wikileaks.de – Vermutungen und Tatsachen.

Ich habe im ersten Moment gestaunt, dass Heise offenbar ohne Rückfrage beim DENIC schon tönt, dass die Domain wikileaks.de angeblich gesperrt sei, nur weil das der Besitzer der Domain so behauptet. Denn richtig viel fundierte Grundlage für diese Behauptung gibt es eigentlich keine.

Aktuell befindet sich die Domain im TRANSIT-Zustand, das ist eine Spezialität der DE-Domain. DE-Domains können hierzulande direkt beim DENIC nur Registrare registrieren, die DENIC-Mitglied sind. Diese registrieren, laut den Geschäftsbedingungen des DENIC, eine DE-Domain im Kundenauftrag, es gehen am Ende also zwei Vertragspartner eine Vertragsbeziehung ein, nämlich das DENIC und der Besitzer der Domain. Der Kunde bezahlt seinen Provider für die DE-Domain, dieser bezahlt wiederum die Zeche für alle über ihn registrierten DE-Domais beim DENIC.

Tritt nun ein Provider nicht mehr als Zahler einer Domain auf, so kann er die Domain – entgegen allen Halbwissens, der im Internet so kursiert – nicht einfach löschen, da er ja kein Vertragspartner ist. Er muss in so einem Fall, wenn also der Kunde die DE-Domain nicht bei ihm bezahlt, aber auch die Domain nicht zur Löschung freigibt, die Domain an das DENIC zurückgeben, was man in der DENIC-Nomenklatur als TRANSIT bezeichnet. Das DENIC versucht dann den Besitzer zu kontaktieren und ihn aufzufordern, die Domain zu einem anderen Provider umzuziehen.

Was ich mir nun vorstellen kann, ist folgendes:

Möglicherweise hat der bisherige Provider, der wikileaks.de im Kundenauftrag registriert und gehostet hat, von einer nicht näher zu spezifizierenden Macht eine Aufforderung bekommen, die Domain zu sperren. Das hätte er technisch sicherlich tun können, in dem er die betreffende DNS-Zone löscht oder außer Kraft setzt.

Ob er es rechtlich hätte tun dürfen, ist eine bleibende Frage, denn er ist ja kein Vertragspartner für die betreffende Domain. Und die einfachste und eleganteste Variante, um diese Frage nicht eigenmächtig und möglicherweise widerrechtlich zu beantworten, ist die, die Domain in den TRANSIT-Zustand zu geben und das DENIC, einen der Vertragspartner der betreffenden Domain, diese Frage beantworten zu lassen.

Dieses Dilemma macht zwar nichts wirklich besser an der Situation, allerdings wäre es der einzig gangbare Weg für einen Provider.

12 Gedanken zu „wikileaks.de – Vermutungen und Tatsachen.

  1. Zeigt aber schön das man im Hintergrund und durch Druck, nicht durch rechtmässige Mittel, versucht die Domain zu torpedieren.

    Wie ja auch schon bei der Durchsuchung der Wohnung des Domaininhabers, während der man die Passwörter für Wikileaks forderte, obwohl – soweit ich weiss – Wikileaks in keiner Form von dem Durchsuchungsbefehl berührt wurde.

  2. Ich kann dir und Mela hier absolut nicht zustimmen. Man braucht überhaupt keine Verschwörungstheorien von Druck oder einer Aufforderung, die Domain zu sperren, um den Vorgang zu erklären. Die wahrscheinlichste Variante ist, daß der Provider die Domain aus freien Stücken aus welchen Gründen auch immer einfach nicht mehr weiter betreuen will. Das ist im Domaingeschäft einer der natürlichsten Vorgänge der Welt und kommt täglich x-fach vor. Darauf deutet auch die Tatsache hin, daß zwei andere Domains des gleichen Inhabers ebenfalls im Transit sind und daß sich der Provider mittlerweile dementsprechend geäußert hat.

