Wenn der Staat Software schreibt.

So wichtig ElsterFormular für Gewerbetreibende ist, so blöd ist es leider auch. Was mich seit Anfang an stört und vermutlich historisch bedingt immer das Problem bleiben wird, ist der Umstand, dass ElsterFormular nicht abwärtskompatibel ist. Mit jeder neuen Version gibt es eine neue Dateiendung und wer abgespeicherte Elster-Dateien auch zukünftig nochmal prüfen möchte, muss entweder die alten Setup-Dateien abspeichern oder in weiser Voraussicht alles, was ans Finanzamt abgesendet wird, nochmal separat als PDF abspeichern. Was würden wohl all die Büroarbeiter weltweit sagen, wenn eine neue Word-Version plötzlich Dateien der Vorgängerversion nicht mehr öffnen könnte?

Leider sind die ElsterFormular-Entwickler aber noch an anderen Stellen sehr fundamentalistisch. Beispiel: Umsatzsteuervoranmeldung Dezember 2008 bzw. 4. Quartal 2008, die ja bis zum 10. Januar 2009 eingereicht werden muss (außer, man hat eine Fristverlängerung). Eigentlich, so denkt der erfahrene, edv-kundige Mensch, könnte man doch diese auch mit der aktuell im Januar erschienenen ElsterFormular-Version 2008/2009 absenden.

Aber nein, das geht nicht, denn diese Version kann nur Umsatzsteuervoranmeldungen für das Jahr 2009 senden. Will man (bzw. muss man) die obige Umsatzsteuervoranmeldung senden, muss man zwingend ElsterFormular 2007/2008 installieren. Und so richtig bescheuert ist das dann, da man ja auch durchaus mal eine Berichtigung loslassen müsste, denn auch das geht nur mit der jeweils für das Jahr veröffentlichten ElsterFormular-Version. Also musste ich mir doch tatsächlich nochmal ElsterFormular 2007/2008 herunterladen und installieren und dann die Voranmeldung auch noch ohne elektronische Signatur übers Netz jubeln, weil diese ElsterFormular-Version partout nicht dazu überredet werden konnte, mit meiner Signaturanwendung zu kommunizieren, während die neue ElsterFormular-Version das kann.

Warum kann man denn nicht ElsterFormular als eine Art Browser entwickeln und sich die entsprechenden Formularsätze der jeweiligen Jahre inklusive einer Art Interpretermodul separat und nach Wunsch herunterladen? Oder wieso kann man nicht wenigstens einen Web Service anbieten, der ältere ElsterFormular-Dateien öffnen und interpretieren kann? Warum kann man als Finanzbehörde sich nicht einfach einmal anstrengen und bei einem so wichtigen Thema, das man eh nur über das Internet abwickeln kann, nützliche Software schreiben, anstatt nur Software, die gerade eben mal so funktioniert und doch jedes Jahr als Installationsdatei immer größer wird? Das Steuerrecht soll vereinfacht werden? Ich kann darüber nicht wirklich mehr lachen.

In so Momenten kann ich übrigens sehr ungehalten werden. Der Staat will einen Bundestrojaner entwickelt haben und zuverlässig den Bundesbürger vor so genannten „schädlichen“ Inhalten aus dem Internet schützen? Ich glaube, der Staat hat noch gar nicht so recht begriffen, wie es eigentlich um ihn geschieht.

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