Wie man sich Kunden madig macht.

Meine Eltern sind so lange ich denken kann Kunden bei der Baden-Württembergischen Bank. Für meinen Vater war es, als er in den sechziger Jahren nach Pforzheim kam, die erste Bank vor Ort, damals noch namentlich die Badische Bank, die dann irgendwann mit den Kollegen auf der anderen Seite fusionierte und zur Baden-Württembergischen Bank verschmolz.

Über 40 Jahre. Die Damen und Herren, die mit meinen Eltern in der Anfangszeit zu tun hatten, sind längst schon in Rente oder auf dem Friedhof. Auch die nächste und übernächste Generation an Mitarbeitern konnten sich eigentlich über meine Eltern, die alle fiskalen Tugenden eines Baden-Württembergers verinnerlicht haben, nicht beschweren. Immer brav das Geld in die Bank getragen, immer nur ein Konto gehabt, lange Zeit Geld auf dem Sparbuch geparkt und schon viele Jahre ein Schließfach im bankeigenen Tresor gemietet, in dem der bescheidene Familienschmuck und einige andere Habseligkeiten vor sich hinschlummern.

Nun zieht die Baden-Württembergische Bank in Pforzheim vorläufig um. Weg von der Poststraße, wo die Landesbank Baden-Württemberg, die Mutter der Baden-Württembergischen Bank, ein neues Bankhaus springen lässt und hin zum Gebäude des ehemaligen Bankhauses Steinhart, in dessen Räumen in der Goethestraße die Baden-Württembergische Bank eine Behelfsfiliale gebaut hat. Inklusive einem Tresor. Und in den müssen nun die Inhalte aller Schließfächer transportiert werden.

Dazu hat die Baden-Württembergische Bank allen Schließfachkunden einen Brief geschrieben und auch eine vorbereitete Rückantwort, in der der gewünschte Termin, an dem man das Schließfach räumen und die Inhalte zum neuen Tresor transportieren möchte, angegeben werden konnte. Das wurde dann auch bestätigt. Dieser Termin war heute.

Meine Mutter, die nun ebenfalls seit über 40 Jahren diesem Bankhaus bekannt sein dürfte und ungefähr jeden Mitarbeiter, der jemals in diesen 40 Jahren in der Filiale gearbeitet hat, kennt und im übrigen mit meinem Vater gemeinsam die Bankbeziehung pflegt, durfte das heute nicht. Denn sie sei für eine “Schließfachkündigung” (Kündigung?) nicht berechtigt. Sie durfte das Schließfach nicht räumen, obwohl meine Mutter diejenige ist, die in den vergangenen Jahrzehnten quasi allein dieses Schließfach bediente und dort namentlich ein- und ausging. Leeren und kündigen darf nur mein Vater, so die Mitarbeiterin vor Ort.

Meine Mutter, 60 Jahre alt, nicht mehr ganz so gut zu Fuß, Bullenhitze draußen, 40 Jahre Bankbeziehung mit meinem Vater zusammen, ständig die einzige Person, die auf das Schließfach zugegriffen hat, vor drei Wochen per Fax und per Telefon den Schließfachumzug geplant und geklärt und heute ist sie dann nicht dazu berechtigt.

Meine Mutter, bescheiden wie nun mal Gastarbeiter der ersten Generation sind, hat sich darüber nur geärgert. Ich wäre jedoch in den Geschäftsräumen der Baden-Württembergischen Bank Pforzheim, bei der ich auch einmal ein Girokonto hatte, sehr anschaulich geplatzt und das wäre ein nicht sehr schönes Erlebnis für die dortigen Mitarbeiter geworden.

Nun wird also mein Vater am Montag mit zur Baden-Württembergischen Bank Pforzheim gehen und dort nochmal erklären, dass die Frau, die da am Donnerstag das Schließfach leeren wollte, tatsächlich immer noch seine Frau ist. Und meine Mutter, denn ich werde mitgehen, diese Geschichte mal dort aufarbeiten und mich auch nicht sonderlich darum bemühen, die Contenance zu bewahren, wenn mir da einer mit seinem Betriebshandbuch oder sonstirgendetwas formalem daherkommt.

Es wird Zeit, die Bank zu wechseln. Wenn die Bank ihren Kunden auf den Zeiger geht und sie schikaniert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es da einigen Leuten viel zu gut geht.

2 Gedanken zu „Wie man sich Kunden madig macht.

  1. Gut, das Sprüchlein ist anders gemeint, ich erwarte aber gerade bei sich regional verortenden Finanzinstituten eine angemessene Kulanz.

    Als sich letztens eine Mitarbeiterin der nichtregionalen Commerzbank im Gespräch erdreistete, mich darauf hinzuweisen, dass es illegal wäre, wenn ich ohne Vollmacht eine Karte meiner Frau nutze (übrigens zur Einzahlung), haben wir sie eine Vollmacht ausdrucken lassen und danach das Konto aufgelöst. Selbige Person hatte übrigens schon einmal die Frechheit anzurufen, ob ein sehr hoher Geldbetrag, der als Empfänger und im Verwendungszweck die Kontoinhaberin namentlich nannte, auf dem Konto denn nicht vielleicht irrtümlich landete. Mein verschlafenes, unbevollmächtigtes Ja reichte ihr aber.

    Ich hatte übrigens bei selbiger Bank in einer anderen Filiale auch mal so ein relativ ungenutztes Konto, welches ich irgendwann häufiger nutzte. Es ist kaum vorstellbar, wie schnell sich Ignoranz in speichelleckerische Untertänigkeit verwandeln kann.

    Gut, jetzt haben wir ein Hauptkonto bei einer genossenschaftlichen Bank, den Großteil der Transaktionen aber bei zwei Internetbanken und killen so die festen Arbeitsplätze der Konkurrenten vor Ort.

    Lustig ist auch immer wieder, wenn meine Frau oder ich bei einer Hotline (jetzt nicht unbedingt Banken, sondern Telephon, Fernsehen oä.) anrufen, obwohl der Partner Anschlussinhaber ist, da reicht schon oft ein Reinbrüllen „Ja, die darf das“ um eine Bevollmächtigung zu gewährleisten.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich solche Anrufe niemals alleine tätige, alleine Termine wahrnehme, wenn ich nicht die Vollmacht habe – mit solchen Problemen ist nunmal immer zu rechnen.

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