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Fiktion trifft Realität im ZDF.

7. September 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Als am Sonntag im eher ermüdenden Heute-Journal ein investigativ angehauchter Beitrag kam, in dem behauptet wurde, dass angeblich neue Informationen in Dänemark aufgetaucht seien, die eine vermutete Zusammenarbeit zwischen dem Autor Günther Wallraf und der DDR-Staatssicherheit nähren würden, war ich, ich gebe es zu, schon im Dämmerzustand. Ob das an der unsäglichen Maybrit Illner liegt, die im Stile einer Narkoseärztin Nachrichten verliest und dabei nervtötende Zischlaute wie ein defektes DECT-Mobilteil loslässt oder am Tatort, der kurz zuvor in der ARD verstrahlt wurde – keine Ahnung.

Jedenfalls kam dieser Beitrag, der mit einem Interview eines Historikers der Süddänischen Universität namens Thomas Wegener Friis begann. Anmoderiert wurde dies von der Journalistin mit dem Satz, dass Friis die seltene Gelegenheit bekommen habe, einen Blick in das Archiv des dänischen Geheimdienstes zu werfen. Untermalt wurde diese Anmoderation mit einer 180°-Grad-Drehung um Herrn Friis herum, höchstwahrscheinlich am Ort des Geschehens. Dieses Bild endete mit der Sicht zum Gebäude, in dem sich, wenn man die Dramaturgie des Artikels richtig interpretiert, wohl das Archiv des dänischen Geheimdienstes befinden soll:

Ein Gebäude von vielen auf dieser Welt. Allerdings nicht unbedingt für die Leute, die sonntagabends gern die vorwiegend skandinavischen oder britischen Krimis anschauen, die ironischerweise genau nach diesem Heute-Journal im ZDF ab 22 Uhr beginnen. Denn dieses Gebäude kommt in einer dänischen Krimiserie vor, nämlich in Livvagterne, die in Deutschland unter dem Titel “Protectors – Auf Leben und Tod” geführt wird:

Der runde Gebäudeteil ist im ZDF-Beitrag ganz hinten zu erkennen (Bild für eine Großansicht anklicken), sehr deutlich sind aber die vier großen Fensterfronten und die kleineren Fenster zu erkennen, die identisch mit dem Gebäude in der Fernsehserie ist. Dort ist dieses Gebäude übrigens das Hauptquartier einer Spezialeinheit des dänischen Geheimdienstes, die zum Personenschutz eingesetzt wird.

Wer mal zu diesem Gebäude fahren möchte, here we go:
Größere Kartenansicht

Dass in Dänemark offensichtlich Fernsehserien über Geheimdienste auch vor echten Geheimdienstgebäuden gedreht werden dürfen, ist bemerkenswert, während hierzulande schon das Drehen von Dorfpolizeistuben einen mittelgroßen Verwaltungsakt auslösen. Unvergessen daher so Winkelzüge, dass beispielsweise Kommissar Bienzle keineswegs in einem Stuttgarter Polizeihochhaus seine Stube hatte, sondern im Gebäude des Südwestrundfunks. ;-)

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BlogCamp Switzerland 5 in Zürich.

5. September 2010 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Mit Jan Theofel, Oliver Gassner, Oliver Sigrist und mir begab sich gestern Frühmorgen der Viererbob “Baden-Württemberg 1” in den Eislaufkanal in Richtung Süden, um um Punkt 10 Uhr im Technopark von Zürich auf der Matte zu stehen und dem fünften BlogCamp Switzerland die Aufwartung zu machen. Mit rund 100 angemeldeten Usern, von denen dann am Ende etwa 80 tatsächlich kamen, gehört das BlogCamp Switzerland eher zu den kleineren Barcamps. Wer jedoch die Unkonferenzartigkeit von Barcamps kennt, weiß, dass “weniger” nicht wirklich “weniger” bedeuten muss.

