Da sind wir wieder bei den Killerspielen.

Es war klar wie der Sonnenschein am heutigen Tage, dass von der Moralfraktion, die Kinder am liebsten bibellesend im Trachtenanzug in der so genannten guten Stube sehen, anstatt vor dem Computer, wieder der Ruf nach Verbot von so genannten Killerspielen kommt. So als ob ein Verbot irgendjemanden wirklich interessieren würde und im übrigen nicht wirklich durchsetzbar und schon gar nicht kontrollierbar ist.

Wir müssen eigentlich nicht wirklich darüber diskutieren, dass der Kollege Computer bzw. die Kollegin Spielekonsole wohl kaum dazu da sind, Erziehungsmängel von Eltern zu ersetzen. Wir müssen viel eher darüber diskutieren, dass es höchst bedenkliche Menschen gibt, die kiloweise Waffen und Munition im Haus für so genannte sportliche Zwecke horten und auch noch so abgebrüht sind, ihre Kinder mit Freunden zum sportlichen Ballern mit in den Schießclub zu nehmen.

Ein Beispiel aus Pforzheim: Anscheinend sind in einem Schülerforum Fotos von Schülern aus einer Pforzheimer Schule aufgetaucht, in denen sie mit Waffen hantierend fotografiert wurden. An sich schon mal ein relativ geschmackloser Vorgang. Der eigentliche Skandal ist jedoch, wie es zu diesen Fotos kam, denn ein Familienvater hat kurzerhand die Geburtstagsparty seines Sohnes in den Schützenverein verlegt und dort mal munter die Kids ballern lassen.

Das, liebe Herrschaften, sind Verbrecher, nicht Computerspiele, die zum einen sowieso nicht im Handel frei erhältlich sind und zu einem großen Teil auch nur das simulieren, was die Gesellschaft und der Staat selbst mit Kriegen betreiben. Niemand in diesem Land braucht als Privatperson ein Schießeisen unter dem Kopfkissen und wer glaubt, dass er sowas zur „Brautumspflege“ braucht, wie es gerade bei uns in Süddeutschland gern gehandhabt wird, sollte sich dabei gut überlegen, was er da seinen Kinder für Vorstellungen und Werte ins Weggepäck packt. Denn im Gegensatz zu Kollege Computer bzw. Kollegin Spielekonsole ist es ein ganz anderes Ding, wenn Papi das Ballern im eigenen Haus als Sport verkauft, dann auch noch das Zeug teilweise so lagert, wie seine Unterhosen und offenbar auch noch vergisst, sein Kind zu einem Bürger zu erziehen.

12 Gedanken zu „Da sind wir wieder bei den Killerspielen.

  1. *begierig Senf in irgend einer Form dazu zu geben*

    Ob Amoklauf hin oder her. Killerspiele sind ein Verfall der Spielkultur. Jedes dritte Spiel (übertrieben) ist ein „Killerspiel“ (ich hasse den Begriff… nennen wir es Ego-Shooter). Die Nachfrage nach solchen Spielen lässt mich an der Vernunft und an der Prudentia unserer Gesellschaft zweifeln. Aber das haben ja schon unsere Urgrößväter gesagt: „Mit der Menschheit geht es bergab“ – Aber wie tief kann man denn noch sinken?

    Dennoch muss ich dir voll und ganz zustimmen. Nicht diese Ego-Shooter sind das Problem, sondern das Drumherum. Wobei auch „gute“ Eltern gern mal Satans Sohn ausbrüten. Dieses Abschotten von allem und jedem in unserer Gesellschaft und die Gleichgültigkeit für den anderen. Das ist der abstrakte Kernpunkt dieses Problems. (Meiner Meinung)

    Aber in einem Telefonat mit einem Vater in der vergangenen Woche lässt mich auch an den Zeugern zweifeln. So begründet dieser Vater, dass sein 6-jähriger Sohn Prügelspiele spielen darf, weil es doch sowieso egal ist. Wenn nicht daheim, dann halt auswärts.
    Also mein Neffe spielt sowas nicht, sondern KimPossible oder sowas… Und da schauen die Eltern der Freunde auch drauf.

  2. Ich gehöre zu den Menschen, sie Sie so leichtfertig als Verbrecher bezeichnen. Ich bin Sportschütze, Sportleiter und Jugendtrainer in einem Schützenverein. Das Trainig findet regulär mit Kleinkaliberwaffen statt, die Jugendlichen können aber auch mal Großkaliber Schießen, wenn sie es wünschen.

    Meine Tochter begleitet mich gelegentlich auf den Schießstand. Sie hat den sicheren Umgang mit Schusswaffen erlernt und schießt auch ganz gern mal mit dem Revolver. Als Sport hat sie sich trotzdem für Handball enstschieden. Sie bildet sich ihr Urteil selbst und das macht mich als Vater sehr, sehr stolz.

    Vielleicht sollten Sie auch erst einige Male am Jugendtrainig in einem Schütznverein teilnehmen, bevor Sie darüber urteilen? Schießen fördert die Konzentration und das Verantwortungsbewusstsein. Es sterben weniger Leute durch Schießunfälle als beim Fußball tot umfallen.

    1. Es ist für mich weiterhin nicht nachvollziehbar, warum Kinder den Umgang mit Waffen erlernen sollen. Kinder können sehr wohl einschätzen, dass es etwas „besonderes“ ist und das man das nur darf, wenn Papi das gestattet und man dann auch etwas „besonderes“ machen darf und vielleicht auch ist – einen praktischen Nutzen gibt es nirgendwo.

      Und das mit der Konzentrationsfähigkeit halte ich, entschuldigen Sie, für eine Lebenslüge des Schützensports. Es gibt genügend andere Dinge, mit denen man bei Kindern (und auch bei Erwachsenen) die Konzentrationsfähigkeit fördern kann. Ohne Waffen.

