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Ein Monat Gerstelblog.

14. Juni 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Das Gerstelblog, das Weblog des Autohauses Heinrich Gerstel, das ich mit aus der Taufe gehoben habe und in erster Linie ein Corporate-Blog ist, auf den zweiten Blick jedoch ein Versuchsplatz, überzeugt mich immer mehr und bringt einige interessante Erkenntnisse, die ich hier mal darstellen möchte:

  1. Content hat Reichweite
    Man kann sagen, was man will: Content findet immer seine Reichweite. Davon bin ich zwar schon sehr lange fest überzeugt, das Gerstelblog beweist es jedoch. Nach vier Wochen pendeln sich die täglichen Besucher auf 40 bis 70 ein und das ist für ein Weblog, das eben erst angefangen hat und derzeit kaum etwas mehr als vier Hände voll Artikel hat, enorm.
  2. Ein Weblog ist ein wunderbarer Spielplatz
    Werbung und Homepage ist eine Sache, die man als Unternehmer in der Regel selten selbst macht, sondern von Agenturen (oder von Amateuren) erledigen lässt. Das bringt das Problem mit, dass man sehr schnell in die Situation kommen kann, dass man zwar ein tolles Unternehmen hat, aber keiner draußen davon etwas ahnt, wenn die Außendarstellung einfach nicht funktioniert und nicht das abbildet, was eigentlich tatsächlich Usus ist. Ein Weblog sprengt diese Grenze auf phantastische Weise und bietet den Weg, “Tacheles zu reden” und auch sofort hochauthentisch Feedback zu bekommen.
  3. Crossmedial – von Anfang an
    Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass es irgendwann mal möglich sein wird, Videos drehen zu können, die man dann ins Internet stellen und damit schlagartig einen Haufen Menschen erreichen kann – ohne dass es gigantische Geldsummen kostet. Heute ist das alles kinderleicht und mit wenig Aufwand und Mühen noch nicht mal peinlich. Günstige Videokameras, leistungsstarke Computer und nicht zuletzt YouTube machen es möglich, crossmediale Inhalte in kürzester Zeit zu erzeugen und einzusetzen. Muss alles nicht sofort hollywood-tauglich sein, authentisch kann man das alles aber schon mit wenig Arbeit machen.
  4. Weblogs lesen schon lange nicht mehr nur Blogger
    Vergessen wir bloß schnell wieder, dass Weblogs vor allem nur von Bloggern gelesen werden – genau das Gegenteil ist der Fall, wenn das betreffende Weblog nicht gerade hochexotische Inhalte beinhaltet. Bei Timo Gerstel türmen sich geradezu Rückmeldungen von “normalen” Kunden, die tatsächlich zu regelmäßigen Weblog-Lesern geworden sind und das sind tatsächlich durchaus auch Menschen im rentenfähigen Alter, die weit davon entfernt sind, als “Nerds” oder “Geeks” bezeichnet werden zu können.
  5. Ein unerwarteter Mehrwert eines Corporate-Weblogs
    Ein Problem für Neu-Blogger ist es am Anfang immer, ein Händchen dafür zu entwickeln, über was man überhaupt schreiben soll. So Antworten wie “über das Leben im Autohaus” sind schnell gesagt, aber die Neu-Blogger müssen erst einmal ein Gespür dafür entwickeln, was eigentlich das “verbloggbare” Leben im Autohaus ist. Zumindest sorgt das, so die Aussage von Timo Gerstel, bei ihm dafür, einen anderen Blick in sein Autohaus zu bekommen und das ist schon deshalb bemerkenswert, da man als Familienangehöriger, der von Kindesbeinen an im Autohaus weilt, so schnell nichts anderes davon sieht.
  6. Ein Weblog steigert das Empfinden gegenüber der Öffentlichkeitsarbeit
    Auch ein netter und wichtiger Nebeneffekt: Man lernt, zu unterscheiden, was in den Medien wirklich publizistische Arbeit ist und was reine, teure Effekthascherei. Es ist interessant zu sehen, wie schnell Weblog-Betreiber die Medienwelt anders und kritischer sehen, wenn sie selbst Inhalte bereitstellen und das nicht automatisch “nur” Werbung ist. Das ist ein hochinteressanter Punkt, den ich derzeit noch erforsche, aber es untermauert meine These schon jetzt vortrefflich, dass es die alteingesessenen Regionalmedien wie Regionalzeitungen mit so einer affinen Kundschaft zukünftig deutlich schwerer haben werden, einfache Anzeigen oder Werbepakete zu verkaufen – zu recht. Ich sehe das als Emanzipation der Quellen, die die bisherigen Meinungsmacher nach Gutdünken verarbeiten konnten. Die Zeiten neigen sich dem Ende zu.

