Würde die ARD Giga.de kaufen?

Vor einigen Jahren hätte man noch sagen können: Auf gar keinen Fall. Die ARD kauft nichts, was sie a) nicht selbst erfunden hat, b) was modern wirken könnte, c) was albern ist und d) was mehr als 20 Euro kostet.

Heutzutage gilt genau das Gegenteil. Auf der inzwischen verzweifelten Suche nach Zuschauern unter 55 Jahren, die nicht nur das Erste anschauen, weil es zufälligerweise bei vielen Fernsehern das erste Programm ist, das nach dem Einschalten des Fernsehers auf dem Bildschirm erscheint, ist nichts mehr sicher vor der Altherrenriege der Anstaltsleitungen, die sich auch heute noch traditionell mindestens einmal in der Woche in einer Telefonkonferenz trifft und möglicherweise das schon richtig modern findet. Immerhin ist gelebte Dezentralität das Credo der ARD und ist nicht auch das Internet irgendwie dezentral?

Anyway: Giga.de ist am Ende. Der lustige Handkäsesender für Computerspiele, amerikanische Sportarten, Lifestyle, Promi-News. Mit furchtbar jungen Moderatoren und offenbar auch furchtbar jungem Produktionsteam, die sich auf furchtbar burschikose Kameraführungen spezialisiert haben. Premiere, der derzeit letzte Besitzer des Formates, hat augenscheinlich ganz andere Probleme und muss das Ding loswerden.

Da es ja nun auch schon einen schwarzen US-Präsidenten gibt und man heutzutage tatsächlich auch für jeden umfallenden Sack Reis eine eigene Facebook-Unterstützergruppe einrichten kann, hat die Giga.de-Community – immerhin angeblich 1,5 Millionen (!) Mitglieder stark – nun doch tatsächlich die Lösung gefunden: Endlagerung bei der ARD.

Man bloggt sogar schon liebevoll mit Rechtschreibfehlern und hält Interviews (bezeichnenderweise mit ARD-Sendern). Und auch wenn ARD und ZDF mit Computerformaten im Fernsehen nach wie vor nichts anfangen können – kein noch so kruder Hype ist vor der ARD inzwischen sicher, immerhin darf sogar Oliver Pocher bei der ARD auf den Sender, sogar vor Publikum. Noch vor zehn Jahren wäre sowas sofort vom Sicherheitsdienst aus dem Haus getragen worden.

2 Gedanken zu „Würde die ARD Giga.de kaufen?

  1. Ich bin fast 30 und schaue gelegentlich auch noch Giga. Wenn es um Konsolen News und Warcraft 3 (nein, nicht WoW) geht. Als ich würde mich sehr freuen, wenn Giga nicht stirbt.

    1. Die könnten das Ding bei Ebay reintun und versteigern. Dann würde irgend einer ein paar Kröten locker machen und das Ding totpflegen. Aber wenn man 1.5 Mio Fans hat und die dann die ARD „bitten“, das Ding zu kaufen, dann kann man auch mehr rausholen. Bei der ARD muss keiner für das Geld arbeiten. Die haben eine Sonderdruck – äh Sondereinzugserlaubnis.

      Aber was will man machen: Giga.de ist eine Art Grundversorgung, die für den Durschnittsbürger heute nötig ist. Deshalb brauchen die öffentlich rechtlichen auch immer viel Geld. Wie soll man sonst an Warcraft-3-Konsolen kommen? Es wäre einfach unvorstellbar wenn es die nicht mehr gäbe.

      Fazit: Man schickt die Fans vor um den Preis für die eigene tote Seite zu puschen. – My Sixpence dazu.

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