Nur zu Ihrer Sicherheit!

Na hübsch! Die Australier bekommen einen staatlich vorgesetzten „Cyber-Safety“-Filter vor ihre Internet-Zugänge geschnallt, mit dem Eltern, die ihre Kinder medial nicht erziehen können, zumindest den Computer so einstellen können, dass er Pfui-Content ausfiltert, allerdings lässt sich dieser Filter grundsätzlich nicht ausschalten und filtert auf jeden Fall illegale Inhalte, die in einer staatlich kontrollierten Blacklist geführt wird.

Ursprünglich verkauft wurde das mal an den gemeinen Bürger als System, bei dem ein Opt-Out möglich sei, aber der zuständige „Minister für Breitband, Kommunikation und digitale Wirtschaft“ hat befunden, dass sich die Filtertechnik seit den letzten Tests im Jahre 2005 verbessert habe.

So einfach ist das. Ist doch alles nur zum Schutze der Bevölkerung. Niemand kommt zu Schaden, alles bleibt sicher! Man muss als politische Kaste einfach nur dreist genug bleiben, dann klappt das.

6 Gedanken zu „Nur zu Ihrer Sicherheit!

  1. Ohne Hintergründe und Details zu dem australischen Vorgehen zu kennen – nur so viel:

    Ich halte es für eine zwingende Aufgabe des Staates, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Kinder vor bestimmten Inhalten des Webs geschützt werden können! Eltern (zumindest die meisten) sind hier überfordert.

    Dann stellt sich die Frage nach dem Weg: Wie ist das möglich ohne die anderen Nutzer einzuschränken?

  2. Der Staat hat hierbei jedoch das Mass der Dinge zu beachten. Beispielsweise ist der Verkauf von Zigaretten an Jugendliche unter 16 Jahren schlicht verboten, dennoch stehen da draußen Zigarettenautomaten und es gibt Eltern, die ihren Kindern Zigaretten kaufen. Ebenso ist es mit Knallkörpern, die noch nicht mal Jugendlichen verkauft werden dürfen, dennoch problemlos über einen Mittelsmann gekauft werden können.

    Ein Staat kann nicht die Erziehung von Kindern übernehmen. Und ein Staat darf nicht ohne weiteres die Souveränität der gesamten Bevölkerung auf den Kopf stellen, nur um Jugendschutz vorzugaukeln.

  3. Selbstverständlich soll der Staat nicht die Erziehung der Kinder übernehmen. Aber er soll die Voraussetzungen schaffen, dass eine verantwortungsbewusste Erziehung möglich ist.

    Erwachsene, die Kindern den Zugang etwa zu Zigaretten oder Böllern ermöglichen, handeln gesetzeswidrig. Dass so etwas trotzdem geschieht, ist für mich kein Vorwand zu sagen, dass Minderjährige nicht vor – werden wir mal konkret – übelster Pornografie, Gewaltverherrlichung etc. geschützt werden sollten.
    Dieser Schutz ist zur Zeit nicht gegeben. Die einzige Möglichkeit der Eltern ist, den Umgang mit dem Internet komplett zu untersagen. Ist das die Lösung?

  4. Der Staat hat Voraussetzungen dafür, dass Eltern ihre Kinder verantwortungsbewusst erziehen können. Jeder, der glaubt, seine Kinder nicht erziehen zu können, kann sich beispielsweise an das Jugendamt oder an Beratungsstellen wenden. Der Staat übernimmt diese Entscheidung auch, wenn Not am Manne ist.

    Grundsätzlich gilt immer zu überprüfen: Wie kann der Staat den Zugang von Jugendlichen zu jugendgefärdenden Inhalten so einschränken, dass Jugendlich wirksam geschützt werden, der Rest der Gesellschaft aber möglichst wenig davon beeinträchtigt wird. Einen pauschalen Internet-Filter für alle halte ich nicht für die richtige Antwort.

    Zumal „Internet-Filter“ eine extrem schnell ausgesprochene Begrifflichkeit ist, die einem Politiker hübsch steht, technisch aber äußerst umfangreich ist. DNS-Blacklisting ist mit der Benutzung eines anderen DNS-Servers aushebelbar. Webzugriffe können über externe Proxies geleitet werden. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es externe VPN-Dienste, über die man surfen könnte.

    Wollte man das alles erschlagen, wäre man plötzlich da, wo China ist: Ein komplett reglementierter Internet-Zugang, für professionelle Anwender praktisch nicht nutzbar. Abgesehen eben davon, dass es eine massive Einschränkung in die Rechte des Bürgers darstellt.

  5. Natürlich argumentiere ich nicht für eine allgemeine Reglementierung des Internet-Zugangs für alle. Es muss aber etwas getan werden, und ich suche nach Lösungen.

    Wie kann ich meinen 11-jährigen Sohn davor schützen, mit schockierenden und schädlichen Inhalten konfrontiert zu werden?
    Beispielsweise ein versehentlicher Buchstabendreher bei der Eingabe der URL, und schon ist es passiert. Was sollte mir da das Jugendamt nützen?
    Warum ist das alleine meine Aufgabe, und nicht Aufgabe der Gesellschaft?

  6. Weil die Gesellschaft es dir nicht abnehmen kann, dein Kind so zu erziehen, dass es zwischen „Gut“ und „Böse“ irgendwann selbst entscheiden muss. Sinnvollerweise macht man das damit, dass man ihm erklärt, dass das Internet eben beides beinhalten kann und versucht eher nicht, sich vollkommen auf elektronische Scheuklappen zu verlassen, denn die funktionieren nicht. Spätestens nicht beim Nachbarsjungen, dessen Eltern das eben überhaupt nicht im Griff haben.

    Das Internet ist sicherlich kein Kinderspielplatz. Andererseits: Ich habe mich früher als Kind immer wieder gefragt, warum es an Kinderspielplätzen immer wieder auch mal alte Männer gibt, die sich einfach auf die Bank setzen und glücklich in die „Landschaft“ starren.

    Ich halte wenig von elektronischen Filtermechanismen, die „menschliche“ Probleme erkennen und filtern sollen. Das funktioniert nur mit erheblicher Manpower gut, die auch auswertet, was abgerufen wird und das ist ein heißes Ding.

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