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SimCity 4 unter neueren Windows-Versionen und anderen Bildschirmformaten.

14. Juni 2010 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in GamingWelt

SimCity 4 ist inzwischen sieben Jahre alt und immer noch eine Legende in Sachen Städtesimulation am PC. Überhaupt reizen mich Computerspiele am PC kaum, eben mit der Ausnahme SimCity und dem Microsoft Flight Simulator. Sieben Jahre alte Software kann man dennoch getrost als “reife” Software bezeichnen, die ursprünglich einmal unter Windows XP laufen sollte.

Entwarnung: SimCity 4 läuft auch prima unter Windows Vista und Windows 7. Die Installation von CD/DVD funktioniert problemlos. Womit ich Probleme hatte, sei hier geschildert:

  1. SimCity 4 will bei jedem Start die CD/DVD im Laufwerk sehen. Bei mir ist das CD/DVD-Laufwerk auf dem Laufwerksbuchstaben “B:”, was beim Start von SimCity 4 jedoch Probleme macht. Da jedoch nur die wenigsten PC-Benutzer jemals den Laufwerksbuchstaben ihres CD/DVD-Laufwerks ändern und noch viel weniger Leute auf die Idee kommen, ausgerechnet den Laufwerksbuchstaben “B:” auszuwählen, ist das Problem wohl nur marginal …
  2. Grafiktreiber: Sind, wie üblich, auf dem aktuellsten Stand zu halten. Zu beachten ist, dass SimCity 4 schon damals mit weitgehend absurden Grafikanforderungen daherkam, so dass auch heute noch für die wirklich vollständige Ansicht eine verhältnismäßig gute Grafikkarte erforderlich ist. Mit einfachen Onboard-Chipsätzen ist jedenfalls auch bei neueren PC nicht viel zu holen.
  3. SimCity kennt in den Einstellungen nur einige wenige Bildschirmauflösungen und kann mit wirklich großen und mit exotischen Bildschirmformaten wie beispielsweise Full-HD (1920 mal 1080 Pixel) von Hause aus mit den angebotenen Auflösungen nur insofern etwas anfangen, dass die Ansicht teilweise erheblich verzerrt erscheint. Muss man aber nicht hinnehmen, denn es gibt zwei Programmstartparameter, mit denen man SimCity 4 mit einer Custom-Auflösung starten kann. Dazu einfach in die Eigenschaften des Programmsymbols gehen und unter “Ziel” den vorhandenen Programmeintrag rechts um folgendes erweitern, hier für die Auflösung 1920 mal 1080 Pixel: -CustomResolution:enabled -r1920x1080
  4. Das letzte Update ziehen und installieren, das bekommt man im Update-Bereich von SimCity bei Electronic Arts. Das Update ist zwar ebenfalls aus dem Jahre 2003, behebt aber eine ganze Latte von Fehlern. Bei der Auswahl des Updates unbedingt auf die Region achten, aus der die SimCity-4-Version kommt. Europäische und deutsche Versionen sind in der SimCity-4-Sprech “SKU2″.

Ansonsten läuft alles so, wie man es früher gewohnt war. Wer mit bescheidener Hardware Wunder erwartet, wird enttäuscht sein, allerdings muss es auch nicht mehr unbedingt die allerletzte und neueste Hardware sein. Und die normalerweise erforderlichen 512 MB RAM hat man heutzutage auch problemlos frei. Wer weiter basteln und spielen möchte, dem sei die deutschsprachige Website SimCityPlaza empfohlen, auf der es sehr viel interessante Add-Ons zum Herunterladen gibt. Unter anderem so phantastische Dinge wie “Europa”-Pakete, mit denen sich europäische Straßenmarkierungen, Gebäude und Fahrzeuge hinzufügen lassen. Sicherlich alles Details, aber wer SimCity spielt, der ist genau für das empfänglich. Und es ist teilweise wirklich unglaublich, was die eingefleischte SimCity-4-Community an Dingen produziert, vieles davon selbst noch in jüngster Vergangenheit.

Zu beachten ist: Es gibt “SimCity 4″ und ein offizielles Add-On namens “SimCity 4 Rush-Hour”. Letzteres ist automatisch dabei, wenn man im Besitz der Version “SimCity 4 Deluxe Edition” ist, ansonsten braucht man dieses Add-On für die meisten Zusatzpakete von SimCityPlaza, beispielsweise für das “Network Addon Mod”, mit dem man dann Mods in Sachen Straßenverkehr und anderen Verkehrsmitteln importieren kann.

