Rückblick auf die zweite Staffel von „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Das ZDF hat sich sehr ordentlich lange Zeit gelassen für die Ausstrahlung der zweiten Staffel der dänischen Krimiserie „Protectors – Auf Leben und Tod“, in Dänemark bekannt unter dem anschmiegsamen Namen „Livvagterne“ (was auf Deutsch schlicht und einfach „Leibwächter“ heißt). Während nämlich im dänischen Fernsehen die zweite Staffel Anfang letzten Jahres auf Sendung ging, mussten die deutschen Zuschauer auf die deutsch synchronisierte Fassung eineinhalb Jahre länger warten. Nun ja, Manöverkritik am Rande.

Diejenigen, die meinen Twitter-Stream lesen, durften die letzten Sonntagabende schon in den „Genuss“ meiner regelmäßigen „Sofortkritik“ kommen, die ich während der Ausstrahlung der einzelnen Folgen gab. Kurzum: Ich verteile ja, da in ich Pforzheimer, Lob nur in homöopathischen Dosen, denn „ned g’schimpft isch g’nug g’lobt“. Aber ganz so einfach kommen mir die dänischen Macher von Livvagterne nicht davon, denn die zweite Staffel war schlicht und einfach nix und eine eher unrühmliche Fortsetzung einer an sich gar nicht so schlechten Idee, nämlich der Begleitung einer selbstverständlich fiktiven Spezialeinheit von Leibwächtern, die wichtige Personen beschützen soll. Eine an sich interessante Thematik, die man aber, wenn man einigermaßen realitätsnah sein möchte, offenkundig eine stinklangweilige Angelegenheit sein muss, so wie die meisten aufregend klingenden Berufe.

Ein anderer Grund, weshalb in der zweiten Staffel die Geschichten von Livvagterne immer hanebüchener wurden, fällt mir nämlich nicht mehr ein. Anstatt dass es nämlich um den Schutz von VIPs geht, handelten immer mehr Folgen davon, dass ein Verwandter oder ein Freund eines der Leibwächter in irgendwelche Probleme hineingeraten ist und aus diesem Grund völlig problemlos und unbürokratisch Schutz und Dienstleistung eben dieser Spezialeinheit bekommt. Beispiel, Folge 2 der zweiten Staffel: Die Schutztruppe begleitet die dänische Außenministerin nach Russland. Dort wird eine regimekritische Journalistin, zufälligerweise Bekannte eines der Protagonisten, bedroht und der Personenschützer nimmt sie dann mal nach Dänemark mit. Oder Folge 5: Ein Freund eines der Personenschützer (ironischerweise wieder derjenige aus Folge 2) hat einen Freund, der im Kongo beim Diamantenhandel mitmischt, dort hopsgeht und per Sarg und mit im Darm inkludiertem Diamanten nach Dänemark transportiert werden soll. Machen dann die Personenschützer. Zwar eine der rasantesten Folgen mit Action – der Stoff prellt allerdings extrem. Der dänische Geheimdienst ist zwar offiziell auch eine Polizeibehörde, aber ob die so erfreut wären, wenn die Personenschutztruppe geheimdienstliche Operationen vornimmt?

Das ist in etwa so, wie wenn Sie ein Problem mit einem Strafzettel haben, einen guten Freund bei der Sondereinheit GSG9 haben und der Freund mit seiner Truppe bei Ihnen vorbeischaut und die Sache unbürokratisch klärt. Hat natürlich niemand etwas dagegen, noch nicht mal der Vorgesetzte der Truppe. Autsch. Das Leibwächter-Handwerk ist eng umfasst und es hat sicherlich seine Gründe, dass in Deutschland, der unumstrittenen Supermacht in Sachen Krimis, keine echte Serie gibt, die sich mit der Materie beschäftigt.

Und was auch noch auffällt: Der Bösewicht ist im Zweifelsfall immer der Moslem. Ich bin ja immer recht vorsichtig, wenn es um Stereotypen geht, aber bei der zweiten Livvagterne-Staffel ist es einfach zu klischeehaft. Man mag es sehen, wie man möchte, aber der Moslem ist nun eben mal nicht ständig derjenige, der wenig gebildet an nichts anderes denkt, als den Rest der Gesellschaft wegzubomben oder zumindest an jeder schlechten Story als Mittäter drinhängt. Ich möchte es nicht unterschwelligen Rassenhass nennen, dazu ist es sicherlich noch viel zu subtil angelegt. Für so durchgeknallte Typen wie den norwegischen Anders B., die schon extrem geladen durch die Gegend wandern, sind solche Serien sicherlich einer der Myriaden von Influenzpunkten, die dafür sorgen, dass sich Weltbilder im Kopf verschieben. Wird man mit Sicherheit in Zukunft anders sehen müssen, auch in Dänemark.

Fazit: Schade. Einer an sich guten ersten Staffel, die im Nachhinein gesehen schon weitgehend alles erzählt hat, was man in der Branche erzählen kann, folgte eine erheblich düstere und von Stereotypen durchtränkte zweite Staffel, die nichts besser macht und auch nichts vernünftig weiterentwickelt. Ist sicherlich dem engumzäunten Genre geschuldet, allerdings könnten sich die Macher mal diesen unangenehm hässlichen Ton gegenüber Moslems abgewöhnen. Idioten gibt es nun wahrlich wirklich überall und sie sind nicht auf religiöse Eiferer beschränkt.

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