Wahlkampfverlängerung.

Offenbar waren wir so gut, dass wir nochmal ran dürfen. Die OB-Wahl in Pforzheim hat sich am Sonntag deutlich zum Positiven für den von mir unterstützten Kandidaten Gert Hager gewendet, immerhin fuhr er 43,8 Prozent der Stimmen ein, während die Amtsinhaberin 40,4 Prozent holte. Da für einen Sieg im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit notwendig ist, hat damit erst mal keiner gewonnen und es kommt auf einen zweiten Wahlgang in drei Wochen an. Hier gewinnt derjenige mit einer relativen Mehrheit – wer die meisten Stimmen hat, wird OB. Das heißt für uns als unterstützendes Team für Gert Hager, dass wir demnach Verlängerung haben. Mit diesem Vertrauensbonus kann man da sicherlich etwas anders herangehen, wobei wir von Übermut weit entfernt sind. Hochmut kommt vor dem Fall, deshalb machen wir jetzt einfach weiter.

In Sachen Online-Campaigning: Die letzten drei Tage vor der Wahl und der Wahlsonntag selbst waren der absolute Wahnsinn in Sachen Zugriffszahlen. Das hat meine lange gehegte Vermutung, dass sich Wähler erst in den letzten Tagen und Stunden entscheiden und dann im Zweifelsfall auch die Websites der Kandidaten zum Vergleich nehmen, voll bestätigt. Und das Hübsche dabei ist, dass ein monatelanger Vorsprung an Content hier Gold wert ist. Wir haben rund achtmal mehr Artikel, als die Amtsinhaberin und ungefähr zehnmal mehr an Fotos. „Content kills“ und ab einer gewissen Masse springt dieser Reaktor von selbst an und zündet. Und wenn man seine Hausaufgaben gut gemacht hat, läuft dieser Reaktor bis zum Wahltag unaufhaltsam und uneinholbar. Da macht dann auch eine Verlängerung nicht viel aus, die Online-Wahlkampfbegleitung geht einfach nahtlos weiter. Der Coup übrigens, dass Gert Hager auf meine Empfehlung hin einen eigenen Wahlaufruf an Besucher richtet, ist schamlos von Barack Obama geklaut. 😉

Das allein wäre es nicht gewesen, aber es kam etwas, was so wertvoll ist, dass man davon in größeren Zahlen zutiefst gerührt ist: Feedback von Wählerinnen und Wählern. Zustimmung zur Kampagne, Glückwünsche, Lob, Anregungen, Nachfragen, Hinweise auf Rechtschreibfehler (!), Angebote zur Mitarbeit. Und das zum größten Teil von Menschen, deren Namen selbst im näheren Dunstkreis des Wahlkampfteams neu sind, die also demnach komplett über Online zur Kandidatensphäre gefunden haben. Am Anfang hatte ich noch die Befürchtung, dass ich mich mit meiner Bitte an den Kandidaten, Feedback möglichst rasch zu beantworten, lächerlich mache. In der Zwischenzeit gehört das zu einem festen Arbeitsposten von ihm, den er sich nicht nehmen lässt. Und ich glaube fest, dass das einen modernen Politiker auszeichnet.

Wer als Leser oder auch als Schreiber dieses Medium nutzt und entwaffnend einsetzt, Augen und Ohren aufmacht und das Kampagnen-Weblog als Kommunikationsplattform sieht, nicht einfach nur als Bewegtbildausgabe des Wahlkampfprospektes, der kommt der Magie sehr, sehr nahe und findet sich plötzlich sehr schnell in der Erkenntnis, dass das Wahlkampf-Weblog weniger Arbeit macht, als es Faszination zurückliefert.

Was bin ich froh, dass ich mit Gert Hager einen OB-Kandidaten erwischt habe, der dieses Experiment Online-Campaigning von Anfang an mitgemacht hat. Der anfängliche Dialog im Dezember, als alles noch eine geheime Kommandosache war, ging in etwa so:

Gert: „Funktioniert das mit dem Weblog denn auch?“

Besim: „Technisch ja. Ob es uns da hinführt, wohin wir hinwollen, kann ich dir nicht sagen, aber wenn wir es nicht probieren, werden wir es nie erfahren.“

Gert: „Gut, hört sich plausibel an, dann machen wir es.“

Auf in die nächsten drei Wochen Verlängerung und dann gibt es einen Abschlussbericht. 🙂

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