Geistesblitze beim Übersetzen.

Ich habe heute mal die deutsche Übersetzungsdatei zu TiddlyWiki etwas überarbeitet. In den letzten Monaten ist zwar in der Codeverwaltung kaum etwas passiert, was die Sprachdatei betrifft, allerdings schiebe ich eine gründliche Revision schon seit einiger Zeit vor mir herum.

Beim vernünftigen Übersetzen muss man Konventionen beachten – übersetzt man ein Wort, muss man dieses übersetzte Wort auch konsequent in der gesamten Übersetzung nutzen, so dass es zu möglichst wenig Reibungsverlusten durch unterschiedliche Übersetzungen kommt. Das ist gerade bei Übersetzungen im EDV-Bereich grundlegend wichtig, weil man hier auch noch eingebürgerte konventionen berücksichtigen muss. Die übliche Übersetzung für einen Menüpunkt „View“ ist eben nicht „Anblick“, sondern immer „Ansicht“.

Man tut also gut daran, beim Übersetzen ständig höllisch auf Begrifflichkeiten aufzupassen, Konventionen zu beachten und all diese Dinge dann auch zu dokumentieren. Meine kleine, hübsche Wortdatenbank für die TiddlyWiki-Übersetzungen (selbstverständlich gepflegt in einem TiddlyWiki) enthält so immerhin schon rund 50 einheitliche Übersetzungen.

Bei einem Begriff, bei dem ich nun schon seit längerer Zeit am Grübeln bin, wie man das am sinnvollsten übersetzt, kam heute Abend der Geistesblitz, der ein so überraschend lapidares Ergebnis gebracht hat, dass ich mich regelrecht darüber ärgere.

Der zu übersetzende Begriff ist das Wort „Tag“.Damit ist nicht das gemeint, was 24 Stunden definiert, sondern das englische Wort. Und zwar nicht in der Definition für Auszeichnungen oder Markierungszeichen (wie beim „HTML-Tag“), sondern in das, was wir in der Web-2.0-Terminologie beispielsweise für „Tag-Wolken“ verwenden. Eine Übersetzung wäre das Stichwort, aber damit habe ich mich nun schon seit einer ganzen Weile nicht wohlgefühlt. „Stichwort“ ist einfach zu simpel, das unterscheidet sich begrifflich zu wenig von normalen Wörtern oder Überschriften.

Was konzeptionell auch nicht geht, ist die Kategorie. Kategorien sind eigentlich der umgekehrte Weg des Taggings, denn der übliche Weg zu Kategorien ist der, zuerst Kategorien zu definieren und dann die Inhalte. Beim Taggen geht es aber im Idealfall so, dass man den Inhalt erstellt und daraus dann Tags pickt.

Ergebnis meines heutigen Denkprozesses: Das Schlagwort. Das Verb wäre „verschlagworten“, was sich zugegebenermaßen ziemlich böse liest, aber dem „taggen“ am nächsten kommt. Kommentare hierzu?

6 Gedanken zu „Geistesblitze beim Übersetzen.

  1. Ich empfinde Übersetzungen für „Tag“ fast immer als störend und würde einfach mal behaupten, dass jemand der ein TiddlyWiki einsetzt den englischen Begriff sehr gut kennt und deswegen hierfür keine Übersetzung benötigt.

    Ansich gebe ich Dir aber Recht, denn „Schlagwort“ trifft es besser als „Kategorie“ und „Stichwort“.

    1. Den Link selbst werde ich auch keinesfalls ändern, dazu wird der Begriff des Taggings tatsächlich zu stark im Deutschen verwendet. Es geht hierbei auch lediglich um die Übersetzung der Erläuterungstexte, die beispielsweise dann erscheinen, wenn jemand über den „Tag“-Reiter“ fährt. Da sollte ich das schon mit einem deutschen Wort näher erläutern, was das eigentlich ist.

  2. Schlagwort ist die richtige und auch die übliche Übersetzung für Tag. Bei der Sortierung von Bildern oder ähnlichem, verwendet man das in deutscher Software schon länger. Am Verb „verschlagworten“ gibt es für mich auch nichts auszusetzen – ist inzwischen auch im normalen Gebrauch (zumindest bei mir) enthalten.
    Eigentlich dachte ich, dass ich da auch schonmal drüber geschrieben habe, aber tatsächlich war es wohl nur so, dass ich das mal in einer Archiv-Übersichtsseite enthalten hatte.

  3. Ich selbst habe „Tag“ für mich immer mit Schlagwort übersetzt, daher kann ich Deinem Vorschlag es auch so einzusetzen nur zustimmen.

    Und „verschlagworten“ klingt zwar wirklich nicht schön, aber im Sprachgebrauch ist das doch schon lange angekommen.

  4. ach, die alte Gretchenfrage…
    „Schlagwort“ finde ich nicht grundsätzlich verkehrt – jedenfalls nicht mehr und nicht weniger, als „Etikett“ oder „Markierung“.
    Das Kernproblem ist, dass viele „passende“ deutsche Begriffe tendenziell zu stark anderweitig verwendet werden, um die englische Klarheit des Begriffs hinzubekommen (Beispiel: „Auszeichnung“ – das wäre sachlich und inhaltlich völlig korrekt und passend, wenn es nicht mehrdeutig wäre…)

    Interessant auch, daß ?Tag (Begriffsklärung) – Wikipedia? die 3 von mir genannten zuerst nennt: http://twurl.nl/pp1360

    Viel Spaß beim lösen dieses gordischen Knotens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *