40 Jahre RFC.

Es sei offen zugegeben, dass ich nicht darauf gekommen wäre, dass heute vor 40 Jahren das erste RFC im Internet (bzw. in dessen Vorläufer ARPANet) veröffentlicht wurde, wenn nicht der Heise-Newsticker darauf aufmerksam gemacht hätte. Das Datum habe ich tatsächlich hier in meinem Internet-Kalender stehen, allerdings mache selbst ich, der die Internet-Geschichte nun wirklich recht gut kennt, mir selten darüber Gedanken, dass das Ding, mit dem wir tagtäglich arbeiten und vielen Menschen als “Neue Medien” entgegentritt, schon 40 Jahre auf dem Buckel hat.

Ist aber nachweislich so, am 7. April 1969 wurde das erste RFC von Steve Crocker veröffentlicht, in der das Softwaredesign der Gerätschaften beschrieben wurde, die zwischen dem ARPANet und den eigentlich angeschlossenen Großrechnern die Kommunikation übernahm.

Die Idee hinter den RFC war einfach und phänomenal zugleich: Zum Erstellen der Beschreibung wurde nicht eine vielköpfige Kommission eingesetzt, die monatelang hinter verschlossenen Türen ein Ding zum Standard entwickelt, sondern bei der ganzen Entwicklung des ARPANet saßen Wissenschaftler und sonstige, teilweise recht merkwürdige Menschen und haben aus dem Nichts ein Netzwerk zusammengeschustert. Damit das ARPANet nämlich funktionieren konnte, mussten Großrechner verschiedenster Bauart miteinander kommunizieren, was von Hause aus gar nicht ging. Einheitliche, hersteller- oder gar modellübergreifende Netzwerkschnittstellen gab es nicht, weshalb zwischen den Großrechnern und dem ARPANet-Netzwerk ein eigenes Gerät zwischengeschaltet werden musste, die so genannten Interface Message Processors (IMP). Deren Entwicklung war in der Tat mehr als atemberaubend abenteuerlich, ebenso war es die Software, die diese Gerätschaften steuerte.

Und damit überhaupt noch jemand den Überblick wahren konnte, hat sich Steve Crocker Abends im Badezimmer an die Waschmaschine gesetzt, auf dem sein Terminal stand, und das RFC Nummer 1 geschrieben. Zunächst als “Request for Comments”, also als Diskussionspapier.

Und genau dabei ist es geblieben, die RFC-Dokumente sind so etwas wie die technischen Bauanleitungen des Internet, der Arbeitsweise, der Protokolle und der Netzwerknummern. Wer im Internet einen Standard etablieren möchte und zunächst seine Entwicklung zur Diskussion stellen muss, macht dies über einen RFC. Das Thema reicht er beim RFC-Editor ein, dieser genehmigt dies (was meist recht unbürokratisch läuft), vergibt eine RFC-Nummer und schon geht es los. Ist das RFC fertig, veröffentlicht es der RFC-Editor und darüber wird diskutiert. Und wenn alles gut läuft, sich Entwickler aus aller Welt in einschlägigen Mailinglisten darüber die Köpfe zerbrochen und auf Meetings alles in Frage gestellt haben, was nur geht, dann wird es vielleicht sogar ein Standard. Der dann eben auch per RFC veröffentlicht wird.

Die RFC-Dokumente stellen tatsächlich eine feste Säule der ARPANet-/Internet-Revolution dar, mit der die damalige Art und Weise, wie Standards definiert wurden, komplett andersherum gesattelt wurde. Die Unterscheidung zwischen Bellheads und Netheads, den “Telefonleuten” und “Internetleuten”, hat hier ihre Wurzeln. Wer diesen “Spirit” ansatzweise nachvollziehen kann, der hat damit angefangen, das Internet zu verstehen.

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