Der Krampf mit Windows 95 und ISDN.

Beim Ausmisten meines CD-ROM-Archives ist mir eine uralte CD-ROM aus meinen ersten Tagen in der EDV-Branche in die Hände gefallen, eine fast zehn Jahre alte Scheibe, übrigens ein No-Name-Produkt und noch voll funktionsfähig. Darauf habe ich damals mit einem sagenhaften Double-Speed-Brenner und Nero 2.0 eine Sammlung von Anleitungen und Screenshots als Sicherungskopie gebrannt, die meine damaligen Kollegen Willi und Sören und natürlich ich zusammengetragen und fortan unter unserer geheimen Losung „User Help FAQs“ nur uns bekannt war und auch Kunden mit exotischen EDV-Konstellationen helfen sollte, in dem wir uns mit diesen Informationen vorher aufluden und dann konzentriert den Wissensstrom da abgaben, wo es brannte.

Ein wirklich grober Mist, der uns damals Anno 1998/1999 verfolgte, war der Umstand, dass Windows fundamentale Missverständnisse mit der ISDN-Technologie pflegte. Während die analoge Telefonwelt mit Modems ein eigenes Hardware-Dasein in Windows pflegen durfte, klassifizierte Microsoft in Windows 95 die Welt der ISDN-Karten zu der Netzwerkkartenwelt – mit relativ fatalen Folgen, denn die klassische DFÜ-Verbindung wird unter Windows eben über das DFÜ-Netzwerk geführt und das erwartet nun mal ein Modem. Dass damals Windows direkt mit der CAPI der ISDN-Karte kommunizieren könnte? Schön wäre es gewesen.

Also musste man nach jeder ISDN-Karteninstallation einen weiteren Treiber installieren, den so genannten Miniport. Manche Hersteller nannten das „WAN Miniport, „NDIS-WAN-Miniport“ und so weiter. AVM machte sich damals schon Freunde, in dem sie ihren Miniport für die Fritz-Karte auf Ihre CD packten und gar in der Anleitung darauf verwies (was aber kaum jemand wirklich las) und sogar kostenlos auf ihrer Homepage zum Download anboten. Das muss man gesondert erwähnen, denn der damalige Konkurrent zur Fritz-Karte war die ISDN-Karten der Firma Teles, die diese Treiber eben nicht kostenlos anboten und kostenpflichtig über eine Mailbox mit 0190-Rufnummer und mit horrend schlechten Übertragungsraten gesondert bezogen werden mussten.

Das wirklich Ätzende an der ganzen Geschichte war, dass es nirgendwo sinnvoll dokumentiert war. Die Windows-Hilfe war für den Anwender überhaupt keine Hilfe, unsere online gesammelten Anleitungen für jemanden, der noch nicht online war, natürlich auch nicht und so rief man eben den Support an. Und so hatten wir dann unsere Klientel, denn die Installation dauerte gut und gern eine Viertelstunde und mindestens ein Drittel der Anrufe zu diesem Thema waren Wiederholungstäter, die sich genau diese Besonderheiten nicht merken konnten oder wollten.

Wenn ich mir die Notizen da so anschaue, gruselt es mich noch nach fast zehn Jahren noch zuverlässig. Was ist da nicht so manch Feierabend zuverlässig vor die Hunde gegangen, um die einschlägig bekannten Online-Helden wieder ans Netz zu bringen, bevor sie zwei Wochen später wieder ihre Kisten neu installierten und wieder anriefen.

Ein Gedanke zu „Der Krampf mit Windows 95 und ISDN.

  1. Das erinnert mich ein wenig an das Theater, das wir Anfang des Jahres hatten,um ALICE-DSL inklusive W-LAN zum Laufen zu kriegen. Vorher hatte ich mir über PPPoe nie Gedanken gemacht…

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