Das Konzept der Zeitungsmacher ist da.

Und ich habe mir wirklich an den Kopf machen müssen. Dass ausgerechnet auch noch die Rhein-Zeitung im Kreise der Planer ist, lässt mich erschüttern, denn immerhin ist die Rhein-Zeitung aus Koblenz einer der Zeitungen im Land, die das Thema Internet sehr früh und pragmatisch angepackt haben.

Also, wie sieht der Plan aus? In Augsburg trafen sich eine Reihe von Vertretern von Zeitungen, die sich von einem Unternehmen namens Marktwert IT ein Konzept haben vorstellen lassen. Marktwert IT ist, laut der Beschreibung auf der eigenen Homepage, offenbar unter anderem spezialisiert auf Anwendungen auf Smartphones.

Sich bei der Augsburger Allgemeinen zu treffen, lässt übrigens auch tief blicken, denn die Augsburger Allgemeine – bzw. ein Unternehmen namens “Newsfactory” aus dem Umfeld der Augsburger Allgemeinen – ist Dienstleister für andere Zeitungen und Lieferant eines Content Management Systems namens “redFACT”, das von vielen kleineren Zeitungen eingesetzt wird.

Jedenfalls trifft man sich so da und berät ein Konzeptpapier, das W&V vorliegt und das folgende Eckpunkte hat:

  • Das iPhone sei mit vier Millionen Stück das meistverkaufte Handy [Anmerk. des Autors: Huh?] und 98 Prozent der Nutzer würden mit diesem Gerät im Internet surfen. Durchschnittlich geben iPhone-Nutzer nach einer Studio von AdMob 9 Euro monatlich für iPhone-Apps aus.
  • Marktwert IT habe eine eigene App namens “NewsPush” (Bilder von der App gibt es im Blog von Marian Semm), in der die teilnehmenden Verlage Artikel in ihrem Namen anbieten können sollen, selbstverständlich nicht kostenlos. Der Kauf eines einzelnen Artikels solle 79 Cent kosten, darüber hinaus gäbe es dann Möglichkeiten, eine vertretene Zeitung in der App auch wochen- oder monatsweise zu abonnieren. Laut den Screenshots stellt man sich für ein Wochenabo 1,59 Euro vor, für ein Monatsabo 7,99 bis 8,99 Euro. (Kann freilich viel, muss aber auch nichts heißen.)
  • Die Einnahmen werden geteilt, 30 % erhält Apple, 20 % der Anbieter der App, also Marktwert IT, und 50 % der Verlag, von dem der Artikel bzw. das Abo stammt.
  • Pro Verlag stellt man sich einen TKP (Tausender-Kontakt-Preis, also Umsatz pro eintausend Kontakte) von 320 Euro vor und hält eine Zahl von eine Million Downloads bis Ende 2010 für machbar.

Ich lasse das mal alles so dahingestellt und verkneife mir jeden weiteren Kommentar, um die Partystimmung nicht zu stören. Ich habe mir ja schon an den Kopf gefasst. Thomas Knüwer hat herzlich gelacht, aber ich kann über sowas nicht mehr lachen. Sehen die denn alle tatsächlich den Eisberg nicht, auf den sie schon längst draufgefahren sind?

2 Gedanken zu „Das Konzept der Zeitungsmacher ist da.

  1. Ja, die Sache mit dem Eisberg. Ich habe leider nichts übrig dafür, die sicher im Großen und Ganzen stimmigen Argumente von Jarvis und Co. wiederzukäuen. Ich versuche es hier aus Verlagspersepektive zu beleuchten. Und mir ist Paid Content allemal lieber als No Content oder Trash Content…

    Marian Semm

    1. Das Problem ist: Das Pferd namens „Paid Content“ führt in die Wildnis namens „No Content“. Ich bin soweit Realist, dass ich glaube, dass Menschen für nichts Geld auf den Tisch legen, was sie woanders günstiger bekommen können.

      Oder mal ganz direkt gefragt: Mich interessiert an meiner Tageszeitung eigentlich nur der Lokalteil. Sport ist nicht mein Ding und der allgemeine Teil einer Tageszeitung ist für meine Konsumrate an Nachrichten veraltet. Für letztendlich vier bis sechs Seiten Lokalteil zahle ich im Monat schlappe 22,80 Euro. Das ist, wenn man so will, purer Luxus.

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