Kriegsscharmützel im Social Web.

Dieser Tage ist ein Blick in die Mailbox unangenehm, denn ich bekomme eine Reihe von E-Mails von Bekannten und Freunden, die mir im aktuellen Nahost-Konflikt gern erklären möchten, warum ich Partei für eine Seite ergreifen soll.

Ich bin in solchen Dingen vorsichtig. Nachrichten aus Krisengebieten – und von diesen Nachrichten werden wir letztendlich alle informiert – haben mit Wahrheit nur gelegentlich etwas zu tun, das gilt so erst einmal genauso auch für den Graswurzeljournalismus. Ich habe als einfacher Leser erst einmal keine wirklich zuverlässigen Möglichkeiten, zu überprüfen, ob Meldungen einschlägiger Twitterer oder Facebookler wirklich aus den Krisengebieten kommen oder von einem engagierten Nutzer aus irgendeinem anderen Fleck der Erde.

Was ich als aufgeklärter Mensch weiß, ist, dass Krieg immer eine sehr drastische Form des Aushandelns von Interessenkonflikten ist und dass es in der Regel herzlich schwierig ist, Freund und Feind auseinanderzuhalten, wobei ich als Pazifist da eine sehr grundlegende Definition habe: Freund ist das Leben, Feind ist der Tod. Befreundet sein, heißt, Leben erlebbar zu machen, befeindet sein, heißt, Tod zu predigen. Der Rest ist nach dieser, meiner Definition so nichtig, dass ich es mir danach noch nicht mal mehr ansatzweise erlauben kann, für irgendjemanden in kriegerischen Auseinandersetzungen Partei zu ergreifen.

Das ist einer der Gründe, weshalb ich glühender Anhänger von solchen Institutionen wie „Ärzte ohne Grenzen“ bin. Die kümmern sich nicht um die Auslöser, die gehen da rein und helfen, egal, wer welche Hautfarbe und welche Nase hat. Wenn ich in größeren Gedankengängen dann immer zur gleichen Erkenntnis komme, dass eigentlich genau solche Hilfsorganisationen das machen, was eigentlich alle Kriegsparteien ihrer Seite als Ziel verkaufen – nämlich Humanität, Perspektive, Hilfsbereitschaft, Offenheit – dann ist genau das die für mich die nur schwer erträgliche Unvereinbarkeit des Krieges mit dem Leben.

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