Der “Zorin-Zeppelin”.

Manchmal frage ich mich schon, ob es nicht besser wäre, das Internet nicht zu haben, wenn man beispielsweise fernsieht.

Gestern Abend, James Bond, „Im Angesicht des Todes“. In der unrühmlichen ARD-Kinderversion, in der die Szene, in der Mayday zu James Bond ins Bett schlüpft, leicht nachbearbeitet ist, so dass der Bruchteil der Sekunde, in der der blanke Busen von Grace Jones sichtbar wäre, nicht mehr ist. Immerhin aber rückblickend betrachtet einer der spektakuläreren Bond-Filme, auch wenn Roger Moore furchtbar lächerlich aussieht, wenn er auf einem Pferdesimulator gefilmt wird.

Irgendwann gegen Ende erscheint der berühmte Zeppelin des Bösewichtes Max Zorin (gespielt vom einfach wunderbaren Christopher Walken), der aus einem kleinen Bürohäuschen entsteigt und gen Golden-Gate-Bridge fliegt, mit James Bond am Halteseil.

Nun sieht man zu Beginn recht deutlich die Kennung des Zeppelin, diese lautet G-BIHN. Was liegt also näher, als mal, rein interessehalber, mal nach dieser Kennung zu recherchieren?

Erstes Ergebnis: Der Zeppelin existierte tatsächlich und wurde 1980 von einer britischen Firma namens AirShip Industries gebaut. Die Baureihe nennt sich SkyShip 500 und als zweites, je gebautes Modell dieser Baureihe nennt sich dieses Schiff “SkyShip 500-02”. Der Bond-Kenner würde sich nun damit zufriedengeben und sich sagen, dass das so korrekt sein dürfte, denn immerhin werden die meisten Indoor-Aufnahmen und viele Spezialeffekte in den Heimatstudios der Bond-Filme, in den Pinewood-Studios gedreht und die befinden sich ebenfalls in Großbritannien, nahe London. Eine eigene Webseite zum Zorin-Zeppelin auf der Website des Airship Heritage Trust bestätigt dies auch weiterhin.

Zweites Ergebnis: Der eigentliche Zeppelin G-BIHN hat eigentlich eine feste Hülle. Die Szene, in der der Zeppelin aus dem kleinen Bürohäuschen entsteigt, kann also nicht den echten SkyShip 500-02 zeigen, denn dieser ist nicht so aufblasbar, wie das im Film dargestellt ist. Und tatsächlich ist dieses Luftschiff auch gar kein Zeppelin im näheren Sinne (da es kein starres Skelett gibt), sondern ein Prallluftschiff, auch Blimps genannt. Dennoch: Das Luftschiff, das da aus dem Bürohäuschen kommt, ist kein SkyShip 500-02 und vermutlich auch einfach nur ein Modell. Und höchstwahrscheinlich auch das Ding, das dann später effektreich im Film zerstört wird. Zeppeline und Luftschiffe explodieren nämlich nicht, da deren Gasfüllung unbrennbar ist.

Drittes Ergebnis: Die spektakulären Kampfszenen auf der Golden-Gate-Bridge sind natürlich mit keinem echten Luftschiff durchgeführt worden, sondern mit Modellaufbauten. Einige nette Fotos darüber, wie die Nahaufnahmen auf der angeblichen Golden-Gate-Bridge entstanden sind, gibt es unter obigem Link auch.

Der Artikel beantwortet auch eine weitere Frage: Wie entstanden denn nun die wenigen Bilder, auf denen die vollständige Golden-Gate-Bridge und der vorbeifahrende Zorin-Zeppelin zu sehen sind, denn hier war genau dieser Zeppelin mit der Kennung G-BIHN ja auch zu sehen. Da in diesen Bildern keine Manipulation zu sehen ist, muss tatsächlich also G-BIHN wohl in den USA gewesen sein.

Das wiederum ist eine weitere Geschichte, denn genau der SkyShip 500-02, also G-BIHN, war zu Zeiten der Dreharbeiten nämlich tatsächlich in Kalifornien und zwar im Auftrag von Fujifilm, deren Werbung er trug. Und genau dieser Zeppelin war zeitgleich auch ein Hauptdarsteller einer anderen Großproduktion, nämlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles am 28. Juli 1984. Dort schwirrte nämlich genau dieser Zeppelin – dem Anlass entsprechend mit dem Schriftzug “WELCOME” – durch die Lüfte:

G-BIHN ist also nicht nur ein Hauptdarsteller bei James Bond gewesen, sondern auch bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles. Betonung auf „gewesen“, denn laut der Website der britischen Civil Aircraft Registry ist der runde Kollege seit dem 31. Januar 1991 nicht mehr im Einsatz und auch nicht mehr registriert.

2 Gedanken zu „Der “Zorin-Zeppelin”.

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