Windows Mobile 6.5.

Just heute ist der Tag, an dem Windows Mobile 6.5 “ready to manufacture” ist, also ausgeliefert wird. Wie üblich nicht direkt an Endkunden, sondern an Hersteller von Gerätschaften, die Windows Mobile enthalten sollen und die dann das Betriebssystem für ihre Zwecke anpassen und erweitern. (Erfahrungsgemäß arbeiten zwar die meisten Hersteller schon mit Beta-Versionen recht früh an ihren Adaptionen, allerdings wird es vermutlich wieder drei bis sechs Monate dauern, bis erste neue Smartphones mit Windows Mobile 6.5 herauskommen.)

Das ist einerseits eine gute Sache, weil Windows Mobile ja nicht einfach nur ein Betriebssystem für Smartphones ist, sondern als Betriebssystem für ganze Gattungen von mobilen Geräten: Tragbare Media-Center-Geräte, Navi-Systeme, Autoinformationssysteme, Spezialgeräte etc. Hersteller können mit eigenen Anpassungen sehr genau auf die Einzelheiten ihrer Geräte eingehen.

Andererseits ist der OEM-Weg auch eine schlechte Sache, weil es abhängig vom Hersteller macht, ob man mit seinem Smartphone die nächste Windows-Mobile-Version bekommt oder nicht. Zumindest in der Vergangenheit waren Hersteller und Anbieter von Smartphones mit Windows Mobile in dieser Richtung äußerst konservativ und boten nur in seltensten Fällen ein Update oder kostenpflichtiges Upgrade an.

Das ist gerade beim Weg von Windows Mobile 6.1 auf 6.5 essentiell schade, denn die größte Neuerung ist der Weg von einer stiftbasierten zu einer touch-fähigen Benutzeroberfläche. Das wurde bisher fast ausschließlich mit zusätzlichen Applikationen bewerkstelligt, da Windows Mobile 6.1 nur auf die Bedienung per Stift vorbereitet ist. HTC hat als größter Hersteller von Windows-Mobile-Smartphones hier sicherlich große Reputation, allerdings bekommt der geneigte Leser ja regelmäßig hier mit, dass ich nicht unbedingt die beste Meinung über HTC habe.

Über ein Forum, das ich jetzt hier mal nicht nennen möchte, das aber jeder findet und, wenn er sich näher mit Windows Mobile beschäftigt und über das ich auch schon mal geschrieben habe, habe ich eine der letzten Arbeitsversionen von Windows Mobile 6.5 geladen und auf meinen HTC Touch Pro installiert. Da das keine wirklich so richtig autorisierten Pakete sind, muss man die Software des Telefones mit anderen Tools etwas dahingehend „aufknacken“, das auch inoffizielle Upgrade-Pakete aufgespielt werden können, das ist jedoch kein allzugroßes Hexenwerk.

Ein schon größeres Hexenwerk ist eher das Suchen eines richtigen Paketes, da es nämlich mehrere Freaks gibt, die unabhängig voneinander an Windows-Mobile-6.5-Paketen arbeiten und das auch noch für verschiedene Geräte. Da muss man sich letztendlich massiv einlesen und vor allem die Erfahrungsberichte anschauen. Funktioniert zwar weitgehend viel, aber nicht alles, der Stromverbrauch ist teilweise gar nicht optimiert und so manch Projekt ähnelt von der Softwarezusammenstellung eher einem wilden Basar, als einem Betriebssystem mit vernünftiger Zusammenstellung. Selbstverständlich – und das muss man sehr deutlich sagen – ist das alles Experimentalsoftware und auch nicht wirklich sehr legal. Und man muss sich im klaren darüber sein, dass die Haussprache englisch ist.

Dennoch: Es gefällt, was da kommt. Man sollte durchaus eine Windows-Mobile-6.5-Zusammenstellung ohne HTC-Aufsätze (also ohne Touch3D etc.) ausprobieren, um so zu sehen, wie Microsoft die eigene Oberfläche und Bedienung so sieht. Die frühen Bilder, die man sich beispielsweise bei Golem anschauen kann, bestätigen sich weitgehend, so sieht das Ding tatsächlich aus, auch wenn beispielsweise die Informationsleiste oben inzwischen deutlich hübscher daherkommt.

Und sie wollen tatsächlich weg vom Stift. Die erste Seite, in der sich Windows Mobile traditionell mit einer “Heute”-Seite breitmachte, ist einer ähnlichen Seite gewichen, die gleichzeitig als Application Launcher dient, also von der aus direkt Programme gestartet werden können. Die Bedienung geschieht mit einem transparenten Slider. Nicht ganz so eingängig, allerdings überaus übersichtlich. Den obligatorischen Start-Button gibt es immer noch, dahinter verbirgt sich aber nicht mehr eine eher schwer bedienbare Programmleiste, sondern tatsächlich Programmbuttons. Und die nun auch nicht mehr streng nebeneinander, sondern versetzt, so dass das Anvisieren mit dem Finger kein Problem mehr darstellt (die ursprünglich geplanten wabenförmigen Rahmen gibt es allerdings nicht mehr). Nicht wirklich so recht gelungen ist das grafische Feedback auf das Tippen, das hat Apple auf dem iPhone mit dem Nachbilden eines Button-Drückens besser gelöst. Dafür gibt es die Möglichkeit für taktiles Feedback in Form des Vibrationsmotors, der dann kurz in Aktion tritt, wenn irgendetwas auf dem Bildschirm erfolgreich gedrückt wurde.

In Sachen Connectivity und deren Steuerung gibt es nur wenig Änderungen, das funktioniert aber bereits auf einem hohen Niveau. Neu ist, dass explizit UMTS ausgeschaltet werden kann und die Netzsymbole auf der Informationsleiste oben nun vereinheitlicht sind. Auf meinem Touch Pro sind die zwar fitzelig klein, aber gerade noch erkennbar. Bluetooth funktioniert mit meiner Freisprecheinrichtung im Auto übrigens sauber, was es mit der originalen Windows-Mobile-6.1-Installation nicht wirklich zuverlässig tat.
Funktioniert leider nach wie vor nicht sauber.

Windows Mobile 6.5 ist, wie auch Microsoft selbst sagt, nur ein Zwischenschritt zu Windows Mobile 7. Der Weg scheint aber zu stimmen, so kann man wenigstens mal vernünftig ein Smartphone bedienen und Softwareentwicklern ein einheitliches Bedienkonzept in die Tüte packen. Raum für Verbesserungen gibt es sicherlich noch genügend, aber ich glaube, dass wir in Sachen Mobile Computing noch lange nicht den Idealzustand gefunden haben.

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