Wo bist du, Flugzeug?

Die Website radarvirtuel.com ist nicht erst, aber erst so richtig, durch die Aschewolke des isländischen Vulkanes Eyjafjallajökull bekannt geworden: Eine Website, die auf Basis von Google Maps eigene Layer mit offensichtlich genauen Positionen von Flugzeugen präsentiert. Wie funktioniert das aber?

Wir suchen dich nicht, sondern du sagst uns, wo du bist!

Die Überschrift sagt eigentlich schon fast alles. Jahrzehntelang war Flugüberwachung eine Geschichte, die ausschließlich per Funk und manueller Positionsangabe funktionierte. Der Pilot flog, schätzte in etwa, wo er war und gab das per Funk durch. Zur damaligen Zeit, als man noch nicht sonderlich hoch flog und im Himmel (und auf den Flugplätzen) nicht sehr viel passierte, war diese Methode recht brauchbar.

Die Erfindung des Radars verbesserte diese Situation dann schon gewaltig, denn nun konnten Flugsicherungen und Flughäfen tatsächlich schauen, was da oben im Himmel und unten auf dem Vorfeld tatsächlich passiert und das eben auch bei schlechtem Wetter oder nachts. Eine Radaranlage strahlte ein Radarsignal aus und anhand des Echos ließ sich dann alles beobachten, was sich oben im Himmel befand. Freilich brauchte man immer noch zwingend den Sprechfunk, um das fliegende Fluggerät zu identifizieren, aber das drohende Chaos im Himmel verbesserte sich deutlich.

Moderne Flugsicherung funktioniert immer noch per Radar und Sprechfunk, ist aber in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert worden. Selbst Kleinflugzeuge senden mit einem Transponder ihre Flugkennung aus, so dass auch die Identifizierung vollautomatisch passiert. Der Sprechfunk freilich ist immer noch die absolute Autorität.

Die Schwierigkeit dieses Verfahrens: Die Flugsicherungskapazitäten per Sprechfunk kommen an ihre Grenzen. Moderne Flughäfen wickeln Starts und Landungen im Minutentakt auf mehreren Bahnen gleichzeitig ab und die dazu erforderliche Koordinierung zwischen Flugsicherung und Flugzeug muss derzeit ausschließlich per Sprechfunk abgewickelt werden. Einfach jedes Flugzeug auf einem eigenen Kanal abzuwickeln, wäre zwar theoretisch denkbar, fällt aber schon deshalb aus, weil es ja nicht ganz unwichtig für parallel fliegende oder nachfolgende Flugzeuge ist, was da so nebenbei passiert. Der Trend führt also unweigerlich dazu, dass immer mehr Automatismen tatsächlich elektronisch kommuniziert werden müssen. Das muss nicht bedeuten, dass nur noch Maschinen untereinander kommunizieren, aber so Ansagen wie das Sinken einer Maschine auf eine niedrigere Höhe oder ein Kurswechsel lassen sich auch elektronisch mit Codes übermitteln und bestätigen.

Ein erster Schritt in diese zukünftige Entwicklung nennt sich Automatic Dependent Surveillance (ADS), mit dem die Positionsangabe des Flugzeuges automatisiert wird. Ein entsprechend ausgestattetes Flugzeug ermittelt dazu seine Position anhand eines GPS-Empfängers und stellt diese Information zusammen mit Fluginformationen bereit. Mit drei verschiedenen Übertragungsmodi wird dann sichergestellt, dass die Flugsicherung davon erfährt.

Ein Übertragungsmodus nennt sich ADS-B, wobei das „B“ für Broadcast steht. Ein Flugzeug, dass einen ADS-B-Sender an Bord hat, strahlt sekündlich seine Position und seine Fluginformationen aus, die dann von Flugsicherungen empfangen und ausgewertet werden können – aber eben auch von Funkamateuren.

radarvirtuel.com macht nichts anderes als die Visualisierung der Positionsdaten, die Datenlieferanten in verschiedenen Regionen der Erde per ADS-B empfangen und an radarvirtuel.com übermitteln und das alles weitgehend in Echtzeit.

Ein Gedanke zu „Wo bist du, Flugzeug?

  1. Naja das ist eine nette Idee, aber mein Browser ist überfordert. Das Ding scheint in jeder Vergrößerung alle Flugzeuge mitzuverwalten und ich bekomme die Anfrage, ob ich das Java-Script stoppen will oder nicht.
    Ich habe fürs Internet eine alte w2k-tröte. Hier muss ich sagen: Nur mit modernen Rechnern nutzbar …

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