Der Blackberry-Horror.

Die Fraktion der Blackberry-Jünger gehören zu den Leuten, die es offensichtlich hart lieben. Ein komplett nicht autonom arbeitender PDA, eine Benutzeroberfläche zum Weglaufen, kantige Schriftarten, vorsintflutliches Gehäusedesign, quasi die elektronische Version des VW-Kastenwagens mit Tasten, absolut unsexy. Aber während man Apple-Jüngern einen regelrechten Fetisch um alle Produkte mit dem Apfelsymbol vorhalten kann, lassen sich Blackberry-Besitzer auf so Diskussionen nicht ein – sie sind mit ihrem schwarzen, sperrigen Gerät in einer festen und unerschütterlichen Symbiose.

Aus Sicht eines Dienstleisters ist eine Blackberry-Installation eine idiotensichere Angelegenheit und eine Gelddruckmaschine. Wer Blackberries im Unternehmenseinsatz haben möchte, kommt um eine zentrale Messaging-Lösung a la Lotus Notes oder Microsoft Exchange nicht herum, es wird ein weiterer Server benötigt, der den „BES“, den „Blackberry Enterprise Server“ beheimatet, es werden Blackberry-Endgeräte benötigt, Mobilfunkverträge und irgendjemand, der das alles einrichtet und auch später für Nachschub sorgt, wenn weitere Geräte benötigt werden.

Was Blackberry kann, können auch andere, beispielsweise Microsoft Exchange mit Direct Push – die Anbindung eines Windows-Mobile-Gerätes (ja, es geht auch das iPhone) an einen Exchange. Das funktioniert sogar gut und zuverlässig, es wird nichts über zentrale Blackberry-Server geroutet und wer ein Direct-Push-fähiges Mobiltelefon besitzt – und das haben erstaunlich viele Manager – hat schon die Voraussetzungen. Doch das zählt nicht, man ist nur wichtig, wenn der Blackberry in der Tasche ist. Im ICE ist der Blackberry die Visitenkarte des Wichtigen.

So auch bei meiner Schwester, die im mittleren Management eines großen Modekonzerns arbeitet und doch tatsächlich eines Wochenendes einen Blackberry ins Haus einschleppte. Mein Vater hat in altbekannter Voraussicht und Weisheit, dass Computerzeug grundsätzlich mir gehören muss, das Gerät zu meinem Besitz zugerechnet, was ich wohl in relativ barschem Ton verneinte. Nein, mein Vater kann sowas nicht verstehen. Es ist am ehesten ein Schauplatz des ewigen Kampfes zwischen Management und IT-Abteilung und für ehemalige Arbeiter ist das ein No-Go-Bereich und das ist als Ratschlag aufzufassen.

Heute morgen bin ich wieder in die Blackberry-Falle getappt. Gegen 8.20 Uhr vernehme ich im zweiten Stock des Hauses ein seltsames Geräusch. Ein Dreiton. Zuerst dachte ich, irgendwo in der Nachbarschaft könnte die Alarmanlage losgegangen sein, aber das ist keine Alarmanlage. Ein Rauchmelder hört sich auch ganz anders an. Ich stand auf und hatte schon ein amoklaufendes Uhrwerk mit elektronischem Gong in Verdacht, das eventuell bei meinem Vater in Reparatur sein könnte (schrecklich sowas, elektronischer Big Ben ist wirklich etwas fürs Foltergefängnis), aber es war der Blackberry meiner Schwester, der ab 8 Uhr einen Alarm herausschrie und darauf wartete, dass man den Alarm nun beendet. Solche Alarme kann man nur für Manager machen – 20 Minuten Gebimmel ohne Auto-Snooze.

2 Gedanken zu „Der Blackberry-Horror.

  1. Wieder mal ein ziemlich einseitiger und provokanter Artikel ;-).

    Wer den Blackberry einmal als Arbeits- und Kommunikationsgerät schätzen gelernt hat, dem ist vielleicht das Design und Schriftart weniger wichtig. Wobei bei den modernen BBs deine Aussagen m.E. nicht mehr unbedingt zutreffen. Die Anwendungen sind einfach genial schnell und logisch zu bedienen, die Multitaskingfähigkeit ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen Anwendungen.

    Die sofortige Syncronisation von Mail, Kalender, Aufgaben und auch individuellen Anwendungen sowie das geniale Mailmanagement mit gleichzeitig geringen Volumenbedarf beim Datentransfer sind weitere Vorteile.

    Was den BES betrifft so ist er ein Management-Tool, das z.B. die zentrale Einrichtung, Übertragung von Policies, die Installation von Anwendungen auf hunderte von Geräten ermöglicht, ohne dass die Geräte jemals die Räume der IT zu sehen bekommen. Wenn ein Mitarbeiter ein neues Gerät bekommt, wird es zentral eingerichtet und der Benutzer bekommt ein Passwort, mit dem er das Gerät innerhalb von Minuten einsatzbereit bekommt.

    In großen Umgebungen mit vielen mobil arbeitenden Benutzern gibt es meines Wissens keine brauchbare Alternative.

    Wie man vielleicht an meinem Kommentar merkt, bin ich auch so ein Blackberry-Nutzer, obwohl ich nicht im Management arbteite.

    Und so konnte ich deinen Artikel nicht auf „meinem“ Blackberry sitzen lassen. 🙂

    1. Ah, der Mario ist auch schon im neuen Jahr. 🙂
      Na selbstverständlich ist mein Ding einseitig und provokant. Ich hoffe, nicht nur du hast das sofort gemerkt, aber es würde mich fast wundern, wenn es nur so wäre. Wobei man sich Feinde nur mit iBashing schafft, Blackberry-Leute lesen keine Blogs – also die meisten. 🙂

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