Brauchen wir Registry-Cleaner?

Wir hatten es gerade mal wieder in der I-Worker-Mailingliste: Registry-Cleaner. Also die Gattung von Programmen, dessen Zweck sein soll, die Windows-Registry aufzuräumen und zu „reinigen“. Ich bin da knallharter Verfechter der Fraktion, die Registry-Cleaner hasst, wie die Pest.

  • Die Windows-Registry ist eine indizierte Datenbank, ist also schon mal nicht flach wie eine Textdatei. Darüberhinaus ist sie verhältnismässig wenig tief strukturiert. Das ist eine grundsätzliche Basis dafür, dass die Windows-Registry auch mit viel Inhalt noch bedienbar bleibt.
  • Die Windows-Registry ist ein gutes Konzept – wenn man die Intention dahinter versteht. Windows XP und Vista sind Mehrbenutzer-Betriebssysteme, die die Benutzereinstellungen auch streng getrennt voneinander verwalten. Die Windows-Registry kommt deshalb in zwei großen Bestandteilen daher, einem System- und einem Benutzerteil, wobei der Benutzerteil je nach eingeloggtem Benutzer geladen wird. Die gesamten Benutzereinstellungen mit einer einzigen Konfigurationsdatei abzubilden (womöglich in einer berühmt-berüchtigten INI-Datei), wie sie noch unter Windows 3.x üblich war), ist technisch und benutzerrechtlich gesehen völliger Käse.
  • Die Windows-Registry enthält nicht einfach nur Benutzereinstellungen und die Liste der Dateiendungen und deren verbundene Applikationen, sondern sie enthält so ziemlich alle Einstellungen, die auch Windows selbst betreffen, bis hin zu den elementarsten Einstellungen, die den Kernel betreffen. Bevor ich jemals eine mir nicht bekannte Software auf dieses Gehirn loslasse, ohne zu wissen, was da eigentlich dann aufgeräumt wird, installiere ich lieber Windows neu, wenn ich im Glauben wäre, die Registry wäre Schuld an Systemproblemen.

Wenn ein System langsam ist, was oft und gern als Hauptgrund für das Registry-Aufräumen angeführt wird, dann beginne ich von vorn:

  1. Nachdenken. Warum könnte das System langsam sein? Akut langsamer geworden? Eine neue Software/Hardware installiert? Eventuell nach einem Windows Update?
  2. Was macht die Speicherauslastung? Zu wenig RAM? Wie sieht es mit der Speicherauslagerungsdatei aus? Vielleicht zu klein? Swappt der Rechner permanent?
  3. Ereignisprotokoll überprüfen. Das wirklich revolutionäre, was mit Windows XP und Vista auch bei den Home-Betriebssystemen hinzugekommen ist, ist die Ereignisanzeige, die man schon vorher von den Server- und Workstation-Betriebssystemen her kannte. Hier werden Fehler und Warnungen von System und Anwendung protokolliert und hier lassen sich protokollierte Systemprobleme recht bequem recherchieren.
  4. Problem mit Diensten? Systemdienste sind Programme, die vom Betriebssystem selbst gestartet werden, vornehmlich beim Systemstart. Das funktioniert in der Regel problemlos, da aber auch Dienste letztendlich Programme sind, die beschädigt oder auch mutwillig ausgetauscht werden können, schaut man sich hier einmal um und konsultiert auch hier die Ereignisanzeige. Nicht gestartete oder beendete Dienste werden im Systemprotokoll protokolliert.
  5. Mal die Systempartition defragmentiert? Wer das noch nie gemacht hat und sich mit einem professionelleren Werkzeug, als dem von Windows mitgelieferten Defragmentierer die Festplatte anschaut, wird meist erstaunt darüber sein, wie fragmentiert die Festplatte ist. Und das betrifft dann vor allem große Dateien, die beim Laden und Speichern in vielen kleinen Segmenten auf die Festplatte gespeichert werden müssen. Und je stärker diese Fragmentierung von Dateien ist, desto länger dauert es, diese Dateien in einem Stück zu laden bzw. zu speichern und das kostet dann Zeit. Wenn dann auch noch die Registry-Dateien fragmentiert sind, die Speicherauslagerungsdatei und viele einzelne Programmelemente und zu ladende Bibliotheken, dann hat man meist die Hauptursache für ein lahmendes Betriebssystem identifiziert.

Und wenn jemand Putzfimmel hat und unbedingt irgendetwas saubermachen möchte, dann soll er am besten Maus und Tastatur reinigen. Das reicht für ein halbes Wochenende locker und man sieht am ehesten das geleistete Werk.

2 Gedanken zu „Brauchen wir Registry-Cleaner?

  1. Defragmentieren ist eine der unsinnigsten Tuning-Methoden überhaupt. Durch Caching und Queuing (NCQ) merkt man von der Fragmentierung der Festplatte nichts mehr. Höchstens derjenige, der mit großen Dateien (mehrere MByte) arbeitet, wird beim Speichern und Laden nach dem Defragmentieren einen positiven Effekt bemerken.

    Vom Defragmentieren der Systempartition sollte man die Finger lassen, weil Windows durch Prefetching dafür sorgt, dass zumindest die Dateien für den Systemstart beieinander liegen.

    1. Bedaure, meine Erfahrungen sind da gänzlich andere, wobei ich einige deiner Argumente durchaus teile.

      Eine Fragmentierung fällt selbstverständlich bei größeren Dateien erheblich mehr auf, als bei kleineren, das liegt in der Natur der Sache. Allerdings ist das ein Problem, das durch die Entwicklung, dass Dateien immer größer werden und Programmaufrufe meist eine Vielzahl von weiteren Aufrufen zur Folge haben, ein immer größer werdendes.

      Ein weiteres Problem ist die Krankheit (ja, Krankheit) von Windows, die Speicherauslagerungsdatei von Hause aus dynamisch anzulegen. Sie wächst also im normalen Betrieb und sie wächst in der Regel nicht unfragmentiert. Dazu kommt, dass man die Speicherauslagerungsdatei – so wie alle Systemdateien – mit Bordmitteln gar nicht defragmentieren kann.

      Gute Defragmentierer (bsp. Raxco PerfectDisk) haben mehrere Defragmentierungsstrategien an Bord, unter anderem die Möglichkeit, häufig genutzte Dateien von den weniger häufig genutzten logisch zu trennen und diese untereinander nahe gruppiert auf der Festplatte anzuordnen, zusätzlich noch mit dem Ansatz die häufig genutzten Dateien in der Nähe von freiem Speicherplatz anzuordnen, da man davon ausgeht, dass diese auch zukünftig häufig geändert werden könnten.

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