R.I.P. Ted Kennedy.

Ted Kennedy war für mich als “Außenstehender” der USA immer nur eine Figur, die man einmal im Geschichtsunterricht kennenlernte, als es um John F. Kennedy ging und er, Ted Kennedy, derjenige der Kennedy-Gebrüder ist, der noch lebt. Dabei ist diese “außeramerikanische” Feststellung so ziemlich die haarsträubenste, die man über diesen Menschen machen konnte.

Denn Ted Kennedy ist sowas wie ein Teddybär der US-Senats gewesen, auf dessen Stimme jeder horchte, selbst wenn er das nicht wollte oder aus politischen Gründen sollte. Ted Kennedy sprach gerade in den letzten Jahren als jemand in der US-Politik, der sich solche Äußerungen, die nicht immer im Sinne der Demokraten waren, bequem leisten konnte.

Die Gesundheitsreform sollte sein letztes, großes Thema werden, in der er sich noch voller Überzeugung hineinwarf. Und das grundsätzlich zu einem Thema, über das wir in Deutschland nur lachen können und uns einmal dringend überlegen sollten, wo wir stehen: Krankenversicherung für jeden.

Seine historische Rede im August letzten Jahres vor der National Convention der Demokraten in Denver war dann schon ein Stück politische Magie, bei der dann selbst mir die Tränen in der Nacht live am Bildschirm liefen, obwohl ich mit amerikanischer Innenpolitik ja nun wirklich herzlich wenig am Hut habe. Ich habe aber bis dato noch nie eine so gut gemachte Inszenierung für einen altgedienten Parteimenschen gesehen, wie hier:

Auch wenn das natürlich letztendlich alles Wahlkampf war – man nehme sich so einen Menschen, mache einen Kongress, mache über ihn einen verhältnismäßig günstig und hochemotional gemachten Einspieler und lasse ihn eine relativ belanglose Rede halten, in der er den Präsidentschaftskandidaten huldigt, wenn auch offenbar sehr ehrlich. Das lässt die Erde beben, nichts anderes.

Und dann schaue ich mir zur Abwechslung mal das an, was YouTube – die Maschine ist halt dumm – mir dann noch unmittelbar zu obigem Lehrstück empfiehlt:

Nein, ich mag es nicht kommentieren. Ich wüsste allerdings, so ehrlich muss ich sein, derzeit auch keine andere Partei im Lande, die einmal ehrlich und wirkungsvoll mit dem Thema Emotionen in der Politik umgehen würde. Dabei, und da bin ich nochmal sehr ehrlich, finde ich Emotionen in der Politik gar nicht fehl am Platze. Man muss sie sorgfältig dosieren und den schmalen Grad zwischen positiver Wirkung und Peinlichkeit unverschämt genau beachten, das ist die Kunst.

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