Der Bundesinnenminister als Flankenschutz.

Inzwischen kann man den Kalender danach stellen. Irgendwo in der Republik ticken Jugendliche durch und dann sind es die bösen™ Killerspiele, die offenbar ein verstecktes Gen aktivieren und aus Schläfern Terroristen machen. Und wenn man einfach Killerspiele verbietet (wobei nicht ganz klar ist, wie man das eigentlich bewerkstelligen könnte, wenn man wollte und wenn man dürfte), wird die Welt besser und wir können alle gesund sehr alt werden – ohne die gefährlichen Killerkinder.

Litaneien, die unser Bundesinnenminister immer gern auflegt, wenn er eigentlich nichts weiß. Und ja, wir regen und alle herzlich gern darüber auf. Und das Hübsche dabei ist: Das ist sogar richtig gut für die Bundesregierung, denn diese punktgenau gesetzten Polemisierungen und Rufe nach Law-and-Order lenken ab und bändigen die kochende Volksseele – bevor es die rechten Sektierer tun.

Im Nachhinein betrachtet war der Meister dieses Flankenschutzes nach Rechts uneinholbar Otto Schily. Wohl kein Politiker vor ihm hat es so galant geschafft, in seiner politischen Haltung von ganz weit rechts nach sturzkonservativ zu wechseln. Allerdings hatte Otto Schily bei dieser Maskerade selten wirklich nicht deutlich werden lassen, dass er sich in der Rolle des Oberbrüllers in Extremsituationen sehr langweilen konnte und dann sehr flapsig bis arrogant daherkam. Anwaltische Kommunikationsform.

Das sei den Bundesinnenministern an dieser Stelle fast schon verziehen, denn sie haben ihren Zweck zu erfüllen. Politisch im Normalzustand eher etwas abgeregelt (was will man als Bundesminister auch zur Polizei sagen, wenn diese weitestgehend eh in die Zuständigkeit der Länder fallen und man sich noch nicht mal gleichzeitig auf eine einheitliche Uniformfarbe einigen kann), im Ernstfall dann aber freie Hand, publikumswirksame Rufe nach harter Kante und damit Flankenschutz nach Rechts und Absicherung der/des Kanzler(in), die/der sich auf das Mitgefühl mit den Angehörigen beschränken kann.

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