Warum muss es Skimming eigentlich noch geben?

Sehr praktisch bei einer Direktbank ist es, dass man auf sie wegen unsicheren Geldautomaten nicht schimpfen kann, weil sie in der Regel selbst keine betreibt. Das ist an sich dann auch das einzig gute an der Thematik des Skimmings, also dem Abgreifen von Karteninformationen von EC-/Maestro-Karten durch Gauner und das ausgerechnet dort, wo es eigentlich sicher zugehen sollte, nämlich an bzw. im Umfeld von Geldautomaten.

Ich bin da inzwischen bei einer recht deutlichen Haltung und sage, dass es Banken und Sparkassen den Gaunern immer noch so einfach machen, dass es eigentlich schon grob fahrlässig ist. Dass das Banken und Sparkassen ziemlich genau wissen, erklärt sich meiner Meinung nach unter anderem durch den Umstand, dass finanzielle Schäden durch Skimming weitgehend in der Stille reguliert werden.

Wenn ich mir aber Geldautomatenstandorte so anschaue, packt mich das kalte Grausen und gelegentlich auch die Wut. In der einen Bank steht der Geldautomat in der hintersten, dunkelsten Ecke des Vorraumes und hier soll der geneigte Geldabheber dann überprüfen, ob der Geldautomat manipuliert ist? In einer anderen Bank steht der Geldautomat direkt am Schaufenster zum zentralen Platz in Pforzheim. Will man das Geldabheben zu einem sinnlichen Erlebnis – nicht nur für sich selbst – machen?

Und dann schauen wir uns mal die Geldautomaten selbst an: Bei quasi keinem der üblichen Geldautomaten kann selbst ich, der von EDV und Technik nun doch etwas versteht, wirklich beurteilen, ob das Ding nun manipuliert ist oder nicht. Tastaturen und Kartenschlitze sind modular in ein Gehäuse eingebaut, aber derart ungeschickt und undurchdacht, dass ich nicht feststellen kann, ob das nun zum Gerät gehört oder nicht.

Dabei könnte man gerade hier sehr viel tun, in dem man beispielsweise alle Bedienelemente hinter einer Metallblende verbaut: Eine glatte Fläche, in der die Tasten versenkt sind und eine Kartenzuführung, die nur aus einem feinen Kartenschlitz besteht. Im Display könnte man so sehr deutlich den Benutzer darüber informieren, wie der Geldautomat im Normalzustand auszuschauen hat und man gefälligst die Finger davon lassen soll, wenn über dem Kartenschlitz oder der Tastatur irgendetwas übersteht.

Dutzende Ideen fielen mir ein, aber es interessiert leider niemanden. Die meisten Banken sind überraschenderweise höchst beratungsresistent, wenn der Informationsfluss von der Kundschaft zur Bank erfolgen soll und nicht umgekehrt. Gerade beim wichtigen Punkt des Geldabhebens, mit dem ich ja nicht Geld von der Bank hole, sondern mein Geld, halte ich das für eine zentrale Frage, warum ich einer Bank trauen sollte, die so schäbig mein Geld verwaltet. Ich glaube, dass man diese Diskussion inzwischen auf dieser Ebene führen muss, um überhaupt mal jemanden dazu zu bringen, sich diesem haarsträubend vernachlässigten Thema anzunehmen.

4 Gedanken zu „Warum muss es Skimming eigentlich noch geben?

  1. Grundsätzlich ACK. Aber auch die Benutzer der Geldautomaten sollten sorgsamer werden. Viele Modifikationen sind bestimmt nur schwer erkennbar, aber es kann nicht sein, dass es immer noch Bankunden gibt, die an der Foyertür ihre Pin-Nummer eingeben. So mal gesehen beim Kunden Test in dieser Sendung:
    http://www.youtube.com/watch?v=6eGG2O2bsyc

    1. Die Verantwortung einfach an die Automatenhersteller abzuwälzen, ist leicht, aber irreführend. Als Bankkunde ist mein Vertragspartner nicht der Automatenhersteller, sondern meine Bank. Die wiederum kann Druck auf Hersteller von Automaten machen – wenn sie wollte. Wir haben in Deutschland eine Reihe von mächtigen Bankenverbänden, wir haben eine Bankenaufsicht und wir diskutieren an diesem Thema seit Jahren herum, ohne dass sich irgendetwas fundamental verbessert und das Geldabheben mitunter so unsicher ist wie das Abholen und Nachhausetragen von Lohntüten.

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