    1. Ich habe zu dem Vorgang gar keine Stellungnahme abgegeben, der man zustimmen oder die man ablehnen könnte – ich habe die Grundlage des TRANSIT erklärt. Und ich kann dir leider nicht zustimmen, denn letztendlich hat der Provider auch eine Vertragsgrundlage mit dem Besitzer einer Domain, nämlich über das Hosting. Die wird der Provider, Vermutung von mir, außerordentlich gekündigt haben und das wiederum gebietet eine Begründung und wäre im Zweifelsfall gar schadenersatzpflichtig. Ganz so einfach geht das nämlich auch nicht.

      1. Deine Ausführungen nach „Was ich mir nun vorstellen kann“ sind schon eine Stellungnahme, der man zustimmen oder die man ablehnen kann. 😉

        Grundsätzlich hast du recht. Jeder Hoster hat in seinen AGB aber Gründe aufgelistet, die eine solche einseitige außerordentliche Kündigung nach sich ziehen können und die der Kunde mit Vertragsabschluß akzeptiert. Laut netzpolitik.org hat der Provider schon verlautbart, daß der Vorgang nichts mit den Hausdurchsuchungen oder mit Zensur zu tun hat, und er hat eine Stellungnahme für Dienstag angekündigt. Auch die DENIC hat sich mittlerweile geäußert und mitgeteilt, daß der Provider am 9.4. der DENIC mitgeteilt habe, er verwalte die Domain nicht mehr weiter.

        (http://netzpolitik.org/2009/wikileaksde-gesperrt/).

        Ich schlage vor, daß wir einfach die Stellungnahme des Providers abwarten, ehe wir von einer „Aufforderung einer nicht näher zu spezifizierenden Macht, die Domain zu sperren“ reden. Danach sieht es nämlich für mich gar nicht aus.

        1. Genau genommen geht ein TRANSIT gar nicht anders, als dass der Provider bzw. das jeweilige DENIC-Mitglied diesen initiiert. In diesem Sinne ist meine „Vorstellung“ der einzig nachvollziehbare Weg.

          Die „nicht näher zu spezifizierende Macht“ ist übrigens ausdrücklich nicht auf behördliche Entitäten beschränkt. Das kann letztendlich auch einfach der Chef des Registrars sein, der den Nothammer betätigt hat, ohne Rücksicht auf Verluste.

          Nur: Das DENIC hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Domain nicht gesperrt, wie der Besitzer von wikileaks.de behauptet. That’s the point.

    2. Naja.. wie heisst es so schön:

      One time is chance
      Two times is coincidence
      Three times is intrigue

      Es ist also irgendwie kein Wunder nach der Durchsuchung beim Domaineigner, einer Durchsuchung bei einem Blogger der mittelbar auf Wikileaks verlinkt, die Alarmglocken läuten zu hören.

      Wir werden sehen ob es Abrechnungsfuckup zum unglücklichen Zeitpunkt oder was anderes war. Von solchen Details hätte der Eigner aber wissen sollen und was auch immer der Grund war.. ihn am Tag vor einem langen Wochenende an dem man GAR nix erreichen kann, durchzuexerzieren.. well.

  3. @Alex:
    Die Domain einfach in Transit zu geben ist mitnichten die „normale“ Vorgehensweise. Normalerweise sollte man, wenn man als Provider aus welchem Grund auch immer eine Domain nicht mehr betreiben will, den Inhaber kontaktieren und ihm eine angemessene Frist geben, einen neuen Provider zu finden und den Umzug in die Wege zu leiten. Einfach so den Dienst zu unterbrechen, ohne den Eigentümer zu informieren (und das auch noch vor einem Feiertag!) ist eine Frechheit und deswegen fände ich es auch gut, wenn der Provider konkret benannt wird. Ich möchte nämlich keine Geschäftsbeziehungen mit jemandem unterhalten, der seine Kunden so im Regen stehen lässt.

    1. Laut des Providers, der mir eine Nachricht mit seiner Sicht des Vorfalles geschickt hat, sieht das alles so aus, dass der Provider dem Besitzer von wikileaks.de Anfang Dezember fristgemäß zum 30. März 2009 gekündigt hat und die Domain bis dato nicht umgezogen wurde. Dann ist der TRANSIT der betroffenen Domain der einzig gangbare Weg, der dann wohl auch gegangen wurde.

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