Twitter versucht zu argumentieren, Geld zu verdienen.

Im Grunde genommen ist die Idee von Twitter eine bombensichere Angelegenheit. Man braucht eine Horde von Servern, ein paar halbwegs talentierte Besucher und eine bedingte Anzahl von Support-Kräften. Denn richtig viel Mist kann man bei 160 Zeichen nicht machen und zum Beispiel schon mal keine anstößigen Bilder hochladen. Selbst das Spammer-Thema könnte man weitgehend durch die Community in Griff bekommen, in dem man ein Spam-Flag implementiert und diese mit einer gewissen Programmlogik auswertet.

Ob so ein Unternehmen nun hunderte von Millionen US-Dollar wert ist (man munkelt von 250 Millionen US-Dollar), darf mit bestem Gewissen bezweifelt werden – ich halte Twitter für gnadenlos überbewertet und ein klassisches Unternehmen der Web-2.0-Blase. Die ist zwar deutlich kleiner, als die Dot-Com-Blase vor zehn Jahren, aber Blase ist nun mal Blase: Wenn Ideen aus viel warmer Luft bestehen und diese Luft mit viel Geld befeuert wird, wird die Luft nur viel heißer und explosiver, wenn die Kreativität hinter der warmen Luft prellt.

Und bei Twitter, so ehrlich muss man sein, passiert nicht wirklich viel. Neue Features in homöopathischen Dosen, keine Gruppenfunktionen, mangelhafteste Sicherheitsmechanismen, regelmäßig schlechte Performance. Das Ding lebt in erster Linie von seinem Label und sowas ist in der Internet-Szene von nicht sehr fundiertem Wert.

Auf die nun aktuellen Diskussionen von Twitter-Mitbegründer Biz Stone, zukünftig Abo-Gebühren für Pro-Accounts zu verlangen, kann ich deshalb eigentlich nur mit einem herzhaften Grinsen antworten. Twitter ist nichts anderes wie andere hosted services, wie beispielsweise blogger.com. Gut, um schnell mal einen Kommunikationskanal einzurichten und das unter einem bekannten Label zu positionieren. Allerdings weitgehend nur finanzierbar durch Werbung. In einem Blog mag das noch gehen, aber wie will man in Twitter werben, ohne dies nicht direkt in die Twitter-Streams zu implementieren?

Dazu kommt, dass es mit laconi.ca schon ein Framework für das Microblogging gibt, das man sich, ähnlich wie eine WordPress-Installation, relativ bequem auf den eigenen Server installieren kann, den man für eine Handvoll Euro im Monat kaufen kann. Twitter-Pro-Accounts würden also unmittelbar mit den Discount-Webhostern konkurrieren. Und zu allem Unglück ist das laconi.ca-Framework vom Funktionsumfang auch noch meilenweit besser, als Twitter je war.

Allein darauf zu bauen, dass das Twitter-Label nun mal einfach das stärkste Label für Microblogging ist und ein Stream unter twitter.com hipp ist, ist schon ohne Probleme und fehlende Kreativität eine problematische Ansicht. Wenn man dann aber auch noch einen Dienst darunter liegen hat, der permanent schwächelt, chronisch hustet und offenbar kein funktionierendes Immunsystem hat, dann sollte man sich vielleicht nicht ganz so aus dem Fenster lehnen und erst mal massiv seine Hausaufgaben machen, bevor man übers Geld redet.

Ein Gedanke zu „Twitter versucht zu argumentieren, Geld zu verdienen.

  1. Grundsätzlich sehe ich in der Ankündigung, zukünftig auch Pro-Accounts anbieten zu wollen keinen Grund zur Aufregung. Der Vergleich mit Blogger.com gefällt mir gut. Twitter bietet einen Service an, den man nutzen kann oder nicht. Impementiert Twitte weitere Features – wie auch immer die aussehen wollen – und verlangt für deren Nutzung in Zukunft Abogebühren, so gilt immer noch: es ist ein Service, den man nutzen kann oder nicht.
    Nachvollziehbar ist für mich, dass es nicht möglich sein wird ein Angebot wie Twitter ohne Einnahmenmöglichkeit langfristig aufrechtzuerhalten. Da für mich Twitter ein Web 2.0-Angebot ist, das ich wirklich gerne nutze, freue ich mich darüber, dass die Macher nach einem ordentlichen Geschäftsmodell suchen, weil mir nur ein solches mein „Zwitscher“-Vergnügen auch für die Zukunft sichert.

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