Das Problem der Journallie mit dem Graswurzeljournalismus.

Wir können uns die Einleitung sparen, das Problem ist ja nun weitläufig bekannt. Was in den letzten Wochen eindrucksvoll mit dem SPIEGEL-Artikel über die Blogger-Landschaft begann, über den sehr fragwürdigen SPIEGEL-Artikel, ob das Internet doof mache, hinwegschwebte und nun wieder mit geeinter Kraft mehrerer großer Printmedien auf die (zugegeben recht niedlichen) Twitter-Aktivitäten von Hubertus Heil niederschlägt, muss man nicht weiter kommentieren, dazu ist vieles geschrieben worden. Nebenbei noch die kleinen Nebenkriegsschauplätze von gestandenen Journalisten, die sich Kritik verbieten lassen und Regionalblättern, die offenbar das Internet neu entdecken.

Das aktuelle Bashing von SPIEGEL ONLINE und der Süddeutschen auf den Twitter-Stream von SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigt hinter den gehässigen Zeilen aber eines sehr schön: In den Redaktionsstuben herrscht die nackte Panik. Während sich gerade die großen Nachrichtenmagazine und überregionalen Zeitungen jahrzehntelang als die politischen Durchlauferhitzer verstanden, durch die eben jede Nachricht zu gehen hat, wenn sie veröffentlicht werden sollen, lässt sich nun mit dem erwachsen werdenden Graswurzeljournalismus und einer gehörigen Portion Web 2.0 dies elegant umgehen. Der Einsatz von moderner Web-Kommunikation ermöglicht immer mehr die direkte Kommunikation zwischen Öffentlichkeit und Politiker und umgeht dabei immer offensiver die klassischen Medien.

Und ja, soll sich Hubertus Heil meintwegen damit lächerlich machen, dass er auf die bescheuerte Frage, was für Socken Barack Obama trägt, eine nicht minder bescheuerte Antwort gibt – in einem renommierten Blatt würde so ein Dialog gar nicht stattfinden, sondern im Meinungsbild des zuständigen Journalisten verschwinden und höchstens noch in einer Pointe auftauchen. Das, liebe Journalisten, ist genau die Welle, auf die Herr Obama schwimmt und die er äußerst geschickt in seinem Wahlkampf einsetzt. Dass Hubertus Heil das in seinen ersten 50 Tweets nur sehr ungeschickt beginnt, mag daran liegen, dass er (noch) selbst twittert und das ganze nicht durch einen PR-Weichspüler läuft. Und ob in den nächsten Jahren in deutschen Wahlkämpfen eine ähnliche Professionalität wie im jetzigen US-Präsidentschaftswahlkampf zu erwarten ist, ist auch eine berechtigte Frage.

Dennoch, es sind alles Zeichen. Und die hilflosen, aggressiven Reaktion der großen Printmedien ist mehr als bezeichnend. Die Geister, die man einst rief, sind schon längst da.

2 Gedanken zu „Das Problem der Journallie mit dem Graswurzeljournalismus.

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