hier wieder ein Kennzeichen einer authentischen Kampagne: Es schreibt nur dann Barack Obama als Absender, wenn auch tatsächlich er kommunizieren soll. Sein direktes Wahlkampfteam ist mit vollem Namen in der Kampagne unterwegs.

Die Kampagne selbst ist aktuell erwartungsgemäß locker. Auf der Kampagnen-Website dominiert derzeit ein Weblog, das sich auf politisches Smalltalk beschränkt. Hier und da ein paar Twitter-Äußerungen von Obama und Biden, ein paar Eindrücke aus den Organisationsvorbereitungen. Der derzeit einzige politische Punkt ist der „Americans Job Act“, eine Art Beschäftigungsplan für die Zukunft, der vor allem eines ist, prophetisch im Ton und pauschal in den Versprechungen. Mehr muss man sich auch gar nicht derzeit antun, denn so lange die Republikaner keinen eigenen Kandidaten und auch kein Programm haben, ist Wahlkampf auch völlig Fehl am Platze. Wahlkampf ohne Gegner hat eine gegenteilige Wirkung, als eigentlich beabsichtigt.

Dafür ist nun aktuell im geschlossenen Bereich Prosa angesagt. Jobangebote für Mitstreiter, Einladungen zu internen Schulungen und Workshops und Ansagen aus der Wahlkampfzentrale und direkt vom Präsidenten, der sich publikumswirksam (angeblich) mit einigen Mistreitern zum „Businesslunch“ getroffen hat. Das hat alles das Ziel, gute Stimmung im Team zu erzeugen. „Wir“ sind es. „Wir“ stehen Seit‘ an Seit‘. Und so weiter und so fort.

Diese Vorgehensweise setzt sich nahtlos auf mobilen Geräten fort, unverständlicherweise derzeit aber nur auf iPhone/iPad. Dort ist ebenfalls im Juni eine Obama-2012-App erschienen, die als Nachrichten-App daherkommt und letztendlich nur die Inhalte aus der Kampagnen-Website übernimmt, das aber sehr übersichtlich und vor allem sehr augenfällig. Die App erfüllt daher zwei Zwecke: Informationskanal zum Empfänger und Werbung für die Freunde des Gerätebesitzers, die bei einem Blick auf das iPhone/iPad sehen, dass da ein Obama-Fan sitzt.

Wahlkampfkasse

Das Füllen der Wahlkampfkasse ist dagegen eine absolute Notwendigkeit und wird sicherlich wieder mehrgleisig stattfinden. Einerseits über den Verkauf von krass überteuerten aber eben „uniquen“ Merchandising-Produkten wie Kaffeetassen, T-Shirts, Mützen, Taschen, Aufklebern etc., die vor allem Zugehörigkeit signalisieren sollen. Aus diesem Grund beschränkt man sich wohl aktuell auch auf Produkte, die „getragen“ werden können und die hier und da auch brillante Ironie an den Tag legen (höchstwahrscheinlich aber auch nur jetzt zu Beginn des Wahlkampfes). Beispielsweise die „Made-in-USA“-Tasse, die daran erinnert, dass nicht nur die Tasse aus den USA kommt, sondern auch Barack Obama, deshalb der Abdruck seiner Geburtsurkunde auf der Rückseite:

Andererseits werden, natürlich nicht ganz so öffentlich, auch wieder die Fundraiser unterwegs sein und Unternehmen abklappern, um größere Spenden zu avisieren. Zwar steht sehr deutlich unter den aktuellen Fundraising-Newslettern, dass man vor allem aus Kleinspenden finanziert werden wird, aber Großspenden werden sowieso erst dann gebraucht, wenn es in die heiße Phase geht. Was jetzt allenhalber gebraucht wird, sind Commitments.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort „Obama 2012“.

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