So war es dann auch. Der Technopark in Zürich gab als Veranstaltungsort einen sehr modernen Charme ab, auch wenn das WLAN anfänglich etwas eierte, dann aber doch funktionierte. Intro und Outtro fanden in einem größeren Vorlesungssaal statt, dessen Name “Fortran” sehr deutlich zeigte, dass man sich im Technopark der Informatik bewusst zu sein scheint. Die eigentlichen Barcamp-Sessions fanden dann in vier Konferenzräumen statt. Oder nennen wir es lieber Hinterzimmer, denn pro Raum passten 30, 40 Teilnehmer hinein, die Vortragstische waren quasi direkt vorne an der Projektionswand und das VGA-Kabel auf dem Vortragstisch im Falle meines Vortrages in Raum C doch immerhin gewaltige 5 Zentimeter lang. ;-)

Dass das BlogCamp gut war, zeigte sich vor allem dadurch, dass alle 16 Sessionslots belegt wurden. Jeweils vier Sessions wurden gleichzeitig in vier Vortragsräumen gehalten und genau vier Zeitscheiben gab es. Zusammenfassung der von mir besuchten Sessions:

“Facebook killed the Bloggerstar – Über die Zukunft von Blogs” von Ralph Hutter (@pixelfreund)

Ralph Hutter hat in einem hübschen und flotten Vortrag eine These aufgeworfen, dass seiner Meinung nach Weblogs anfangen, zu einer aussterbenden oder zumindest zu einer kleiner werdenden Informationsmasse im Internet werden. Seine weiterführende These ist die, dass dies vor allem dadurch ausgelöst wird, dass gestandene Blogger, die in der Vergangenheit sehr viel gebloggt haben, immer mehr ihre “Schreibtätigkeit” auf Social Networks ausüben, wobei wir im deutschsprachigen Raum hier derzeit von Facebook reden.

Allerdings, so Hutter, ist das Aussterben eher als “Marktbereinigung” zu sehen. Potentiell überleben Fachblogs und andere Arten von professionell betriebenen Weblogs eher und sorgen für eine höhere Informationsqualität. Damit geht sicherlich ein Stückweit der Charme der Blogosphäre flöten, der bisher vor allem von Meinungen und Inhalten Einzelner transportiert wurde.

Seinen Vortrag gibt es auf seiner Website, inklusive einigen Bildern: Facebook killed the Bloggerstar

“Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf” von mir

Politik 2.0 ist ein erwartungsgemäß ein Nischenthema, deshalb verirrten sich nur ca. 10 Teilnehmer in meine Session. Nichtsdestotrotz waren die Inputs gut, wichtig und interessant, zumal die Nachfrage, was nach der Wahl kommt, stärker im Fokus liegt, als ich “befürchtet” habe. Die entstandene Diskussion fließt daher nahtlos in das ein, was ich zu diesem Thema noch entwickeln will.

Meinen Vortrag gibt es hier im Blog: Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf

“Channels for delivering health services” von Frank Calberg

Was der in Zürich lebende Däne Frank Calberg beruflich genau macht, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber: Selten habe ich einen so interessanten Vortrag gesehen, wie diesen. Calberg hat in seiner Session einen Überblick darüber gegeben, wie in Zukunft die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ablaufen könnte und welche Beispiele es schon heute gibt.

Und siehe da: Es gibt tatsächlich Lösungsansätze, die Patienteninformationen sinnvoll vernetzen können und von denen sowohl Patient, als auch Arzt profitieren können. Ergänzt durch innovative Arztkonzepte wie beispielsweise einem Ambulanzbus, der ähnlich wie eine fahrbare Bibliothek zu Patienten fahren kann  und eine vollständige Arztpraxis darstellt (hat mir sehr gut gefallen), könnte man tatsächlich die Gesundheitsbranche mit revolutionären Ideen fit machen für eine älter werdende Gesellschaft und Sorge dafür tragen, dass auch in ländlichen Gebieten die medizinische Versorgung sichergestellt werden kann.

Ein echtes Session-Highlight, das auch davon lebte, dass zwar nur Frank Calberg, Jan Theofel und ich die Session bearbeiteten, aber dafür wir drei eine ausgiebige Diskussion führten.

Da er seinen Vortrag in seinem Weblog nicht verlinkt hat, hier ein Link auf Slideshare, wo sich sein Vortrag befindet: Channels for delivering health services

WordPress als Basis für eine Online-Zeitung von Ute Hauth

Ute Hauth, Chefin des Unternehmens miradlo in Konstanz, hat in ihrer Session vorgestellt, wie mit WordPress eine Online-Zeitung realisiert werden kann. Die Online-Zeitung ist see-online.info und wird von der Journalistin Waltraud Kässer bestückt und das durchaus ambitioniert, denn mit bis zu zehn redaktionellen Artikeln bewegt man sich auf dem Niveau so manch einer Lokalzeitung.

Fazit: WordPress packt das und ist auch für eine Online-Zeitung ein würdiges Redaktionssystem, das sich verhältnismäßig einfach erweitern lässt.

BlogCamp-Fazit

Schön war es, das kleine Team des BlogCamp Switzerland rund um Peter Hogenkamp herum hat gute und solide Arbeit geleistet. Klein, fein, nicht überladen und am Ende gab es noch ein nettes “Meet-Out” mit Schokolade aus dem Migros, einem von Frank Calberg gesponserten Kuchen und zwei Paletten 0,5-Liter-Dosenbier Löwenbräu. Letzteres hat zwar so gar nichts mit Zürich oder der Schweiz zu tun, verfehlte aber dennoch nicht seine Wirkung.

Und Zürich ist um diese Jahreszeit eine Reise wert. Zufälligerweise war just gestern die Eröffnung des “Viadukts”, einer Art Einkaufszentrum, das auf mehreren hundert Metern unter den Bögen einer steinernen Bahnbrücke gebaut wurde und eine Reihe von interessanten und lustigen Geschäften beherbergt. Eine phantastische städtebauliche Idee inmitten eines Arbeiterviertels, die ich mir unbedingt nochmal in Ruhe anschauen muss. Dank an Sam Steiner und Markus Hegi, die uns spontan dorthin zum gemeinsamen Mittagessen mitnahmen.

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Vortrag zum 5. BlogCamp Switzerland.

4. September 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Wenn wir nicht alle verschlafen haben, dürfte ich jetzt gerade auf dem Weg nach Zürich sein, um dort am fünften BlogCamp Switzerland teilzunehmen, bei dem ich als Rookie zum ersten Mal dabei bin. Hierzu habe ich einen Vortrag im Gepäck, der sich mit dem Thema Online-Campaigning im Bürgermeisterwahlkampf beschäftigt und eine Zusammenstellung der wichtigsten Erfahrungspunkte in Sachen Weblog beim Pforzheimer OB-Wahlkampf 2009 von Gert Hager darstellen soll. Wird ein hochkomprimierter Vortrag, bei dem ich mich, wie vorgestern schon befürchtet, schon etwas frage, wie ich das in 20 bis 30 Minuten unterbringen werde, aber wir fahren ja auch nicht in den Streichelzoo.

Here we go, hier die PowerPoint-Vortragsunterlagen:

View more presentations from besimk.

Und hier als PDF: Vortragunterlagen “Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf”

Hinweis: Der Vortrag ist nicht im Namen von Gert Hager entstanden und damit kein offizielles Statement von ihm, der SPD oder der Stadt Pforzheim.

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Von Horizonten in Parteien und Gesellschaften.

3. September 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Hach ja Thilo Sarrazin. Es ist Sommer, es ist wenig los, Thilo Sarrazin ist sowieso seit seinem Jobantritt bei der Bundesbank beruflich unterfordert und darüber hinaus in einem Alter, wo man langsam anfängt, auch den schrägsten Politiker abzuheften und zu vergessen. Im Grunde genommen – und damit könnte meine Rede eigentlich hier schon beendet sein – ist Thilo Sarrazin schon lange abgeheftet und seine Liste der politischen Erfolge ist gering. Eine auf dem Abstellgleis langsam wegfaulende Politikkarriere eines Berufsbremsers, der es irgendwie nie so richtig auf die Schnellbahntrassen geschafft hat.

Was man bei der Mitarbeit in einer Partei immer berücksichtigen muss, ist der Umstand, dass eine Partei im Idealfall einen Spiegel der Gesellschaft darstellt. Da gibt es hochintelligente Menschen, aber auch eher einfach vernetzte. Der eine ist eher der ruhige Typ, der andere der karrieresüchtige Günstling. Die Begrifflichkeiten “Parteifreund” und “Parteifreundin” haben selten etwas damit zu tun, dass echte Freunde aufeinandertreffen, sondern eben Menschen, die Parteibücher der gleichen Partei besitzen.

Thilo Sarrazin und wir reden darüber?

Als ich vorletztes Wochenende in der Vorabveröffentlichung des SPIEGEL gesehen habe, dass der SPIEGEL aus dem kommenden Buch von Sarrazin passagenweise zitiert, habe ich durchaus auch Bauchschmerzen bekommen. Allerdings: Nicht deswegen, weil der SPIEGEL vorab aus einem unsäglichen Buch eines unsäglichen Menschen zitiert, sondern darum, dass es ein unsäglicher Mensch wieder unsägliche Theorien verkündet. Der SPIEGEL hat keine Schuld, der SPIEGEL ist ein Nachrichtenmagazin, das davon lebt, Dinge in die gesellschaftliche Diskussion einzuwerfen. Und das haben sie, wenn man sich die Vorgehensweise des SPIEGEL anschaut, genau so getan, wie ich es von einem Nachrichtenmagazin erwarte. Keine großporigen Vorankündigungen, keine Grundsatzdiskussionen im gleichen Heft, keine Rechtfertigung, keine Gegenreden, keine Zitate der üblichen Gegenredner, nichts.

Dass der SPIEGEL weit davon entfernt ist, die Haltung von Sarrazin zu teilen, sieht man daran, dass in der nächsten Ausgabe (der von dieser Woche) gleich drei Autoren (davon zwei externe Autoren) drei Aufsätze geschrieben haben, die sich mit Gegenreden gegen Thilo Sarrazins Buch probieren.

Was ein Problem wird, ist alles das, was andere Medien daraus machen. Suggestivfragen, die auf die kruden Thesen in einer Form wie “Können wir uns Ausländer leisten?” o.ä. aufbauen und wie man sie in der BILD, dem Fachorgan der Gehirntoten, zuhauf lesen konnte, sind da schon weit problematischer. Und dass so manch politische Talkshow es probierte, einem unterforderten Berufsgrantler, der von stinkenden Beamten redet, zu fetten Hartz-IV-Empfängern und unintegrierbaren Moslems, Paroli zu bieten, ist in vielen Fällen gründlich danebengegangen. Aber wir haben es bemerkt.

Migration in der Gesellschaft

Dazu muss ich gar nicht viel Worte verlieren, denn da ist meine Haltung altbekannt und in übrigens jeder Partei extrem unbeliebt. Migration ist eine Angelegenheit, die immer eine komplette Gesellschaft betreffen muss, wenn es eben Migration sein soll und nicht Assimilation. So weit, so schlecht, denn Migration war seit der Gastarbeitergeneration nie etwas, was bundespolitisch mit höherer Priorität gesegelt wurde, sondern es war immer ein Thema für “Pilotprojekte” oder “beispielhafte Aktionen”. Maximal Ländersache für Landespolitiker, die bei der fraktionsinternen Vergabe der Ausschussplätze bei drei nicht auf dem Baum waren oder für engagierte und sturmfeste Kommunalpolitiker. Oder eben auch für den Migranten selbst, der heutzutage in den höheren Ebenen der Politik einen ähnlichen Seltenheitswert hat, wie eine Giraffe im Pinguinhaus.

