Wir machen dann mal Online-Wahlkampf, nicht?

Das wird sich wohl die Wahlkampftruppe um die OB-Kandidatin Christel Augenstein gedacht haben, als sie nun heute mit dem Bloggen angefangen haben, mit zwei rückdatierten Artikeln aus den Wochenenderlebnissen einer Oberbürgermeisterin („Mein erlebnisreicher Sonntag“) und vom „Jahrmarktschießen mit Familie“ – das hinten dreingrinsende Wahlkampfteam war wohl zufällig auch auf der Mess‘. Mangels eigenem Blog veröffentlicht unter „Aktuelles“.

Alles heute. Fünf Tage vor dem zweiten und entscheidenden Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl Pforzheims. Ich muss zugeben, ich habe geweint vor Lachen. Und ich fühle mich auch ein kleinwenig beleidigt, denn immerhin bloggen wir mit unserem OB-Kandidaten Gert Hager schon seit sechs Monaten, rechneten quasi jeden Tag damit, dass die Gegentruppe nun endlich mal in ihr Online-Campaigning einsteigt – und nichts passierte. Betonung auf „nichts“: Es gab bis vor kurzem noch Tage im heißen Wahlkampf, da war der älteste Artikel auf ihrer Website zehn Tage alt und der Terminkalender leer.

In Sachen Online-Campaigning gibt es zwei Fehler: Es entweder stümperhaft zu betreiben und dann noch kurz vor der Wahl in Aktionismus auszubrechen und krampfhaft zu versuchen, verlorenen Boden wiedergutzumachen. Fehler Nummer 1 existierte schon von Anfang an und Fehler Nummer 2 kommt offensichtlich nun. Garniert wird das mit den schon bisher aufgefallenen Lächerlichkeiten wie dem kläglichen Versuch, authentisch zu schreiben, mit einer halbwegs korrekten Rechtschreibung und mit einer wenigstens nachvollziehbaren Kommasetzung. Wenn man schon das Ich-Paradigma verwendet, sollte man dem schreibenden Knecht, der sich da dann abends die „erlebnisreichen“ Geschichtchen ausdenkt, erklären, dass seine Rechtschreibfehler automatisch die der Person sind, für die er schreibt.

Das für mich ärgerliche: Sie hätten nur bei uns abgucken müssen. Wir haben zuerst angefangen und haben von Anfang an alles online begleitet, was es zu verwerten gab. In der Zwischenzeit ist es so viel, dass eine Auswahl getroffen werden muss, aber: 200 Artikel bis heute und 25.000 Besucher im Monatsdurchschnitt. Bei einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern. Das ist Online-Campaigning.

Und da kommt die armselige Truppe der Gegenkandidatur fünf Tage vor der Wahl angewackelt und beginnt mit dem Pseudobloggen…

3 Gedanken zu „Wir machen dann mal Online-Wahlkampf, nicht?

  1. In diesem Fall kannst Du doch froh sein, daß ein Politiker das Internet mit all seinen Möglichkeiten nicht verstanden hat.

    Stell Dir vor, die andere Seite hätte Kompetenz gezeigt und eine professionelle Online-Kampagne genutzt, wäre Dir bestimmt auch nicht recht, oder?

  2. Auch benutzt sie das Stadtwappen in einer Art, dass man im ersten Moment den Eindruck bekommt, es handle sich um eine amtliche Webseite der Stadt. Irgend ein Anwalt hier, der das mal abmahnen will? Nee nee, laßt bleiben, war Spass!

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