Wer das Add-On nicht hat, kann bei eBay oder im Amazon.de-Marketplace danach suchen oder lieber gleich die “SimCity 4 Deluxe Edition”, wo dann beides dabei ist. Angenehmerweise bewegt sich der Preis dafür teilweise im einstelligen Euro-Bereich, manchmal findet man das Paket auch in der Grabbelkiste beim Elektrofachmarkt, teilweise ist es aber noch ganz normal im Spieleregal zu finden, weil Electronic Arts diesen Evergreen immer wieder einmal neu auflegt. Wenn es mehr als 20 Euro kostet, kann man aber durchaus mal mit dem Verkaufspersonal reden.

Mein kleines Problem ist ganz anderer Natur: Es will nicht mehr das “SimCity-Feeling” aufkommen, das ich früher hatte, wenn ich ohne weiteres stundenlang Wohnungen, Industrien, Geschäfte und Parks für “meine” Sims baute. Ich bedaure das sehr. An viele der gebauten Städte, teilweise in SimCity 4, aber auch in den Vorgängern SimCity 2000 und SimCity Classic, kann ich mich selbst nach Jahren noch gut erinnern. Schade drum, dass ich vieles aus dieser Zeit nicht in die Gegenwart gerettet habe. Eine gewisse Portion Sentimentalität kann ich da wirklich nicht verbergen.

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Nichts für Kinder.

11. Juni 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in Interna

Nachdem die Ministerpräsidenten der Bundesländer eine neue Fassung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages unterzeichnet haben, in dem auf eine freiwillige Alterskennzeichnung gesetzt wird, um die Jugend dieses Landes vor den unglaublichen Dingen des bösen Internets zu retten und ich als gesetzestreuer Blogger da natürlich nicht einfach nur dastehen kann, wird dieses Weblog zukünftig nicht mehr jugendfrei sein. Es dürfen ab sofort nur noch Erwachsene mitlesen. Um ein automatisch auslesbares Rating werde ich mich kümmern, bis dahin gilt schon mal die Kennzeichnung rechts oben im Weblog.

Also, liebe Kinder, bitte beachten: Ab sofort ist hier Ende Gelände. Hier beginnt das böse Internet, hier dürft ihr nicht mehr sein. Ich verbiete es euch. Geht bitte. Sofort.

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Wie man sich Kunden madig macht.

10. Juni 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Meine Eltern sind so lange ich denken kann Kunden bei der Baden-Württembergischen Bank. Für meinen Vater war es, als er in den sechziger Jahren nach Pforzheim kam, die erste Bank vor Ort, damals noch namentlich die Badische Bank, die dann irgendwann mit den Kollegen auf der anderen Seite fusionierte und zur Baden-Württembergischen Bank verschmolz.

Über 40 Jahre. Die Damen und Herren, die mit meinen Eltern in der Anfangszeit zu tun hatten, sind längst schon in Rente oder auf dem Friedhof. Auch die nächste und übernächste Generation an Mitarbeitern konnten sich eigentlich über meine Eltern, die alle fiskalen Tugenden eines Baden-Württembergers verinnerlicht haben, nicht beschweren. Immer brav das Geld in die Bank getragen, immer nur ein Konto gehabt, lange Zeit Geld auf dem Sparbuch geparkt und schon viele Jahre ein Schließfach im bankeigenen Tresor gemietet, in dem der bescheidene Familienschmuck und einige andere Habseligkeiten vor sich hinschlummern.

Nun zieht die Baden-Württembergische Bank in Pforzheim vorläufig um. Weg von der Poststraße, wo die Landesbank Baden-Württemberg, die Mutter der Baden-Württembergischen Bank, ein neues Bankhaus springen lässt und hin zum Gebäude des ehemaligen Bankhauses Steinhart, in dessen Räumen in der Goethestraße die Baden-Württembergische Bank eine Behelfsfiliale gebaut hat. Inklusive einem Tresor. Und in den müssen nun die Inhalte aller Schließfächer transportiert werden.

Dazu hat die Baden-Württembergische Bank allen Schließfachkunden einen Brief geschrieben und auch eine vorbereitete Rückantwort, in der der gewünschte Termin, an dem man das Schließfach räumen und die Inhalte zum neuen Tresor transportieren möchte, angegeben werden konnte. Das wurde dann auch bestätigt. Dieser Termin war heute.