Wir haben als Gesellschaft, die schon immer von Einwanderung gelebt habt, in den letzten 50 Jahren schlicht versagt. Da ist die Äußerung des SPD-Mannes Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dass die Integration das “Megathema der nächsten Jahre” sei, eine krasse Untertreibung und gleichzeitig eine obszöne Armutserklärung, die ich jedoch keinesfalls am armen Genossen Dieter festmachen will, weil keine Partei mit dem Thema Integration in den letzten Jahrzehnten halbwegs zugkräftig umgegangen ist. Denn: Integration ist schon seit 50 Jahren das “Megathema”, nur hat man es immer gern mit der Ausrede umschifft, dass “die Gastarbeiter ja irgendwann wieder zurückkehren werden”. Das tun sie in der Tat inzwischen, zumindest ist die Abwanderung von Türken inzwischen höher, als die Zuwanderung – allerdings tun sie es, weil die Türkei für Fachkräfte inzwischen stärker prosperiert, als Deutschland.

Migration ist aus dieser Sicht daher keine Frage, das “Blut der Deutschen” zu retten, sondern eher eine Lösungsmöglichkeit dafür, langfristig überhaupt noch Blut in Mitteleuropa zu haben.

Migration in Parteien

Tatsächlich fängt Migration in der eigenen Partei an und damit ist gar nicht mal das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern gemeint. Als Ortsvereinsvorsitzender, ein Amt, das mich in der SPD auch einmal bekleidet hat, ging es niemals darum, was für eine Abstammung ich hatte, sondern eher darum, wie ich als Vorsitzender bei Meinungsverschiedenheiten, die es in einer Partei sinnvollerweise immer hat, zuschaue, die Kluft zwischen Arm und Reich, Dumm und Klug, Apfel und Birne etc. am elegantesten so zu einer Melanche zusammenfrisiere, damit alle damit leben und als persönlichen Gewinn mit nach Hause nehmen können.

Wohlgemerkt: Das ist keine Sache, die nur in der SPD vorkommt, sondern das ist ein Merkmal einer jeden, funktionierenden Partei. Mit offenem Ausländerhass bin ich weder in der SPD, noch aus den Kehlen von Mitgliedern anderer demokratischen Parteien konfrontiert worden. Wohl existiert aber ein latentes Unbehagen gegenüber Dingen, die man nicht wirklich kennt, wie es nun eben bei Menschen auftritt, deren Horizont – ob nun verschuldet oder unverschuldet, eher überschaubare Umfänge hat.

Wer definiert Ordnung in einer Partei?

Sagen wir mal so: Wenn ich wegen jedem Blödsinn, den ich in der SPD gehört habe, gegen den Autor des Blödsinnes ein Parteiordnungsverfahren angestrengt hätte, würde ich vermutlich nichts anderes mehr machen, als Begründungen für Parteiordnungsverfahren zu schreiben. Die Auswahl der SPD-Genossen, über die ich mich grundsätzlich aufregen könnte, geht dabei quer von Genossen aus dem Kreis bis hin in den Bundesvorstand.

Nur, Gegenfrage: Was juckt es mich? Dass es Menschen gibt, die ich für Idioten halte, auf diesem Planeten existieren und ich ihnen damit rein faktisch gesehen auch das Recht eingestehen muss, zufälligerweise auch in der Partei zu sein, in der ich auch bin, ist Tatsache. Und dass es auch durchaus Mitglieder anderer Parteien gibt (ja, sogar der FDP), die ich potentiell besser leiden kann, als so manch SPD-Genossen, ist auch nicht wirklich eine Überraschung – weil es Normalität in unserem gemeinschaftlichen Leben ist. Mit der einen Nachbarin kannst du eben, mit der anderen überhaupt nicht. Ich fahre grundsätzlich defensiv Auto und habe deshalb auch wenig Ärger mit Polizei und Versicherung, obwohl ich BMW-Fahrer für durchgeknallte Fahrer halte, die übrigens das gleiche über Opel-Fahrer denken. So what?

Ordnung ist da, wo es bei Diskursen nicht nahtlos zur Schlägerei kommt, das haben wir den Affen voraus. Zwar habe ich noch keine zünftige Parteikeilerei in der SPD erlebt, allerdings im Rahmen meiner berichterstattenden Tätigkeit als Kameraassistent in einer anderen Partei und weiß deshalb, dass Parteiarbeit mitunter eine Tätigkeit ist, die sehr tief verwurzelte Urinstinkte des Menschen anspricht.

