Showdown, zweiter Teil.

Der Showdown von gestern hat sich dann doch etwas überraschend gelöst – der Systemberater hat das Problem wohl erkannt, die zweite Domain, die im TRANSIT war, aus dem TRANSIT zu seinem Provider gezogen, gleich auf Anhieb korrekt konfiguriert und so lief das dann gestern Abend noch. Da hofft man doch, dass die Aha-Effekte, die da wohl gestern jemand gehabt haben muss, auch noch lange anhalten.

Zumindest die Strategie habe ich jetzt kennengelernt, die der Systemberater (und “Systemberater” schreibe ich nur aus Kulanzgründen) bei seinem Neukunden verfolgt: Er hostet ihn bei seinem Provider und verdient da vermutlich den ein oder anderen Euro, den er auf die Preise draufschlägt, die er als Partner bekommen wird.

Ein Scheißgeschäft und das sage ich als jemand, der bei einem ISP arbeitet. So Geld zu verdienen, ist zwar vermeintlich einfach, aber im Grunde genommen hat man als Partner nur wenig davon, wenn der Provider im Massengeschäft tätig ist, denn für so einen Discounter ist ein Partner, der nicht mindestens einen fünfstelligen Umsatz im Monat ins Haus bringt, nichts als eine Nummer von vielen. Die Argumente, dass nur die großen Provider zuverlässige Dienste hosten können, sind schon längst vorbei – ganz das Gegenteil ist der Fall: Gerade kleinere Provider bringen die notwendige Flexibilität mit, im Ernstfall auch Dinge zu bekommen, die personal- und zeitintensiv sind, beispielsweise der schnelle Zugang zur eigenen Hardware.

Das könnte man ja noch alles verschmerzen. Viel schlimmer ist aus meiner Sicht, dass solche Partnerprogramme mit Standardprodukten gerade kleine Hobby-Consultants dazu beflügeln, bei Kunden den größten Quark zu erzählen und technische Mittelmäßigkeit als State-of-the-art zu beschwören. Etwas zu verkaufen, weil es nicht gut ist, sondern billig, das ist keine Kunst, das macht jede Putzfrau so.

Um bei meinem Patienten zu bleiben: Er hat sich darüber aufgeregt, dass wir dem Kunden einst einen Exchange-Server aufgedrückt haben. Aus seiner Sicht völliger Overkill und viel zu teuer. Mit sowas kann man auch als bescheiden begabter Systemberater bei einfachen Kunden Eindruck schinden.

Dazu folgendes:

  1. Der Kunde hat keinen Exchange-Server bekommen, sondern einen Small-Business-Server, der auch einen Exchange-Server beinhaltet. Der SBS ist für kleine Unternehmen gedacht, im Vergleich auch viel günstiger, als ein einzelner Exchange und ideal für den Betrieb auf einem einzigen Server, für den er im übrigen auch nur lizenziert ist.
  2. Der Kunde hat mit einem Exchange-Server E-Mail und das dann auch richtig, nämlich direkt per SMTP. Wenn er jetzt noch eine Internet-Anbindung mit einer festen IP-Adresse hat, kann er seinen Server so betreiben, wie die SMTP-Architekten das einst mal erdacht hatten, nämlich direkt am Internet. Das hat Zeitvorteile, man ist unabhängig von hostenden Providern und muss das Mailarchiv nicht auf der Arbeitsstation sammeln, sondern kann das dem Server überlassen.
  3. Mit einem Exchange-Server hat der Kunde darüber hinaus noch die Möglichkeit, etwas zu nutzen, was man zugegebenermaßen verstehen und auch richtig verkaufen muss: Collaboration. Gemeinsame Kalender, zentral verwaltete Adressbücher, delegierbare Aufgaben, generische Postfächer. Das sind Dinge, auf die man selbst in einem Zweimannbetrieb nicht verzichten mag, wenn man mal in den Genuss solcher Annehmlichkeiten gekommen ist.

Nein, nicht so hier, der Exchange-Server kommt weg. Tatsächlich. Dabei ist er noch nicht mal kaputt oder besonders langsam, sondern er kommt einfach weg, weil der Systemberater die Losung verkündet hat, das sei Overkill.

Das ist alles so das Ergebnis der ständigen Kundenverdummbeutelung, die seit Jahren erfolgreich grassiert und auch Hobby-Consultants befallen hat – wir nehmen den Discountmist, den es bei den Discounthostern als Massenware gibt und verkaufen ihn als Innovation, der Rest, den es in der Welt gibt, ist dann halt einfach als Dreck zu verteufeln. Im einfachen Fall sind das dann eine Horde von Mailaccounts, die dann beim Provider liegen und in die sich dann jeder Mitarbeiter jeden Morgen von der Ferne aus einzuloggen hat und in grandiosen Spezialfällen so Kunstwerke wie Exchange-Server, die nicht per SMTP ihre Mails direkt bekommen, sondern alle paar Minuten per POP3 vom Provider ziehen müssen – und der Systemberater verkauft diese Katastrophe dann auch noch mit Sicherheitsaspekten. Ich nenne es Blödheit und kalkulierte Bevormundung des Kunden.

