Migranten kranker als Einheimische?

Der Pharmahersteller Ratiopharm schreibt auf seiner Homepage von einer eigentlich tollen Entwicklung, nämlich der Vorgehensweise, Beipackzettel für alle nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente aus dem eigenen Hause nun auch in türkischer Sprache auf der Homepage bereitzustellen. Da man als gute Presseabteilung in der Kunst der hübsch Verpackens bewandert sein sollte, fehlt auch der übliche PR-Sermon nicht, der allerdings ein paar merkwürdige Thesen hat:

„Etwa 2,7 Millionen türkische Mitbürger leben in Deutschland und bilden damit den mit Abstand größten Anteil an Einwanderern. Migranten haben ein deutlich höheres Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko als Einheimische. [..] Höhere Erkrankungszahlen bei Immigranten und eine geringere Compliance [im Sinne von „Mitwirkung des Patienten im Heilungsprozess“, Anmerk. d. Autors] sind auch Kostentreiber. ratiopharm wird durch die Einführung türkischer Beipackzettel seinem erklärten Ziel, zur Kostensenkung im Gesundheitswesen beizutragen, gerecht.“

Ich finde die Feststellung, dass Migranten ein höheres Risiko als Einheimische haben, krank zu werden oder zu sterben, äußerst interessant und werde mal die Firma Ratiopharm befragen, auf welche Zahlen diese Argumentation fundiert.

6 Gedanken zu „Migranten kranker als Einheimische?

  1. Hmmm, keine Ahnung, aber ich vermute einmal, dass angenommen wird, dass Migranten im Durchschnitt ein niedrigeres Einkommen haben. Statistiken, dass die Gesundheit mit dem Einkommen korreliert gibt es mehrere und dies leuchtet ja auch durchaus ein.
    Ein weiterer Grund könnte sein, dass manche weniger oder später zum Arzt gehen als der Durchschnittsdeutsche. Gründe könnten Sprachprobleme oder Angst vor Problemen mit dem Arbeitgeber sein.

    Ich bin mal gespannt was Ratiopharm antwortet.

  2. Erdogan schildert in seiner legendären Rede ( die mit der These „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ) im Februar 2008 auch seine Probleme mit dem medizinischen Sektor in der Türkei :-),

    er fordert aber keine türkischen Beipackzettel sondern er wünscht sich, daß es (in der Türkei) eine ausreichende medizinische Versorgung geben soll.

    Wozu dann „türkische Beipackzettel“, wenn es selbst Erdogan nicht fordert ?

    Apotheker, Ärzte, Apothekenhelferinnen, Arzthelferinnen verstehen in Deutschland halt kein Türkisch, weil es keine Verkehrssprache ist, und können demzufolge keine Service auf Türkisch leisten ( bzw. es wäre diskriminierend, sie nach ihren nicht vorhandenen Türkischkenntnissen zu beurteilen / einzustellen / zu entlassen ).

    Lest mal im Original:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/85/432834/text/
    http://www.sueddeutsche.de/politik/85/432834/text/14/

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