Man könnte nun sagen: Als vernünftige Partei, die nicht im Affenhaus tagt, sondern in Kongresszentren, könnte man ja durchaus vernünftig miteinander umgehen und sich ggf. ein Parteiprogramm geben und ein Status. Das ist richtig. Allerdings ist ein Statut dazu da, zu sorgen, dass nicht bei jeder fragwürdigen Entscheidung, die in jeder Partei zwangsläufig andauernd entstehen, sofort die Fäuste fliegen und das Parteiprogramm dazu, um es ständig zu hinterfragen. Beide haben miteinander relativ wenig zu tun und dürfen es auch gar nicht, wenn die Partei nicht zu einem Kuschelverein verkommen soll.

Was also tun mit so durchgeknallten Leuten wie Thilo Sarrazin?

Darüber reden, die wilden Thesen mit vernünftigen Argumenten untermauern oder gegenreden und zur Not solche Leute als vollkommen bescheuerte Idioten titulieren, wie ich es möglicherweise in diesem Fall auch tun würde, weil Thilo Sarrazin vordergründig Missstände darstellen will, diese aber mit Angstthesen umwickelt, sie mit widerlegbaren Zahlen zu untermauern versucht und darüber hinaus keine Lösungsmöglichkeiten aufzeigt, wie ich es von einem politischen Menschen oder gar einem Politiker erwarten würde. Solche Menschen nennt man anderswo auch einfach “Poleten” und gut ist.

Ihn dafür zu entfernen, weil wir als SPD uns für ihn in irgendeiner Form schämen müssten? Dann müssten wir die halbe Partei hinauswerfen und würden spätestens dann merken, dass die restliche Hälfte dann auch noch geht, weil es keinen Spaß mehr macht.

Und nochmal: Ist in keiner anderen, demokratischen Partei, egal ob in Deutschland oder in irgendeiner anderen Bananenrepublik, absolut genauso. Wer Liebe und Zuneigung will, und damit bediene ich mich einem sehr alten Zitat, das ich just in einem Parteitag erdacht habe, kauft sich am besten eine Packung Tierfutter und geht in den Streichelzoo, Ziegen füttern.

Thilo Sarrazin. 65 Jahre alt, kurz vor der Rente. Halbbegabter Landespolitiker, launisch, fern jeglicher Gesellschaft. Lautes Buch geschrieben, laut gebrüllt, daneben gebrüllt, mitten im Gegenwind, zieht den Schwanz ein, gibt den Geläuterten, fliegt vermutlich aus dem warmen Sessel eines geschenkten Vorstandjobs und behält möglicherweise ein Parteibuch doch nicht bis zum bitteren Ende.

Was stört mich Thilo Sarrazin?

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Vortrag auf dem BlogCamp Switzerland.

2. September 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in Interna

Am Samstag findet in Zürich das fünfte BlogCamp Switzerland statt. Oliver Sigrist und ich nehmen erstmals daran teil und werden am Samstag in tiefster Frühe unsere Pferde satteln und hinreiten.

Da das Barcamp-Konzept von der aktiven Partizipation der Teilnehmer lebt, bringen wir etwas mit, nämlich einen Vortrag. Dieser Vortrag wird sich um ein schon etwas älteres Thema drehen, das mir nach wie vor sehr am Herzen liegt, nämlich das Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf. Bei 20 bis 30 Minuten Vortragszeit wird das zwar ein Schnellsprechmarathon, aber am Thema soll es nicht scheitern. Die Vortragsunterlagen werden dann am Samstag hier noch veröffentlicht, derzeit bin ich noch dabei, die letzten Dinge einzuarbeiten und das Ding noch etwas aufzuhübschen.

Und für diesen Vortrag ist es ausnahmsweise noch gut, dass die alte Wahlkampfseite des schon längst gewählten Oberbürgermeister Gert Hager noch online ist, was sich jedoch, so viel sei verraten, demnächst ändern wird. Wer also noch klauen will, so wie das einst die CDU Pforzheim etwas unprofessionell getan hat: Jetzt ist die beste Gelegenheit dazu.

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