Um es in sehr einfachen und sehr deutlichen Worten zu sagen: Wer als Unternehmen keine eigene Maillösung nutzt, hat nicht begriffen, dass E-Mail und eine vernünftige Collaborationsoftware in erster Linie ein Produktivitätswerkzeug innerhalb eines Unternehmens sein kann und mitnichten viel Geld kosten muss, wenn man etwas länger als bis zum nächsten Monat denkt.

Aber da kannste dir gelegentlich sowas den Mund fusselig reden, da ist es manchmal besser, diskret wegzuhören, wenn man das Geseier hört, mit dem ein Wettbewerber das goldene Los gezogen hat.

8 Gedanken zu „Showdown, zweiter Teil.

  1. Klar kann ein Exchange-Server (gerade in der Ausführung Small Business Server) für eine Firma zu groß sein. Die haben dann einen Schreibtisch und der Kalender hängt in Griffweite an der Wand und alle Kontakte sind im Rolodex. Und es wird auch nur gefaxt…

    Ich wette, mit der jetzigen Lösung wird die Firma nicht glücklich.

    Zumal… Was machen die mit dem SBS bzw. Exchange-Server? Die Software ist ja nicht gemietet sondern gekauft, das Geld ist also bereits ausgegeben…

    Ich bin recht sicher, der Kunde wird mit dieser Lösung nicht auf Dauer glücklich werden…

    1. Das witzige ist ja, dass sie den Exchange-Server ja eigentlich schon stark nutzen, denn sie haben mindestens ein gemeinsam verwaltetes Adressbuch. Ich bin gespannt, was passiert, wenn der PC mit dem Adressbuch, der das dann nach der Exchange-Ära lokal verwaltet, abkachelt und das Adressbuch in die Ewigen Jagdgründe hinüberwechselt.

      1. Ich habe da eine Vermutung… Der „Systemberater“ wird dann über alle Berge sein.

        Oder irgendeine Ausrede finden, warum er mit der Sache nichts zu tun hat und erst recht nicht verantwortlich sein kann.

        Ich wette, sobald der Kunde bemerkt, daß er sich gerade deutlich ‚verschlimmbessert‘ hat, ist er leichte Beute für Profis, die wissen, was sie tun und warum.

  2. Wie ich es liebe wenn Systemberater ihre Wissenddefizite in Serverstrukuren auf diese Weise zu vertuschen versuchen.

    Ich frage mich wie die Knalltüte die für Unternehmen verpflichtenden Sicherungen der Datenbestände duchführt… vermutlich kommt der jede Woche vorbei und sichert die PST händich im Explorer auf Laufwerk D des gleichen Rechners.

    😀

    KOPF -> TISCH

  3. ähnliche kommentare habe auch ich von meinem „Systemadmin“ bekommen. Mein Problem indes ist nicht gelöst. Ich habe mich zu einem OX_exchange server überreden lassen und noch einen rechner in einem rechenzentrum angemietet wo auch meine domains gehostet werden. ich bin mit dem exchange server sehr unzufrieden, da er keine Möglichkeit bietet datenbanken anzulegen und/oder Kontakte zu Gruppen zusammen zu führen um newsletter etc. zu versenden. Es müssen 3 Bürostandorte mit ca.6 Mitarbeitern sowie ebensoviele notebooks darauf zugreifen können, mit verschiedenen rechten selbstverständlich.
    Als Nicht-IT Mensch würde ich auf einen oulook exchange server zurück greifen wollen. Würde der „Standard“ genügen oder was empfehlt ihr……
    ein kurzes statement aus berufenem mund würde mich freuen…….

    1. Keine Ahnung, was „OX_exchange“ ist und einerseits schreiben Sie, dass Sie kein Exchange haben möchten, aber sich dann doch „Outlook Exchange Server“ interessieren. Exchange-Server ist Exchange-Server und Outlook ist nur ein Client, der auf diesen zugreift.

      Bei der Frage, ob man einen Exchange-Server nutze möchte, stellen sich drei grundsätzliche: Ist man ein großes Unternehmen, lizenziert man einen Exchange-Server. Ist man eher klein (in dem Falle wohl so), dann sollte man überlegen, ob evt. ein Small Business Server von Microsoft in Frage käme, der enthält den Exchange-Server. Beide Varianten setzen voraus, dass man einen Server bei sich im Hause betreiben möchte, dazu gehört natürlich dann auch eine Firewall-Absicherung und eine VPN-Lösung für die Außenstellen.

      Will man das alles nicht, kann man sich umschauen nach einer gehosteten Exchange-Lösung, d.h. ein Provider übernimmt das Hosting des Exchange-Servers, den man dann dafür bezahlt, dass er Exchange-Konten in gewünschter Zahl zur Verfügung stellt.

  4. ich will auch ein externer Berater sein. Ich glaube ich mach das so. ich nehme meine ganze Erfahrung die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, werfe davon 90 % in den Müll, dann klappt das sicher auch mit der Beratung. 🙂

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