Was ist denn nur mit dem SPIEGEL los?

Also gut, dass der SPIEGEL in überraschend vielen Bereichen eine erzkonservative Einstellung an den Tag legt, ist ja nun nicht wirklich etwas neues. Vielleicht ist das, was man in einer bierseligen Stunde „Festhalten an Werten“ (ohne jetzt näher darauf einzugehen, welche das genau sind) definieren könnte, auch ein Grund, weshalb ich nach wie vor fest zu meinem SPIEGEL-Abo stehe, obwohl ich mich durchaus darüber wundere, wie sich offenbar SPIEGEL-Journalisten beispielsweise durch die Blogosphäre offenbar richtiggehend in die Enge gedrückt fühlen.

Man kann über den SPD-Generalsekretär Hubertus Heil Dinge denken und sagen, wie einem der Kragen wächst. Ich gebe zu, dass er nicht unbedingt mein Mann ist, auch wenn er eigentlich ein netter Kerl ist, aber ich muss ja nicht alle in der Partei lieben, deren Parteibuch ich besitze. Man kann auch über Politiker gern den Nachweis führen, dass sie nicht mit der Öffentlichkeit kommunizieren oder es nicht versuchen. Ich kenne eine Reihe solcher Politiker, deren Hand ich hier und da auch mal geschüttelt habe und auch da ist es mir eigentlich weitgehend egal, weil das jeder Politiker gegenüber seiner Klientel selbst zu verantworten hat. Wenn sich aber dann ein Politiker den Hintern aufreißt und sich mit den Neuen Medien zu beschäftigen versucht, das meinetwegen hier und da mindestens so lächerlich wirkt, wie 80 % der anderen Nutzer dieser Dienste, dann finde ich es nicht sonderlich intelligent, wenn Journalisten dies dem Politiker ankreiden.

Es besteht im Web 2.0 ein silent Agreement darüber, dass jeder jeden persönlichen Erguss ins Netz gießen kann, wie es im gefällt, so lange es im rechtlichen Rahmen bleibt. Das gilt letztendlich auch für Politiker, auch für Hubertus Heil und selbst für den SPIEGEL (wenn sie denn wollten). Und aus diesem Grund habe ich jetzt, obwohl mir eigentlich Hubertus Heils Wanderschaften bei den US-Demokraten weitgehend herzlich schnurz sind, den Twitter-Stream von Hubertus Heil demonstrativ abonniert. Möge die Zahl der Follower am Ende eine eigene Sprache sprechen.

5 Gedanken zu „Was ist denn nur mit dem SPIEGEL los?

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