      Und Ihren leicht prellenden Vergleich zwischen „Schießunfällen“ und umfallenden Fußballern lasse ich einfach mal unkommentiert stehen, der spricht nämlich für sich.

  3. Natürlich hat der Vater von Tim so ziemlich alles falsch gemacht was man als Sportschütze falsch machen kann. Waffe und Munition zugriffsbereit aufzubewahren ist leichtsinnig und unverantwortlich. Nicht ohne Grund befürworten Sportschützen regelmäßige Kontrollen. Wir sind aber nicht bereit nach jedem Amoklauf irgendeines Geistesgestörten weiteren unsinnigen Einschränkungen unserer Sportart zuzustimmen nur um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Das wäre reiner Populismus. Wir legen großen Wert auf einen verantwortungsvollen Umfang mit unseren Sportgeräten. Dabei ist es egal ob es sich um Luftdruck-, Kleinkaliber- oder Großkaliberwaffen handelt. Ein direkter Treffer kann bei allen Waffen tödlich enden. Das gilt übrigens auch für Baseball- oder Golfschläger.

    1. Sehen Sie, das mit dem verantwortungsvollen Umgang, das sehen die Organisatoren von großen LAN-Partys genauso. Solche Veranstaltungen sind durchweg nur für Erwachsene zugänglich und im Gegensatz zum Schießsport muss niemand eine echte Schusswaffe vorhalten. Amokläufe sind also von reinen Computerspielern, die keinen Zugriff auf echte Waffen haben, so ohne weiteres gar nicht möglich.

      Sie schreiben von Populismus. Das ist genau das Thema. Hat der Schießsport allein deshalb eine höhere Wertigkeit, weil er eine längere Tradition hat, als die Computerspielekultur? Ich sage: Nein, wenn man bei solchen Gedankenspielen schön die konservative Weltsicht draußen lässt und nicht versucht, auf Kosten von Leuten, die keine Lobby betreiben, Aktionismus zu betreiben. Das genau passiert bei den unsäglichen Diskussionen um so genannte Killerspiele, die allesamt – mit einigen wenigen Ausnahmen – völlig inakzeptabel und weit weg von jeglichem Sachverstand geführt werden.

      1. Exakt. Ich halte es für grundlegend falsch sich gegenseitig die vermeintliche Schuld zuzuschieben. Bei vielen Menschen scheint das Bild unserer vollkommen gewaltfreien Sportart noch immer von für uns Schützen recht seltsam anmutenden Vorurteilen geprägt zu sein. Da geht es uns nicht anders als Paintballern und E-Sportlern. Dabei gibt es alleine in Deutschland rund 15.000 Schützenvereine mit 1.500.000 Mitgliedern die für fast 350.000 Kinder und Jugendliche eine von der Deutschen Sportjugend anerkannte Kinder- und Jugendarbeit leisten.

        1. Sie beantworten aber auch nicht die Frage, warum es denn gut sein soll, dass Jugendliche mit echten Schusswaffen hantieren sollten. Ich sehe darin auch nach wie vor keine wirklich vernünftige oder sonderlich begehrenswerte Jugendarbeit.

  4. Du hast mir diese Frage auch gar nicht gestellt. Ich denke die Faszination des Schießsports macht die einzigartige Kombination aus Konzentration und Körperbeherrschung aus.

    1. Die Frage ergibt sich aus dem eigentlichen Blog-Artikel. Und es stellt sich für mich immer noch die Frage, warum die Faszination so erstrebenswert auch für Jugendliche sein soll. Konzentration und Körperbeherrschung lässt sich auch mit anderen Sportarten trainieren.

        1. Im Schießsport will man vor allem etwas „final“ treffen, dazu noch der „Thrill“ des gewissen Machtanspruches, „Herr der Dinge“ zu sein. Du lachst? Ich nicht. Das sind Argumente, die ich vor Ort bei Schießsportvereinen aufgefangen habe. Und wenn dann so Geschichten dazukommen, dass Schießsportler Kindergeburtstage im Clubhaus mit Freiballern feiern (siehe mein Blog-Artikel): Was glaubst du, was ich dann von „Koordination und Körperbeherrschung“ (was man im Turnsport viel eher lernt) halte?

          Zudem kommt hinzu, dass Fußball ein ausgeprägter Mannschaftsssport ist, der unmittelbar die Teamfähigkeit fördert bzw. sogar gebietet. Und dann kommt noch hinzu, dass Ballsportarten allgemein weniger „unerwünschte Nebenwirkungen“ mit sich bringen, als der Schießsport.

          Ergo: Echte Waffen haben nichts, aber auch rein gar nichts in Händen von Kindern und Jugendlichen zu suchen.

          1. Schießsport und Machtanspruch. Das habe ich auch noch nie gehört. Wer ein Machtgefühl dabei empfindet auf Pappscheiben zu schießen sollte sich in ärztliche Behandlung begeben. Er könnte auch ausprobieren ob er dieses Machtgefühl auch empfindet wenn er dazu einen Locher verwendet. Er wäre wohl der perfekte Verwaltungsbeamte.

            Im von dir genannten Turnsport sind ganz andere Fähigkeiten als im Schießsport gefragt. Obwohl beide Sportarten eine gewisse Konzentration, Koordination und Körperbeherrschung erfordern wären die meisten Sportler wohl in der jeweils anderen Sportart nicht sonderlich erfolgreich. Natürlich betreiben die meisten Sportschützen als Ausgleich auch noch andere Sportarten. Auch für den recht statischen Schießsport ist eine gute Kondition eine wichtige Voraussetzung.

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