Das perfekte Sommerloch-Thema.

Kommt leider etwas spät, aber hier zehn goldene Regeln für das perfekte politische Sommerloch-Thema:

  1. Passendes Thema auswählen!
    Das passende Thema für das Sommerloch will klug ausgewählt sein. Einerseits muss es dem Zeitgeist entsprechen und auffallen – man muss den Leuten also aus der Seele sprechen – andererseits darf es nicht wirklich lösbar sein. Es sollte also im Idealfall das Träumen nach der schönen, unberührten Welt ermöglichen. Wichtigstes Charakter: Nicht mit wirklichen Problemen interferieren!
  2. Arbeitsgruppe? Um so besser!
    Sind Sie als Abgeordneter leitend in einer Arbeitsgruppe? Perfekt, stellen Sie dies heraus!
  3. Nicht an bestehende Kampagnen hängen!
    Alles vermeiden, was nachhaltig wirken könnte und dazu gehört, dass das Thema alleinstehend bleibt und sich nicht für Trittbrettfahrer eignet.
  4. Geheimhaltung in der Planungsphase!
    Nicht quatschen, sondern schreiben und hören. Sommerloch-Themen müssen generalstabsplanmäßig aufgezogen werden und dank ihrer politischen Leichtigkeit leben diese Themen davon, dass sie schnell und laut gezündet werden – es wäre schade, wenn da der politische Konkurrent oder ein Kollege aus der Fraktion in die Parade fährt. Idealerweise fängt man rund um die Pfingstwoche mit den Planungen an.
  5. Ernsthaft verkaufen!
    Sehr wichtig, das Thema – sei es noch so dümmlich – muss würdig verkauft werden. Also ein Arbeitspapier ausarbeiten, in den normalen Presseverteiler, Pressekonferenz mit großem Stab, Kamingespräche anbiedern. Die Resonanz wird, dank fehlender Konkurrenzthemen, in der Regel gut ausfallen. Kombinieren kann man das natürlich mit den Geheimrezepten, also Pressekonferenz in einer Lokalität, einzuladende Prominenz, verbunden mit einer Gartenparty bzw. einem Empfang. Dabei immer beachten: Immer staatstragend sein!
  6. Zeitlich gut planen!
    Unumgänglich ist natürlich die Positionierung des Themas unmittelbar am Anfang der Sommerferien und vor dem eigenen Urlaub. Doch Achtung: Am besten eine Woche vor dem eigenen Urlaub positionieren. Mittwoch Pressemeldung heraussenden und auf Freitagvormittag zur Pressekonferenz laden. Die Journalisten freuen sich aufs Wochenende und brauchen leichte Kost fürs Feuilleton am Wochenende. Die nächste Woche kann man dann in Ruhe die Kamingespräche, Interviews etc. abwickeln und die Veröffentlichungen ins Album einkleben.
  7. Material bereithalten!
    Eine gute Kampagne lebt natürlich von Hintergrundmaterial, aber auch von ihren „Waschzetteln“, als den Papieren, die auf der Pressekonferenz ausliegen und auf einer A4-Seite alles Notwendige enthalten. Nicht vergessen, dass auch ein Sommerloch-Thema selbstverständlich eine gute Pressemappe und – ganz wichtig – Fotomaterial enthalten sollte.
  8. Mitarbeiter briefen!
    Es gibt selbstverständlich kein geschlossenes Bürgerbüro, auch nicht während des Abgeordnetenurlaubs. Deshalb die Mitarbeiter beim Sommerloch-Thema ganz besonders einbinden und einen Mitarbeiter zum speziellen Sachbearbeiter heraufstufen, der dann idealerweise auch das Sommerloch-Thema betreut. Er wickelt den Nachlauf ab und hält Kontakt zum Abgeordneten. (Zumindest offiziell, denn wenn er gut in der Materie steckt, packt er das alles allein.)
  9. Nach-Sommer-Amnesie steuern!
    Ein perfektes Sommerloch-Thema ist pünktlich zum Ende der Sommerferien bereits von allein versandet. Falls das nach den Sommerferien noch nicht allen klar ist: Ansprechen und intern erklären, dass das Thema erledigt ist.
  10. Exit-Strategien für Notfälle!
    Für besonders hartnäckige Fälle Argumente bereithalten, weshalb das Sommerloch-Thema undurchführbar ist. Bewährte Pointer:

    • „Kein Geld.“
    • „EU-Richtlinien lassen dies nicht zu.“ (Universalzünder)
    • „Nicht durchsetzbar mit der Regierung.“ (falls selbst in der Opposition)
    • „Nicht durchsetzbar mit dem politischen Koalitionspartner.“ (falls in Regierungsbeteiligung)
    • „Nicht durchsetzbar mit den Ländern.“ (falls in alleiniger Regierungsverantwortung)

4 Gedanken zu „Das perfekte Sommerloch-Thema.

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