Mediastreaming im Schnelldurchlauf.

Und dann ging heute Nachmittag für rund drei Stunden der Blutdruck und der Stresslevel kurzfristig einmal nach oben. Eckhard, mein treuer Lieferant für Hardware, ruft an und braucht kurzfristig ein Mediastreaming einer Veranstaltung. Und zwar am kommenden Freitag, für eine nicht bekannte Zahl von Zuschauern, aus einer relativ dunklen Örtlichkeit, in der es kein kabelgebundenes Internet gibt. Vor drei, vier Jahren hätte ich dankend abgelehnt. Keine Chance, so etwas in so kurzer Zeit realisiert und vor allem auch mal so getestet zu bekommen, dass man zwei Tage später nicht den ersten Livetest vor der Kundschaft machen muss. Heute war es ein Ansporn, mal zu testen, ob das, was vor zehn Jahren als völlig unmachbar galt, denn gehen könnte. Kurzum: Es geht.

Grob gefasst ist so ein Mediastreaming eine Sache mit drei Komponenten:

  1. Kamerabild vor Ort erzeugen und in das Notebook einspeisen.
  2. Aus dem Kamerabild einen Masterstream erzeugen und zu einem Streamingserver übertragen.
  3. Streamingserver, der den Masterstream empfängt und an Zuschauer weiter verteilt.

Punkt 1 ist eine rein lokale Geschichte, hierzu braucht es eine Kamera und einen Kameramann. Wobei, „Kameramann“ ist an der Stelle schon wieder passé, wir reden hier eher von einem Multimann, wie es in der Fernsehsprache üblich ist. Das sind Leute, die neben dem Drehen auch schon die nächsten Schritte umsetzen. Der Multimann steuert also die Kamera, in diesem Fall mein HDV-Camcorder, der per Firewire an mein Notebook angeschlossen ist und ein digitales Bildsignal anliefert. Die Bild- und Tonqualität ist echte Broadcast-Qualität, das ankommende Signal kommt in Full-HD daher. Das nur rein der Form halber angemerkt, für eine echte Full-HD-Übertragung fehlt später die Bandbreite.

Bei Punkt 2 kommt ein Dienst namens Ustream.tv ins Spiel, das ist eine Streaming-Plattform, die es im einfachen Fall unter Tolerierung von Werbebannern kostenlos gibt, ohne Einblendung von Werbebannern ab 99 US-Dollar im Monat kostet. Auf den ersten Blick viel, allerdings darf man beim Mediastreaming nicht außer acht lassen, was das bei einem richtigen Streaming für Ressourcen kostet und das will sich so ein Dienst irgendwo auch bezahlen lassen dürfen.

Ustream kann man direkt per Webbrowser bedienen und per Flash auch auf Video- und Audioquellen zugreifen lassen, das funktioniert aber nur leidlich gut. Sinnvoller ist es, den kostenlosen „Ustream Producer“ herunterzuladen (für Mac und Windows) und zu installieren. Dieser Client greift deutlich stabiler auf die lokalen Videoquellen zu. Es gibt auch eine Pro-Version des Clients, der mehrere Kamerabilder gleichzeitig zur Abmischung bereitstellt, also eine Art „Bildmischung light“ ermöglicht, die kostenlose Variante ist aber für ein einziges Kamerabild völlig ausreichend. Also einen Login-Zugang auf der Website von Ustream einrichten, damit den Client auf dem Notebook bestücken, die Kamera an das Notebook hängen und schon sollte im Client das Kamerasignal erscheinen.

Nächste Baustelle: Internet. Der Test zu Hause am heimischen DSL ist soweit in Ordnung, der Stream kommt bei Ustream an und wird mit etwa 10 bis 20 Sekunden Verzögerung wieder ausgestrahlt. Das ist für einen Mediastream, der ja nur One-Way sein soll, soweit in Ordnung. Die Frage war nur, ob der Upload auch mit UMTS funktioniert und ob das dann auch mit dem chronisch überlasteten UMTS-Netz von O2 hier in Pforzheim tut. Glücklicherweise besitzt mein Notebook eine UMTS-Karte und darin ein SIM-Modul von O2, so dass der Test schnell bewerkstelligt war.

Und auch dieser Test tut einwandfrei. Zwar geht die Latenzzeit nochmal ein paar Sekunden weiter nach oben, aber das, was zum Test am heimischen PC von Ustream wieder zurückkommt, ist ruckelfrei und von brauchbarer Qualität. Hätte man vor Ort eine brauchbare UMTS-Versorgung, würde dem Upload nichts entgegenstehen. Testlabor erfolgreich beendet, morgen gibt es dann einen Testdurchlauf vor Ort.

Das heißt: Hätte es gegeben, wenn nicht nach drei Stunden Testlabor leider eine Absage gekommen wäre. Schade, denn das hätte funktioniert. Aber immerhin haben die drei Stunden Testlabor für eine Druckbetankung in Sachen Knowledge gesorgt und ich werde mir mal in den nächsten Tagen einen weiteren Test antun und testweise aus der Prärie funken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *