re:publica 2010, Tag 3.

Der dritte und letzte Tag der re:publica 2010 war bei mir nicht ganz so besuchsproduktiv, wie die Tage davor. Das lag zum einen am leckeren Mittagessen und zum anderen auch daran, dass ab Mittag die Vorträge nur noch in der Kalkscheune stattfanden und der Laden schwer überlaufen war.

„Revolution im Kopf“ von Götz W. Werner

Götz Werner ist Chef der Drogeriemarktkette „dm“ und in seiner Freizeit Chefprediger der Bewegung für das bedingungslose Grundeinkommen. Und den Job kann der begnadete Menschenfänger extrem gut. Dank Flugausfälle eine Stunde später am Mikrofon zog er alle wichtigen Pro-Argumente für das bedingungslose Grundeinkommen aus dem Register – ohne Präsentationsfolien und auch ohne Vortragsvorlage.

Und zugegeben, seine Thesen klingen schwer widerstehlich gut, wenn man nicht einige Gegenargumente wegdiskutieren könnte. Da die „Revolution im Kopf“, wie er es so schön bezeichnete, keine Geschichte ist, die man eben mal so macht, kamen dementsprechend auch relativ wenig sinnvolle Fragen zustande, die man ihm hätte stellen können. Ich hätte zwar einige gehabt, aber ich habe ehrlich gesagt keine große Lust gehabt, ausgerechnet an meinem Geburtstag in Berlin auf der re:publica die große politische Diskussion anzuzetteln. Aber dennoch: Götz Werner ist sicherlich ein Mensch, der reden kann.

„This object cannot be liked“ von Miriam Meckel

Was Miriam Meckel, immerhin Professor Doktor, da eigentlich in ihrem unglaublich schnellen Vortrag sagen wollte, ist mir nicht so ganz klar geworden. Ich vermute, irgendetwas mit soziologischen Zusammenhängen und Netzwerken in virtuellen Räumen. Oder so. Selten habe ich mich in einem Vortrag quasi von der ersten Minute an so dumm gefühlt, wie in diesem Vortrag. Ich bin ja nicht unbedingt vollkommen auf die Nase gefallen, aber ich habe, wenn überhaupt, nur ein Viertel von dem verstanden, was sie sagte und ich habe mich angestrengt, war nicht angetrunken, hatte keine ablenkende Damenbegleitung dabei und auch kein Notebook. Vielleicht war allein schon diese Erkenntnis keine so schlechte Erfahrung.

„Medien hacken – Im Herz der Bestie“ von Victor Dornberger und Helmut Grokenfeld

In diesem amüsanten Vortrag gab es zunächst eine Erklärung über das so genannte Mediahacking, also der Vorgehensweise, klassische Medien auf falsche Nachrichtenfährten zu lenken. Wer jetzt glaubt, das kann man heutzutage nur mit Twitter & Co. machen, täuscht sich, denn in einigen Beispielen wurde erklärt, dass schon selbst so Dinge wie fingierte Pressemitteilungen, ein falscher (und eingeweihter) Ansprechpartner, eine unwiderstehlich gute Story und eine schlampige Gegenrecherche dazu führen kann, dass eine falsche Nachricht in Umlauf gerät.

Das Gegenteil sind dann so Sachen wie der Skandal im ehemaligen Magazin „polylux“, in dem ein fingierter Darsteller angab, mit der Droge Speed abnehmen zu wollen und ihm das wohl auch soweit gelingt und gut bekommt. Interessanterweise funktionierte dieser Hack aber nur, weil die Redaktion in einschlägigen Foren Interviewpartner suchte, die zum Thema Speed und Stressabbau etwas sagen konnte. Bevor solcher Mist gesendet wird, gehört es also immer mindestens zwei Augen, meist aber noch viel mehr, die diesen Mist nicht richtig kontrolliert haben, bevor er über den Sender läuft.

Ein Fazit zur re:publica?

Hat Spaß gemacht! Viele Bekannte und neue Leute getroffen, viele gute und interessante Vorträge, die gottlob nicht alle mit Bloggen, Twitter oder Facebook zu tun haben, sondern auch mal andere Themen, modernes Leben und auch einfach mal ganz andere Dinge beleuchten. Ob man jetzt beruflich etwas mitnehmen kann, sei dahingestellt. Sicherlich ist es gerade auf einer so ungezwungenen Konferenz wie der re:publica extrem einfach, Kontakte zu finden, die auch tatsächlich etwas draufhaben und nicht einfach nur „Consultant“ sind.

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