Die öffentlich-rechtliche Guttenberg-Verklärung.

Was die ARD heute wohl geritten hat, die Verabschiedung von Karl-Theodor zu Guttenberg live zur besten Sendezeit ins Programm zu nehmen, wird vermutlich auf ewig ein Rätsel bleiben. Generell gehören Zapfenstreiche zu eher öderen Veranstaltungen für Nichtbeteiligte und man muss schon ein gehöriges Faible für das Militär und den Staatsapparat mitbringen, um das als Zuschauer durchzustehen, selbst wenn man als Kameraassistent ja den Luxus hat, mit Arbeit etwas gegen die Müdigkeit tun zu können.

Dass aber die ARD ohne Not den Großen Zapfenstreich, also die feierliche Verabschiedung des Karl-Theodor zu Guttenbergs, der als ausgewiesener Blender mit einer zusammengeschlampten Dissertation eine Doktorarbeit erschwindelt hat, die Öffentlichkeit zehn Tage lang narrte, übertrug, das ist schon ein bemerkenswerter Vorgang. Ministerentlassungen sind in der Regel eine Randnotiz in Nachrichten – selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern – und Entlassungen von Verteidigungsministern nochmal extra unbeliebt, weil eben der militärisch geprägte Zapfenstreich eher Publikum abschreckt.

Aber, so wird man sich bei der ARD vermutlich gedacht haben, warum nicht auf die Guttenberg-Sympathiewelle aufspringen und der „Bild“-Zeitung ein Schnippchen dadurch schlagen, dass sie in die Zeitung kein Bewegtbild abdrucken kann? Einfach rauf auf den Sender, den Rest erledigt dann erfahrungsgemäß Karl-Theodor zu Guttenberg, der in jede mit Rotlicht versehene Kamera lächelt. Und dazu dann die Livemoderation von Ulrich Deppendorf, immerhin Chef des ARD-Hauptstadtstudios, der vor allem auch dadurch glänzte, streckenweise eine erschreckend unkritische Meinung aufzuwaschen.

Jeder Versuch der Rechtfertigung kann nur in die Hose gehen: Guter Minister? Unschuldiger Abgang? Erledigte Aufgaben? Nichts, nada, Null. Hier wurde einer entsetzlich grotesken Show gehuldigt und an der Glorifizierung eines Politikers gearbeitet, der nichts, aber auch rein gar nichts geleistet hat, außer zu lügen und zu blenden. Von „Staatsfunk“ können wir hier schon gar nicht mehr reden, denn der deutsche Staat kann gar nicht daran interessiert sein, so eine plumpe Propaganda senden zu lassen, um nicht fest daran zu arbeiten, weiterhin die Bananenrepublik aufzubauen.

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