Back to Vanity.

Wohin die moderne Web-Welt doch manchmal hinreisen kann: Vor gar nicht allzu langer Zeit war eine eigene Domain, unter der man die selbst gebaute Homepage der Famile, des Kaninchenzüchtervereins oder des Handwerkbetriebes abgelegt hat, nicht einfach so üblich, sondern etwas sehr hippes. Wer etwas auf sich hielt, hatte deshalb nicht einfach nur den Webspace von AOL, T-Online & Co. in Beschlag, sondern bei den aufkommenden Discounthostern einen Vertrag und eine Domain. Wem fällt da nicht gleich mindestens eine Handvoll solcher Domainnamen wie „susiundihrpuschi.de“ oder „hans-elke-thomas-daniela-und-wauzi.com“ ein. In Kombination mit möglichst originellen Vornamenkombinationen ergaben sich dann auch noch verspielte E-Mail-Adressen, die so kompliziert und suspekt waren, dass sich das E-Mail-Aufkommen allein durch die Hürde der E-Mail-Adresseingabe in beschaulichen Größen bewegte.

Genau genommen vergrößerte und dezentralisierte sich der Namensraum durch diese Entwicklung. Die vielen Menschen, die mit Nachnamen Müller oder Meier heißen, können von diesen Vorteilen ein Lied sind. Gleichzeitig förderte diese Entwicklung eine gewisse Emanzipation des Benutzers gegenüber seinem Internet Service Provider, denn eine eigene Domain besitzt man in der Regel und kann diese auch zu einem anderen ISP mitnehmen.

Die moderne Web-2.0-Welt macht all das wieder zunichte, denn plötzlich finden wir uns Graswurzelleute wieder unter dem Schirm von einigen, wenigen Anbietern und deren Namensräumen. Mein Twitter-Account ist erreichbar unter http://twitter.com/besim/ und eben nur dort. Ein anderer Besim wird sich einen anderen Benutzernamen ausdenken müssen. Noch krasser ist es bei Facebook, das keine einprägsamen Namensaufbau kennt. Dort ist mein Facebook-Profil unter der überaus hübschen Adresse http://www.facebook.com/people/Besim-Karadeniz/1132267952 erreichbar. Von einprägsamen Adressen ist das alles weit entfernt, ebenso von dem gewünschten Ansatz, dass man ja eigentlich eine Kommunikationsvielfalt mit Web 2.0 anstrebt – ginge Facebook heute offline, würden auf einen Schlag viele Gigabyte an Informationen schlicht im Orkus der Informationswelt verschwinden.

Nicht zu unterschätzen ist auch das justische und „kaufmännische“ Potential dieses begrenzten Namensraumes, denn früher oder später werden sich Inhaber von Namensrechten für ihre Begrifflichkeiten in diesen Adressräumen interessieren und möglicherweise auch die Plattformbetreiber selbst, die schlicht noch etwas zusätzliches Geld damit verdienen wollen. Erst vor einigen Tagen hat sich Facebook, das chronisch klamme Social und monetär etwas ratlose Social Network, mit dieser Idee vorgewagt. Wer zahlt, bestimmt. Darüber sollte man sich als Benutzer eines Social Networks immer im klaren sein.

Web 2.5

Die Weiterdenke von Web 2.0 ist begründet unter der Idee, dass Web-2.0-Dienste nicht mehr gehostet sein müssen, sondern einerseits dezentral gehostet werden können – beispielsweise auch auf eigenem Webspace – aber dennoch im „Web-2.0-Space“ sind. Setzt man hier Überlegungen an, landet man sehr schnell eben da, wo man auch vor zehn Jahrend die Dezentralisierung begann: Eine eigene Domain, Webspace bei einem Discounthoster, dort installierte Software. Mit Bloggen funktioniert das mit gängiger und sehr einfach zu installierender Blog-Software sehr gut, bei anderen Web-2.0-Kommunikationsformen sind Lösungen stark im Kommen. laconi.ca als Framework für twitter-artiges Microblogging und BuddyPress für ein eigenes, Social Network sind nur zwei Beispiele.

Bei letzterem wird allerdings ein Problem deutlich: Was bringt ein eigenes Social Network, wenn man sich überall neu anmelden muss?

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