Der TV-Duell-Verlierer des Abends: Das ZDF.

Man könnte ja eigentlich meinen, dass sich an so einem Abend keiner der vier größten Fernsehsender, die sich gemeinsam 90 Minuten der allerbesten Sendezeit für das Kanzlerduell teilen, einen Schnitzer erlauben würde. Man hat es schon einleitend mit dem Gleichmut in der Form übertrieben, dass man gleich vier Moderatoren auf die zwei Kanzlerkandidaten losgelassen hat, bei denen man konstatieren muss, dass die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender, Frank Plasberg für die ARD und Maybrit Illner für das ZDF, ein durchweg peinliches Bild gemacht haben. Wenn ARD und ZDF tatsächlich geglaubt haben, mit diesen beiden Spitzenkräften – zumindest von der Entlohnung her – Fernsehzuschauer von den Privaten wegzulocken, dann war es der klassische Griff ins Klo. Frank Plasberg glänzte vor allem durch spektakulär schlechte Einleitungen, in denen er mal schnell im Nebensatz die zu fragende Person mit einem Tiefschlag begrüßte und setzte dann dümmliche Fragen. Maybrit Illner kam erst gar nicht so weit, da sich die einzige Dame des Feldes höchst anschaulich mit sich selbst beschäftigte und ständig damit beschäftigt war, die eingeleiteten Nebensätze wieder so auszuleiten, damit die Kommazahl ihres Satzes am Ende durch sieben teilbar war.

Nein, darüber muss man nicht diskutieren, das ist weitgehend das, was man von den hochbezahlten Granden des politischen Talkshowismus im deutschen Fernsehen derzeit erwarten kann. Über was man diskutieren muss, ist das, was das ZDF unmittelbar nach dem TV-Duell als Nachberichterstattung auf den Sender brachte.

Das fing schon mal mit der Sofortanalyse der nun wirklich unbestechlichen Bettina Schausten an, die sich Heribert Prantl und Helmut Markwort an den Tisch hat drapieren und analysieren lassen. Der einzige Höhepunkt kam gleich zu Beginn, als Heribert Prantl, Leiter der Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, sofort in seiner Analyse konstatierte, dass im TV-Duell Frank-Walter Steinmeier deutlich mehr gepunktet hat, als Angela Merkel und das sehr anschaulich darlegen konnte. So anschaulich, dass er sein offenbar ehrlich empfundenes Staunen gar nicht gut genug in Worte verpacken konnte. Für jegliches Kontrastprogramm gut ist Helmut Markwort, seit gefühlten 150 Jahren Chefredakteur des FOCUS, der seinerseits analysiert haben wollte, dass Merkel und Steinmeier gleichwohl maximal nur auf ein Unentschieden kommen.

Dazwischen gab es dann kurz ein Stimmungsbild aus der Gesellschaft in den Studios in Berlin, mit dem clever eingestreuten Hinweis, dass unter den vielen Besuchern, die das TV-Duell vor Ort im Nebenstudio beobachteten, eine Menge Spindoktoren weilen dürften, die jetzt die Meinungen ihrer jeweiligen Kandidaten bei den Journalisten vor Ort in die jeweils korrekte Richtung drehen dürften.

Nun, da sprechen zuerst einmal Profis, aber was denkt denn der Wähler in der Peripherie, hat man sich beim ZDF wohl gedacht und gar feines vorbereitet. Nämlich zunächst einmal eine Schaltung in ein Krankenhaus und dort in eine Geburtsstation, wo als allererste Nachricht verkündet wurde, dass während dem TV-Duell ein Kind geboren wurde. (Glückwunsch übrigens, auch von mir!) Die zweite Kamera des Krankenhaus-Teams hatte sich da schon im Wartebereich warmgelaufen, damit die Moderation flux dorthin flitzen und Patienten im Bademantel darüber befragen konnte, wie denn im Anbetracht ihrer jetzigen Umstände und Erfahrungen im Gesundheitssystem ihre Meinung zu diesem TV-Duell sei. Es mag kaum erstaunen, dass in diesen Sätzen nichts wirklich verwertbares herauskam.

Danach ging es, so glaubte man wohl beim ZDF, so richtig JWD, also nach Janzweitdraußen, nämlich ins „Schwäbisch“, nach Aalen und dort zur Belegschaft eines Maschinenbauunternehmens. Deren Belegschaft befindet sich in Kurzarbeit, was den ZDF-Landesstudioleiter Rudolf Rauschenberger nicht davon abhalten konnte, zwei Arbeiter danach zu fragen, ob sie denn jetzt nach dem TV-Duell Perspektiven für ihre eigene Existenz sehen würden. Das war zumindest von Rauschenberger eine geniale Fragestellung, denn beide Arbeiter waren derartig perplex, dass sie ebenfalls nichts wirklich verwertbares zustandebrachten.

Das konnte Rudolf Rauschenberger so wohl nicht stehen lassen und nun kommt etwas, was man als selbstverursachtes Medienhacking bezeichnen könnte – Rauschenberger ging zu einer Führungskraft und fragte den Herren mit gepflegtem Schnauzbart, wer den seiner Meinung nach als Sieger aus dem TV-Duell hervorginge. Große Überraschung: Der Befragte war ebenfalls weitgehend überfordert, tat aber genau das, was jede Führungskraft im Schwäbischen, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch honorables Mitglied der CDU ist, tut: Es jubelt über die eigene Parteifreundin. Zwar nur wenig beherzt und in keinem wirklich zusammenhängenden Satz, aber immerhin so deutlich, dass Rudolf Rauschenberger offenbar nach dem dritten angefangenen Satz einen diskreten Hinweis ins Ohr bekam und den Gesprächspartner einfach mal mitten im Satz stehenließ und wieder nach Berlin zu Bettina Schausten delegierte.

Es ist nicht so, dass man Fernsehen pauschal schlecht machen muss, wenn man versucht, ein gutes Programm zu machen. Man kann es aber durchaus und das ZDF war heute darin der absolute Sieger.

4 Gedanken zu „Der TV-Duell-Verlierer des Abends: Das ZDF.

  1. Guter Artikel! Und ergänzend: so ein TV-Duell wird nicht nur durch die beiden Protagonisten bestimmt, sondern ganz wesentlich auch durch die Kommentatoren. Vier Selbstdarsteller im Regelwerk der Öffentlich-Rechtlichen und Privaten – das konnte nicht gut gehen.
    Und zur Frage Duett oder Duell: von Berlin nach Dortmund nimmt der geneigte Autofahrer die A2. Da können noch so viele Journalisten kommen, aber weder Merkel noch Steinmeier werden bei den Problemen dieser Zeit über Hamburg fahren, nur damit es dann zwei unterschiedliche Positionen gibt.

  2. Großkoalitionäre Soße im TV-Duell…

    Eigentlich hatte ich mir für diesen Artikel vorgenommen ein wenig ausufernder zu schreiben um meine Kritik am gestrigen TV Duell darzulegen. Nico Lumma ist mir an dieser Stelle zuvor gekommen, und beschreibt ziemlich gut was auch mir an diesem “…

  3. Die Merkel und der Steini. Hach, das war ja ein Kuschelkonzert was die beiden uns da in ihrem *räusper* Duell abgeliefert haben. Meine Tendenz geht zu Steini, aber auch nur, weil er immer so süß gelächelt hat ;).

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