Thomas Satinsky wird geschäftsführender Verleger der Pforzheimer Zeitung.

Das Personalkarussel der Pforzheimer Zeitung hat sich nach dem Weggang des Chefredakteurs Jürgen Metkemeyer eine Zeiteinheit weitergedreht. Und das fürwahr überraschender, als erwartet, denn die bisherige Interims-Chefredaktion übernimmt die Chefredaktion dauerhaft und als geschäftsführender Verleger kommt ab 1. Februar 2010 Thomas Satinsky ins Verlagsboot, was bedeutet, dass der bisherige Verleger Albert Esslinger-Kiefer die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Der Name Thomas Satinsky ist nämlich sicherlich ein Name, der in Pforzheim im Zusammenhang mit der Pforzheimer Zeitung nicht unbekannt ist, war er doch von 1998 bis 2005 Chefredakteur, bis er im Jahre 2005 zum Südkurier nach Konstanz wechselte. Dort war man mit dem Thema Online schon von Anfang an erheblich weiter und traute sich auch an größere Dinge heran, beispielsweise einem eigenen Online-Dienst, einer erheblich breiteren Berichterstattung im Web und stärkeren interaktiven Elementen. Sicherlich hinkt der Vergleich unter anderem deshalb, weil der Südkurier schon seit 1980 zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehört und dahinter ganz andere Erfahrungsschätze stehen.

Wenn ich mal so die spontane Online-Konferenz der Pforzheimer Bloggeria richtig deute, schätzen nicht nur ich die Rückkehr von Thomas Satinsky zur Pforzheimer Zeitung als eine Art dringend notwendige Notbremse ein. Die IVW-Zahlen für die Auflagenstärke des vierten Quartals 2009 sind zwar noch nicht draußen, allerdings braucht es nur wenig Phantasie dazu, zu befürchten, dass die zuletzt dramatisch abstürzende Zahl der Abonnenten gerade so weitergeht. Eine sichtbare Online-Strategie lässt sich nach Jahren kaum ausmachen, von Versuchen einer Art „Online-Ausrichtung“ ganz zu schweigen. Vergeudete und kaum wiedergutzumachende Jahre, denn je länger eine Zeitung sich den Tatsachen des Medienwandels verschließt und je länger Abonnenten einer Zeitung den Rücken kehren, desto schlechter.

Ein Gedanke zu „Thomas Satinsky wird geschäftsführender Verleger der Pforzheimer Zeitung.

  1. Zu den fallenden Abo Zahlen kommt ja noch hinzu, dass immer weniger Leute bereit sind, in der Regionalzeitung zu inserieren. Wohnungen laufen heute über den immobilienscout, Autos über autoscout etc etc. Auch Firmen suche neue Mitarbeiter über die diversen Job-Portale. Und mit 200 Euronen für eine Todesanzeige ist die PZ dann doch nicht zu halten.

    Ich gebe den Regionalblättern in dieser Form noch 10 Jahre, dann werden sich
    Aufwand und Ertrag nicht mehr rechnen. Die Energieexperten schlagen doch die Hände über dem Kopf zusammen. Baum fällen, ab in die Papierfabrik, Transportwege, Druckkosten, Auslieferung – einmal kurz lesen – um am nächsten Tag vielleicht noch den Fisch darin einzuwickeln.

    Auch das Online Portal wird weiterhin vor sich hin dümpeln. Solange spiegelonline und süddeutsche kostenfrei die Marschrichtung vorgeben, zahlt doch niemand für die Meldung vom umgefallenen Reissack in Hohenwart. Der Nachrichtenwert frühstückender Redakteure, hilflos interviewender Volontäre und vor sich hin bruddelnder Pforzheimer ist
    doch eher etwas für die Rubrik „Verstehen Sie Spaß“

    Viele haben zudem durchschaut, dass ein Regionalblatt mit seinen Abhängigkeiten von
    Anzeigenkunden absolut nicht zur kritischen Berichterstattung taugt –
    die kleine „kritische Masse“ in Pforzheim zieht ihre Nachrichten längst aus
    anderen Quellen. Die Nichtleser-Masse wächst durch verschiedene Faktoren Jahr für Jahr.
    Nur ein Beispiel:

    Den gut verdienenden Mediengurus ist die finanzielle Situation tausender Pforzheimer
    Familien überhaupt nicht bewusst. In einer Stadt, in der fast 17 Prozent aller Kinder
    an oder unter der Armutsgrenze leben, ist ein Abo für 25,50 Euro absoluter Luxus.

    Zumal sich die große Gruppe der Hartz IV Empfänger überhaupt nicht in dem Medium
    wieder findet. Warum sollen die 11 116 Personen dann das Blatt überhaupt aufschlagen –

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