Der WISO-Praxistest: Dicke Hose machen.

Ich schau gerade einigermaßen entsetzt das WISO-Magazin im ZDF. Immerhin stand „WISO“ einmal für „Wirtschaft und Soziales“ und war ein fachlich fundiertes Magazin über eben Wirtschaft, Soziales und Arbeit. Der heutige WISO-Praxistest steht genau in dieser Tradition, wenngleich auch mit negativem Vorzeichen.

Man wollte nämlich einmal testen, ob das Äußere tatsächlich Menschen dazu bringt, Vertrauen zu schöpfen, ohne wirklich zu wissen, ob bei der Person auch die inneren Werte zum Äußeren passen. Da hätte ich doch jetzt erwartet, dass man einem Banker einen Schlabberlook verpasst oder ähnliches.

Nein, man hat den Redaktionspraktikanten genommen und ihn zu einem Hip-Hop-Star gemacht. Dazu hat man von einem „aufstrebenden“, echten Hip-Hop-Star eine Demo-CD eingespielt, für den Praktikanten eine hippe Autogrammkarte gebastelt und ihn unter anderem mit einer Strechlimo, einer Horde Leibwächter, einem Manager und zwei ZDF-Kamerateams in Einkaufszentren, Supermärkte, einem fetten Hotel und einem Friseur gebracht.

Ergebnis: Beim Bäcker gabs Schweineöhren und Kuchen aufs Haus, im Hotel die Suite zum Preis eines normalen Hotelzimmers, beim Friseur den (blutigen) Haarschnitt kostenlos. Und dazu noch ein paar Kids und Hausfrauen aufgenommen, die sich um die Autogrammkarten und CDs gerissen haben, als ob Rex Gildo eine Autogrammstunde gibt.

Coole Sache, da hatten bestimmt genug Leute turboaffengeilen Spaß, einmal auf dicke Hose zu machen, auf Kosten des Hauses und natürlich im Namen der Gerechtigkeit und des knallhart fundierten Praxistests. Der normale Mensch fasst sich allerdings (hoffentlich) an den Kopf und fragt sich, was Marcel Reich-Ranicki eigentlich gemeint hat. Ich meine: Der Alte hat sich geirrt, das Fernsehen ist nicht nur „fast“ komplett hinüber, es ist schon längst verloren.

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