Meine Mutter, die nun ebenfalls seit über 40 Jahren diesem Bankhaus bekannt sein dürfte und ungefähr jeden Mitarbeiter, der jemals in diesen 40 Jahren in der Filiale gearbeitet hat, kennt und im übrigen mit meinem Vater gemeinsam die Bankbeziehung pflegt, durfte das heute nicht. Denn sie sei für eine “Schließfachkündigung” (Kündigung?) nicht berechtigt. Sie durfte das Schließfach nicht räumen, obwohl meine Mutter diejenige ist, die in den vergangenen Jahrzehnten quasi allein dieses Schließfach bediente und dort namentlich ein- und ausging. Leeren und kündigen darf nur mein Vater, so die Mitarbeiterin vor Ort.

Meine Mutter, 60 Jahre alt, nicht mehr ganz so gut zu Fuß, Bullenhitze draußen, 40 Jahre Bankbeziehung mit meinem Vater zusammen, ständig die einzige Person, die auf das Schließfach zugegriffen hat, vor drei Wochen per Fax und per Telefon den Schließfachumzug geplant und geklärt und heute ist sie dann nicht dazu berechtigt.

Meine Mutter, bescheiden wie nun mal Gastarbeiter der ersten Generation sind, hat sich darüber nur geärgert. Ich wäre jedoch in den Geschäftsräumen der Baden-Württembergischen Bank Pforzheim, bei der ich auch einmal ein Girokonto hatte, sehr anschaulich geplatzt und das wäre ein nicht sehr schönes Erlebnis für die dortigen Mitarbeiter geworden.

Nun wird also mein Vater am Montag mit zur Baden-Württembergischen Bank Pforzheim gehen und dort nochmal erklären, dass die Frau, die da am Donnerstag das Schließfach leeren wollte, tatsächlich immer noch seine Frau ist. Und meine Mutter, denn ich werde mitgehen, diese Geschichte mal dort aufarbeiten und mich auch nicht sonderlich darum bemühen, die Contenance zu bewahren, wenn mir da einer mit seinem Betriebshandbuch oder sonstirgendetwas formalem daherkommt.

Es wird Zeit, die Bank zu wechseln. Wenn die Bank ihren Kunden auf den Zeiger geht und sie schikaniert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es da einigen Leuten viel zu gut geht.

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Polit-Proleten der Kristina Schröder auf Twitter.

9. Juni 2010 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Dr. Kristina Schröder geb. Köhler als eine besonders begabte Politikerin festzustellen, fällt mir, der nun wirklich über eine ausgiebig gute Fähigkeit zum Phantasieren verfügt, ausgesprochen schwer. Spitzenpolitiker bringen im Normalfall, wenn sie Karriere machen wollen, eine Aura mit, leuchtende Augen, ein festtackerbares Lächeln oder wenigstens eine vernünftige Körperhaltung, wenn sie am Tisch sitzen und daran interessiert sind, ihre Meinung in die Blöcke der Journalisten hineindiktiert zu bekommen. Sieht man Frau Schröder an einer Bank mit anderen Politikern, hat man das betroffene Gefühl, dass da eine Referentin sitzt, eine Pressesprecherin des CDU-Kreisverbandes oder irgendjemand aus dem hiesigen CDU-Gemeinderat, nicht die Bundesfamilienministerin.

Ansichtssachen. Wir lernen ständig in den letzten Tagen, dass es offensichtlich gar nicht mehr notwendig ist, besonders talentiert zu sein, um sich für ein Spitzenamt zu bewerben. Talent könnte ja immerhin dazu führen, dass der besonders geförderte Jungpolitiker möglicherweise eigene Gedanken entwickelt und das geht ja nun wirklich gar nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Wenn ich ehrlich bin, ist der Name mir nur deshalb ein Begriff, weil Frau Schröder nun Bundesfamilienministerin ist und weil Frau Schröder twittert. Und der letztgenannte Umstand ist mir auch nur deshalb bekannt, weil sie es eben tut und das leider nicht besonders originell, sondern mit, nennen wir es mal so, wie es ist, dem “Westerwelle-Fön”. Warme Luft. Und ihren Twitter-Nickname hat sie auch noch nicht geändert, obwohl eine Änderung ohne Verlust ihrer Follower passieren würde, aber das ist eine Randnotiz zum jetzt folgenden Treppenwitz.

Da hat sich doch Frau Schröder gedacht, als ihre Chefin stolz verkündete, dass wir alle die Gürtel enger schnallen müssen, “weil wir ja über die Verhältnisse gelebt haben”, Mensch, twitter ich doch schnell mal etwas dazu, immerhin habe ich ja ein Ressort. Und das geht dann im Bezug auf das Elterngeld, das von der Idee her zum Ressort des Bundesfamilienministeriums gehört und das einschneidende Kürzungen im Rahmen des aktuellen Sparpaketes der Bundesregierung erfahren soll, so:

In der Tat ist die “Elterngeldstreichung”, die eigentlich keine ist, sondern eine ziemlich unsozial definierte Kürzung, einschneidend. Und eigentlich müsste es heißen: “Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger besonders hart.” Das fehlende Wort wäre sogar noch innerhalb der 140-Zeichen-Grenze von Twitter. Denn die Kürzung betrifft vor allem diejenigen, die wenig verdienen, da die Bemessungsgrundlage für das Elterngeld abgesenkt wird. Das heißt: Wer wenig vorher verdient hat, erhält auch weniger Elterngeld. Wer sehr viel verdient, den stört das nicht, da die Höchstgrenze von 1.800 Euro dabei nicht angetastet wird.

Zumindest passt dieses Herumpfuschen am Elterngeld nun besser zu einem der übelsten Vorurteile der Konservativen, denen am Elterngeld schon immer störte, dass damit ja nicht nur reiche Eltern ein adäquates Ausfallgeld für das Kindermachen bekommen, sondern auch einkommenschwache Bevölkerungsgruppen. So wird das jetzt dann eben so, dass sich das Kindermachen für Arme hoffentlich nicht mehr ganz so lohnt, nicht?

Aber Frau Schröder fehlt das staatstragende, womit sie sich in eine Reihe mit anderen Spitzenpolitikern aus der derzeitigen Bundesregierung aufstellt. Weil man offenkundig harte Kost irgendwie auch gut verdaulich unters Volk bringen muss und Frau Schröder offensichtlich immer noch nicht so ganz den Unterschied zwischen BILD-Zeitung und Twitter erkannt hat, gibt es vier Minuten später auch gleich ein Beispiel auf niederem Stammtischniveau mit inkludierter Suggestivfrage:

<sarkasmus staerke=”derb, rau”>
Genau! Diese Scheiß-Hartz-IV-Empfänger, diese Schmarotzer! Kindermachen und sich das auch noch vom Staat bezahlen lassen! Netto! Ja, Frau Schröder, immer drauf! Diese spätrömische Dekadenz! Schaffen soll das Pack und die Balgen, die eh nix werden, gefälligst selbst durchbringen!
</sarkasmus>

Das Integrative, das Versöhnende, die dialogorientiere Arbeitsweise, die eine Ministerin auszeichnen sollte, die gibt es bei Frau Schröder – vermutlich (weil ich ja nicht wirklich Frau Schröder auf meinem Politradar habe) – nur in den klassischen Medien. Da man in Twitter aber einfach Müll reingrunzen muss, kommt dann wohl obiges dabei heraus. Und weil uns ja nur Frau Schröder aus diesem Dilemma mit dem unkontrolliert kindgebärenden Prekariat helfen kann, kommt zwei Minuten später eine klare Ansage:

Tjaha, Frau Schröder, immer im Kampf gegen Ungerechtigkeiten, nicht? Übrigens die Frau Schröder, die noch als Frau Köhler erheblich lauter gegen so Sachen wie den Mindestlohn für Dienstleistungsverhältnisse kämpfte und der nun wirklich einer der funktionsfähigsten Werkzeuge ist, Arbeitnehmern, die auf die Arbeit angewiesen sind, Löhne zu sichern, von denen sie dann leben können und eben nicht auf zusätzliche Leistungen des Staates angewiesen sind.

Aber ist ja klar, 140 Zeichen maximal in einer Twitter-Nachricht, da muss man natürlich schon das eine oder andere weglassen.

Dass Frau Schröder den größten Unterschied zwischen einer Zeitung und Twitter nicht kennt, nämlich den Unterschied, dass dem Leser einer aktuellen Zeitung der abgesonderte Mist eines Politikers, der in der gestrigen Ausgabe erschien, nicht interessiert, in Twitter aber dummerweise alle Nachrichten erhalten bleiben, beweist ausgerechnet die Twitter-Nachricht, die unmittelbar die letzte Nachricht ist, bevor sie die obigen drei Nachrichten abgesendet hat, zwei Tage vorher:

Deutschland, dein Regierungspersonal. Du hast es dir verdient.

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