Die dunkle Seite der Macht.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb unlängst, dass die Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender als Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens auf der Kippe stehen würde, da CSU-Politiker und ZDF-Fernsehratsmitglied Markus Söder dies dem ZDF-Intendanten Markus Schächter angedeutet haben soll. Das hat gleich eine ganze Reihe von G’schmäckle, der am ehesten verständliche und dennoch nicht weniger skandalöse ist jedoch dem Umstand gezollt, dass Nikolaus Brender jemand ist, der knallhart eine Linie vertrat und vertritt, der Politik nicht auf den Leim zu treten. Das ist schön für den Zuschauer, unschön für so manch Politiker und im politischen Gebilde des ZDF eine Zeitbombe, die dann losgehen kann, wenn sich politische Gefüge verschieben.

Die Bundesländer kamen beim ZDF schon immer gut weg und das sogar schon vor seiner Gründung. Im ZDF-Staatsvertrag heißt es nämlich unter § 5 Absatz 2, dass „das Geschehen in den einzelnen Ländern und die kulturelle Vielfalt Deutschlands angemessen im Programm darzustellen sind“. Diese Verewigung zeigt sich selbst heute noch durch zwei Programmblöcke: Einmal täglich durch einen exklusiven Nachrichtenblock „aus den Ländern“ und einmal in der Woche samstags durch den „Länderspiegel“.

Die „Nachrichten aus den Ländern“ sind so ziemlich das unbeliebteste und liebloseste, was das ZDF staatsvertraglich zu produzieren hat und dieser Nachrichtenblock wird deshalb traditionell gut im Programm versteckt. So seichte, im Vorabendprogramm positionierte Sendeformate wie „Die Drehscheibe“, die „Tele-Illustrierte“, das „Länderjournal“ oder das „Abendmagazin“ dienten einzig und allein für diesen Nachrichtenblock, umrahmt von etwas Schlagermusik im Studio und gelegentlichem Promibesuch. So Hausprominente wie Johann Lafer begannen ihr frühes Schaffenswerk unter anderem auch genau hier, eben beispielsweise als Koch für die Weihnachtsküche. Das artig klatschende Studiopublikum wiederum wurde aus dem täglichen Besuchergruppen aquiriert, so dass alles dann am Ende doch eine fast schon feierliche Melanche ergab. Derzeit wird dieser Nachrichtenblock mittags in der Sendung „Drehscheibe Deutschland“ verwurstet. Kurz, schmerzlos, ohne Studiopublikum.

Zugeliefert wird die Wurstware für beiden Ländersendungen vornehmlich von den sechzehn ZDF-Landesstudios, die in den jeweiligen Landeshauptstädten eingerichtet sind. Selbst in Wiesbaden, keine 10 Kilometer vom Sendezentrum in Mainz entfernt, und skurrilerweise sogar in Mainz selbst, in Form einer eigenen Landesredaktion Rheinland-Pfalz, die aber immerhin noch im Sendezentrum selbst residiert.

Politisch gesehen gehörte es, glaubt man Gerüchten, wohl schon immer zur „guten“ Tradition des Hauses, dass die Studioleitungen der Landesstudios der jeweiligen Landesregierung politisch nicht allzu fern stehen. Das lassen wir mal so dahingestellt – wirklich abwegig klingt das allerdings keineswegs.

Denn man muss wissen, dass das ZDF zwar durch einen Intendanten geleitet wird, der auch weitgehend die operative Verantwortung trägt, es allerdings mit dem Verwaltungs- und vor allem mit dem Fernsehrat zwei weitere Organe gibt, die außerordentlich stark parteipolitisch und föderal besetzt sind. Ein Schelm, der dabei denkt, dass es bei wichtigen Personalentscheidungen, in denen der Fernsehrat eingebunden ist, letztendlich um nackte Parteienstrategie geht. Da merkt man sich eben die Namen von Redakteuren, denn irgendwann müssen hier und da ja mal Verträge verlängert oder Posten vergeben werden.

Nein, mich überrascht die bemerkenswerte und bedauerliche Art und Weise, wie man mit Nikolaus Brender umgeht, nicht wirklich.

Ein Gedanke zu „Die dunkle Seite der Macht.

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